Elli: VW-Tochter steigt ins Geschäft mit Batterie-Großspeichern ein

Elli: VW-Tochter steigt ins Geschäft mit Batterie-Großspeichern ein
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Der Volkswagen Konzern steigt mit seiner Lade- und Energiemarke Elli in ein neues Geschäftsfeld ein und wird gemeinsam mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette stationäre Großspeicher entwickeln, bauen und betreiben, so eine aktuelle Mitteilung aus Wolfsburg. Die industriellen Energiespeicher von Elli kommen demnach künftig für die Belieferung von Kunden und für Arbitrage-Geschäfte am Stromhandelsmarkt Strom zum Einsatz.

Damit will Elli den Wandel zum smarten Energieunternehmen vorantreiben und maßgeblich zur Stabilisierung und Effizienzsteigerung der Stromnetze beitragen. Nach jetzigem Stand könnten die ersten derartigen Batteriespeicherprojekte bereits im kommenden Jahr aufgebaut werden und ans Netz gehen. Der erste Standort soll Berichten zufolge im Norden Deutschlands entstehen und zunächst mit neuen Batterien bestückt werden. Mittelfristig sollen in den Speichern auch ausgediente Akkus aus E-Autos verwendet werden.

Die größten Vorhaben in der Projektpipeline haben aktuell eine Leistung von bis zu 350 MW und eine Speicherkapazität von 700 MWh, ein Ausbau auf eine GWh sei mittelfristig möglich. Bei einer aktuell verbauten Gesamtspeicherkapazität von Großspeichern in Deutschland in Höhe von rund 1,2 Gigawattstunden entspräche dieses Projekt nahezu einer Verdoppelung. Rechnet man auch kleinere Speicher und die Tausenden Kleinstspeicher in Privathaushalten mit dazu, sind sogar gut 9,5 GW Leistung mit 14 GWh Kapazität am Netz, was ziemlich genau der Gesamtleistung aller deutschen Pumpspeicher-Kraftwerke entspricht.

Deutschland und Europa benötigen ausreichend Speicherlösungen, um den steigenden Bedarf zu decken und die volatile Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen. Unsere Investitionen in stationäre Batteriespeicher sind daher ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Energieversorgung“, sagt Volkswagen Konzernvorstand Technik Thomas Schmall.

„Wir sehen in diesem Geschäftsfeld ein hohes finanzielles Potenzial“

Der Bedarf an Speicherlösungen ist enorm: Allein im Jahr 2023 konnten in Deutschland rund 10.500 Gigawattstunden aus erneuerbaren Stromquellen nicht erzeugt und eingespeist werden, weil es an Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung fehlte. Diese Strommenge hätte ausgereicht, um mehr als 3,2 Millionen Elektroautos ein Jahr lang mit Grünstrom zu betreiben. Um die Volatilität erneuerbarer Energien auszugleichen, wird laut Fraunhofer Institut bis 2030 ein Bedarf von mehr als 100 GWh an Batteriespeichern erwartet.

Der Bedarf an Batteriespeichern wird in den kommenden Jahren europaweit steigen, allein in Deutschland erwarten Experten ein Wachstum um den Faktor 100. Mit dem Einstieg in das Geschäft mit industriellen Energiespeichern bekräftigt die VW-Tochter Elli ihren Anspruch, eine führende Rolle in der Mobilitäts- und Energiewende einzunehmen: „Wir sehen in diesem Geschäftsfeld ein hohes finanzielles Potenzial und die Chance, Elli zu einem holistischen Energieanbieter Europas auszubauen“, erklärt Giovanni Palazzo, CEO Elli.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 07.06.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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