Volkswagen und Rivian: Milliardenrisiko bei Elektroauto-Allianz

Volkswagen und Rivian: Milliardenrisiko bei Elektroauto-Allianz
Copyright:

Michael Berlfein / Shutterstock.com

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die Partnerschaft zwischen dem deutschen Automobilhersteller Volkswagen und dem US-amerikanischen Elektroauto-Hersteller Rivian nimmt weiter an Fahrt auf – doch zwischen technologischem Fortschritt und milliardenschwerem Risiko bleibt die Lage ambivalent. Das zeigen aktuelle Berichte der Nachrichtenagentur Reuters und Spiegel online.

Nach Angaben von Reuters hat das gemeinsame Software-Projekt beider Unternehmen zuletzt eine wichtige Hürde genommen: Wintertests mit ersten Fahrzeugen auf Basis der neuen Architektur wurden demnach erfolgreich abgeschlossen. Damit rückt die nächste Tranche aus dem bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar (5,1 Milliarden Euro) schweren Gesamtpaket näher – allein rund eine Milliarde US-Dollar (870 Millionen Euro) ist an solche technischen Meilensteine geknüpft. Ziel der Allianz ist es, eine neue, einheitliche Software- und Elektronikplattform zu entwickeln, die künftig konzernweit zum Einsatz kommen soll – von Volumenmodellen bis hin zu Premiummarken wie Audi.

Für Volkswagen ist die Kooperation ein zentraler Baustein im Umbau hin zum softwaredefinierten Elektroauto – nicht zuletzt, weil die hauseigene Softwaretochter Cariad in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verzögerungen und Problemen zu kämpfen hatte. Rivian bringt hier seine Expertise in einer sogenannten zonalen Architektur ein, die Steuergeräte bündelt, Komplexität reduziert und Kosten senken soll.

Drohen Kosten zu explodieren?

Doch während operativ Fortschritte erzielt werden, zeichnet der Spiegel ein deutlich kritischeres Bild der Allianz. Demnach könnte das Engagement für Volkswagen deutlich teurer werden als bislang angenommen. Interne Berechnungen und Schätzungen gehen davon aus, dass allein 2026 rund 2,3 Milliarden Euro (2 Milliarden Euro) in die Partnerschaft fließen könnten. Zudem soll VW einen Großteil der laufenden Kosten des gemeinsamen Entwicklungszentrums tragen – laut Spiegel bis zu 75 Prozent. Dem Artikel zufolge profitiert bislang einzig Rivian von diesem Deal, während VW nach der teuren Saat darauf hofft, irgendwann mal etwas ernten zu können.

Damit wird die Kooperation zunehmend auch zu einer finanziellen Belastungsprobe. Schon heute fehle es an Transparenz über die tatsächlichen Kostenstrukturen des Joint Ventures. Gleichzeitig steht Volkswagen unter Druck, seine Softwareprobleme schnell in den Griff zu bekommen – auch im Wettbewerb mit digital stärker aufgestellten Herstellern wie Tesla oder BYD. Für den chinesischen Markt kooperiert VW darüber hinaus mit dem dort heimischen Hersteller Xpeng.

Unterm Strich zeigt sich: Die Allianz mit Rivian ist für Volkswagen Chance und Risiko zugleich. Technologisch könnte sie zum dringend benötigten Befreiungsschlag werden und die Basis für eine neue Elektroauto-Generation legen. Finanziell jedoch droht sie, sich zu einem weiteren Milliardenprojekt mit ungewissem Ausgang zu entwickeln – ein Spagat, der den Konzern noch Jahre begleiten dürfte.

Quelle: Spiegel.de – Wolfsburg zahlt, Kalifornien verdient / Reuters – Volkswagen-Gemeinschaftsprojekt mit Rivian nimmt wichtige Hürde

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rivian News Elektroautos

VW-Partner Rivian erhöht Produktionskapazitäten deutlich

VW-Partner Rivian erhöht Produktionskapazitäten deutlich

Daniel Krenzer  —  

Rivian steigert die Kapazität seines neuen Werks in Georgia auf 300.000 E-Autos jährlich. Das Projekt hat auch Bedeutung für VW.

Rivian: Zusammenarbeit mit Redwood für Energiespeicher

Rivian: Zusammenarbeit mit Redwood für Energiespeicher

Maria Glaser  —  

Um ein Energiespeichersystem aus Elektroauto-Akkus in Illinois aufzubauen, arbeiten die Unternehmen künftig zusammen.

Uber investiert Milliardenbetrag in Robotaxis von Rivian

Uber investiert Milliardenbetrag in Robotaxis von Rivian

Daniel Krenzer  —  

Uber investiert 1,25 Milliarden Dollar in Rivian: 10.000 autonome Robotaxis auf Basis des R2 sollen ab 2028 starten.

Rivian setzt mit E-SUV R2 stärker auf den Massenmarkt

Rivian setzt mit E-SUV R2 stärker auf den Massenmarkt

Sebastian Henßler  —  

Rivian bereitet den Marktstart seines neuen E-SUV R2 vor. Das Modell soll günstiger als der R1S und R1T sein und eine deutlich größere Käufergruppe erreichen.

Amazon baut E-Lieferflotte von Rivian deutlich aus

Amazon baut E-Lieferflotte von Rivian deutlich aus

Maria Glaser  —  

Damit wächst die Zahl der im Einsatz befindlichen elektrischen Vans bei Amazon in den USA auf mehr als 30.000 Fahrzeuge.

Rivian verschiebt Markteinführung des R2 in Europa

Rivian verschiebt Markteinführung des R2 in Europa

Maria Glaser  —  

Ursprünglich sollte der R2 von Rivian 2027 auf den europäischen Markt kommen, jedoch erscheint der Zeitpunkt der Expansion nun ungewiss.