Elektroauto-Start-up Rivian startet Second-Life-Batterieprojekt

Elektroauto-Start-up Rivian startet Second-Life-Batterieprojekt
Copyright:

Rivian

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Das Elektroauto-Start-up Rivian Automotive und die Honnold Foundation arbeiten im Rahmen einer Initiative zusammen, um Second-Life-Batterien als stationäre Energiespeicher in einem Microgrid-Projekt in Adjuntas, Puerto Rico, einzusetzen. Dies ist ein großer Schritt für Rivian, das seine Geschäftstätigkeiten über die Herstellung vollelektrischer Luxus-Abenteuerfahrzeuge hinaus ausbauen will.

Rivian wird für das bevorstehende Energiespeicherprojekt, das im Jahr 2020 beginnen soll, ausgediente 135-kWh-Akkupacks aus seinen Entwicklungsfahrzeugen verwenden. Ein ähnliches Projekt haben vor kurzem Audi und The Mobility House in Berlin auf dem Euref-Campus gestartet. Rivian hat seine Akkupacks und Module so konzipiert, dass sie am Ende ihrer Fahrzeuglebensdauer – bei etwa 70 bis 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität – den Autos entnommen und in einen stationären Energiespeicher eingebaut werden können.

„Second-Life-Batterien sind ein wichtiger Faktor für die Beschleunigung der Verbreitung erneuerbarer Energien. Es ist aufregend, sich vorzustellen, dass dieses System einen wichtigen Beitrag für eine Gemeinschaft leistet. Mit diesem Projekt können wir eine maßgeschneiderte Energiespeicherlösung modellieren, die Platzbeschränkungen, Ausfallsicherheit und Energieunabhängigkeit berücksichtigt.“ – Robert „RJ“ Scaringe, Gründer und CEO von Rivian

Die Verwendung älterer Batterien für die Energiespeicherung ist eine clevere und nachhaltige Möglichkeit, die Zellen vor dem Recycling ausgiebig zu nutzen. Während Batterien am Ende ihrer Fahrzeuglebensdauer im Vergleich zu neuen Elektroautos zwar einen gewissen Verschleiß aufweisen, können sie dennoch noch einige Jahre (Experten gehen sogar von gut 20 Jahren aus) als stationäre Energiespeicher funktionieren.

Notstrom für von Hurricanes bedrohte Stadt

Rivian und die Honnold-Stiftung wählten Adjuntas, Puerto Rico, als Standort für ihr Microgrid-Projekt, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Stadt Hilfe dringend benötigt. Adjuntas wurde 2017 vom Hurrikan Maria heimgesucht, und die Gemeinde kämpft seitdem um eine funktionierende Stromversorgung. Im Erfolgsfall könnte die Microgrid-Initiative von Rivian und Honnold vielen Unternehmen der Stadt helfen. Anwohner könnten ebenfalls auf diesen Reservestrom zurückgreifen, falls Stromausfälle auftreten.

Adjuntas ist eine Stadt mit 20.000 Einwohnern im mittleren Westen von Puerto Rico. Der Hurrikan Maria hat die Insel im Jahr 2017 schwer getroffen. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Schwere der Stürme durch den Klimawandel hat sich die NGO Casa Pueblo von Adjuntas bemüht, gemeinsam eine robuste und erschwingliche Quelle der kommunalen Stromversorgung zu finden.

Die Batterieingenieure der Honnold Foundation und Rivian besuchten Casa Pueblo Anfang 2019, um sich mit den Verantwortlichen der Gemeinde zu treffen. Gemeinsam entwerfen sie ein standortspezifisches System, das viele Unternehmen in der Nähe des zentralen Hauptplatzes von Adjuntas mit Strom versorgen wird. Durch die Kompensation der täglichen Stromrechnungen senkt das System auch die hohen kommerziellen Energiekosten, die in Puerto Rico doppelt so hoch sind wie im nationalen Durchschnitt.

Quelle: Teslarati – Rivian set to debut energy storage project using ‘second life’ batteries from vehicles

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.