Neue Ecopro-Fabrik für Kathodenmaterial in Ungarn

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Shutterstock / 2517155343 – Die Stadt Debrecen in Ungarn

Maria Glaser
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Ecopro hat vor wenigen Tagen den Bau einer Kathodenmaterialfabrik in Ungarn abgeschlossen. Das Werk des koreanischen Unternehmens befindet sich in Debrecen, wo auf einer Fläche von rund 440.000 Quadratmetern mehrere Tochtergesellschaften des Konzerns aktiv sind. Dazu gehören Ecopro BM für die Kathodenmaterialproduktion, Ecopro Innovation für die Verarbeitung von Lithium und Ecopro AP für die industrielle Sauerstoff- und Stickstoffproduktion. Damit ist das Unternehmen der erste koreanische Hersteller von Batteriematerialien, der eine lokale Produktionsstätte in Europa errichtet hat.

Die Anlage hat eine jährliche Produktionskapazität von 54.000 Tonnen Kathodenmaterialien, was ausreicht für etwa 600.000 Elektroautos. Zudem sollen in dem Werk jährlich 8000 Tonnen Lithiumhydroxid und stündlich 16.000 Kubikmeter Sauerstoff produziert werden.

Verdopplung der Kapazität bereits geplant

Ende November fand in der neuen Anlage die Eröffnung statt, bei der neben dem Unternehmensgründer Lee Dong-chae auch der CEO von Ecopro, Song Ho-jun, sowie der CEO von Ecopro BM, Choi Moon-ho, teilnahmen. Außerdem waren wichtige Persönlichkeiten aus Ungarn da, wie Istvan Joo, der Leiter der ungarischen Agentur zur Investitionsförderung.

Kaum drei Jahre nach Baubeginn Anfang 2023 wurde mit der Anlage die erste europäische Produktionsstätte eines koreanischen Herstellers von Kathodenmaterialien fertiggestellt. Dabei sei auch die schnelle Unterstützung durch Ungarn maßgeblich gewesen, so Lee. „In einer Zeit des raschen Wandels in der europäischen Elektroautoindustrie markiert dies einen Neuanfang für Ecopro und die Region“, so der CEO. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier veranstaltete Ecopro in Budapest eine koreanisch-ungarische Veranstaltung des Kulturaustauschs.

Ab nächstem Jahr plant das Unternehmen, schrittweise mit der Massenproduktion von ternären Kathodenmaterialien mit hohem Nickelanteil wie Nickel-Kobalt-Aluminium und Nickel-Kobalt-Mangan zu beginnen. Außerdem soll das Portfolio um Produkte mit mittlerem Nickelanteil und Lithium-Eisenphosphat erweitert werden, wie koreanische Medien berichten. Insgesamt soll die Produktion des Werks an Kathodenmaterialien schließlich mit einer Erweiterung auf 108.000 Tonnen pro Jahr verdoppelt werden.

Die in Debrecen hergestellten Kathodenmaterialien werden kostengünstiges Nickel verwenden, das aus Indonesien kommt. Dort hat Ecopro zuvor in Schmelzöfen investiert. Außerdem soll die Wettbewerbsfähigkeit durch Automatisierung und fortschrittliche Fertigungstechnologien erhalten werden.

Lichtblick für die europäische Batterieproduktion

Die innereuropäische Batterieproduktion mit den damit verbundenen Lieferketten leidet immer wieder unter der Abhängigkeit von anderen Ländern. Sowohl Rohstoffe als auch Know-How befinden sich beispielsweise vor allem in China, wo die großen Batteriehersteller wie CATL enorme Marktanteile haben. Andere Rohstoffe, wie beispielsweise Kobalt, werden hingegen aus dem Kongo importiert, was immer wieder für Diskussionen sorgt, sowohl aufgrund der Arbeitsbedingungen als auch wegen Umweltbedenken.

Regional bestehen daher inzwischen verschärfte Anforderungen vonseiten der EU, insbesondere mit dem Gesetz über kritische Rohstoffe. Es wird daher erwartet, dass das neue Werk von Ecopro großes Interesse wecken wird bei europäischen Zell- und Elektroautoherstellern.

Ungarn als europäischer Wirtschaftsstandort

Neben Ecopro sind in Ungarn bereits mehrere Hersteller für Batteriezellen wie Samsung SDI, SK On und CATL sowie globale Automobilhersteller wie BMW, Audi und BYD ansässig. Damit ist das osteuropäische Land zu einem wichtigen Standort der europäischen Automobilindustrie geworden. Ecopro plant im Rahmen seiner Lokalisierungsstrategie in Debrecen auch damit, mehr lokale Mitarbeiter:innen einzustellen und Ausbildungspartnerschaften mit nahegelegenen technischen Schulen und Berufsbildungszentren aufzubauen.

Quellen: Korea JoongAng Daily – EcoPro completes construction of cathode material plant in Hungary / The Korea Herald – EcoPro boosts global footprint with new Hungary plant

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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