Enercity und VW starten Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden

Enercity und VW starten Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden
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VWN / v.l.n.r.: Christian Haferkamp und Aurélie Alemany (enercity) & Stefan Mecha & Lars Krause (Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Enercity und Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) starten ein gemeinsames Pilotprojekt für bidirektionales Laden (kurz: BiDi), das die Einbindung von Elektroautos in den Energiemarkt in einem realen, skalierbaren Anwendungsszenario demonstriert. Im Mittelpunkt stehen der ID. Buzz (die aktuelle Enercity-Flotte umfasst 75 Fahrzeuge) sowie eine BiDi-fähige Ladeinfrastruktur von Enercity, über die das Zusammenspiel von Fahrzeug, Wallbox, Energiemanagementsystem und virtuellem Kraftwerk getestet wird, so VWN in einer aktuellen Mitteilung.

Ziel des Projektes ist es, die technische Machbarkeit, die wirtschaftlichen Potenziale und den gesellschaftlichen Nutzen von Vehicle-to-Grid (V2G) im realen Betrieb für Gewerbekund:innen aufzuzeigen und zur Marktreife zu bringen. Die Kooperationsvereinbarung wurde jetzt unterzeichnet.

Dazu Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende Enercity: „Die Energiewende braucht Flexibilität – und die können wir heben, wenn wir Mobilität und Energiesystem zusammen denken. Mit dem Pilotprojekt machen wir Firmenflotten zum Teil der Lösung: Die E-Auto-Batterien liefern Flexibilität genau dann, wenn das Energiesystem sie braucht. Das senkt perspektivisch Kosten für unsere Geschäftskund:innen – und unterstützt zugleich Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien.“

Stefan Mecha, Vorstandvorsitzender Volkswagen Nutzfahrzeuge, ergänzt: „Unsere ID. Buzz-Flotte kann weit mehr als emissionsfrei fahren – sie wird zu einem aktiven Bestandteil der Energiewende. Die Fahrzeugbatterie als flexiblen Speicher zu nutzen, ist der logische nächste Schritt. Er zeigt, welches Potenzial in der Elektromobilität steckt, wenn sie intelligent in das Energiesystem integriert wird.“

Vermarktung von Speicherkapazitäten bringt hohe Zusatzerlöse

Beim bidirektionalen Laden von Elektroautos fließt der Strom nicht nur aus dem Netz in den E-Auto-Akku hinein, sondern kann von diesem über die Ladestation auch wieder zurück an das Netz abgegeben werden, gerade dann, wenn Strom stark nachgefragt und teuer ist, etwa in den Abendstunden. In der Nacht, bei schwacher Nachfrage und günstigen Strompreisen, wird die Batterie wieder nachgeladen. Durch diese flexible Nutzung und Vermarktung dieser Speicherkapazitäten lassen sich nicht nur Energiekosten senken, sondern auch zusätzliche Erlöse erzielen. Unter günstigen Rahmenbedingungen sei sogar nahezu kostenfreies Fahren möglich, schätzt das Energieunternehmen. Andere laufende sowie bereits abgeschlossene Projekte stützen diese Einschätzung. Den technischen Proof of Concept zum bidirektionalen Laden hat Enercity in einem Laboraufbau bereits erbracht – nun geht es darum, die Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit des Modells unter Beweis zu stellen.

Im ersten Schritt des Piloten konzentrieren sich die Projektpartner auf die Anwendung für Gewerbekund:innen mit planbaren Standzeiten und -orten der firmeneigenen Flotten – beispielsweise über Nacht. Für diesen Anwendungsfall soll anhand der V2G-fähigen Fahrzeuge von Volkswagen Nutzfahrzeuge gezeigt werden, dass sich die Potenziale des bidirektionalen Ladens für Anwender:innen einfach und profitabel im Alltag realisieren lassen. Enercity setzt selbst auf seine vollelektrischen ID. Buzz Cargo als klimaneutrale Servicefahrzeuge – sie stellen mehr als die Hälfte aller Elektrofahrzeuge in der Flotte des Energieunternehmens.

Wirtschaftliches Potenzial und Schub für die Energiewende

Das gemeinsame Projekt startete bereits 2025 mit Vorstudien und geht 2026 nun in die konkrete Umsetzung. Es untersucht technische Abläufe, die Vermarktung von Flexibilität über ein virtuelles Kraftwerk sowie Kostensenkungen im Realbetrieb – und zwar durch Realtime-Tests mit echten B2B-Flotten.

Enercity zählt derzeit zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die beim bidirektionalen Laden bereits erfolgreich reale Marktbedingungen simulieren können. Dabei werden verschiedene Erlösquellen wie Arbitrage und Regelenergie („Value Stacking“) kombiniert. Zusätzlich zur engen technischen Einbindung der Ladeinfrastruktur in das Energiemanagement entsteht auf diese Weise ein ganzheitliches Angebot aus Fahrzeug, Wallbox und Energieprodukt.

So wird Elektromobilität wirtschaftlich noch attraktiver und effizienter integrierbar. Bidirektionales Laden ermöglicht neue Geschäftsmodelle und leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zur CO2-Senkung. Neben Enercity testet auch die Volkswagen Konzernmarke Elli bidirektionales Laden mit VWN-Modellen wie dem ID. Buzz.

Durch die Einbindung in das Energiesystem stabilisieren die Fahrzeuge zudem das Netz und leisten einen wichtigen Beitrag zu dessen Flexibilisierung – eine wichtige Voraussetzung für die effiziente Integration erneuerbarer Energien und damit für die Energiewende insgesamt.

Quelle: VW Nutzfahrzeuge – Pressemitteilung vom 23.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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