Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?

Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?
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Daniel Krenzer
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Die E-Fuel Alliance hat in Zusammenarbeit mit Porsche Consulting eine Studie in Auftrag durchgeführt, die wenig überraschend zum Ergebnis kommt, dass die Zukunft der synthetischen Kraftstoffe gar glorreich sein dürfte. Es gebe mittlerweile genug Projekte, dass der EU-Bedarf an E-Fuels ab dem Jahr 2046 gedeckt werden können soll. „Gelingt der EU die Elektromobilität wie geplant auszurollen, kann unsere Industrie fossile Kraftstoffe noch vor 2050 aus dem Markt verdrängen. Airlines, Reedereien und Autofahrer müssen keine Verteilkämpfe fürchten“, sagt Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der E-Fuel Alliance. Bezahlbar werden sollen E-Fuels durch die industrielle Produktion, die man bis 2045 erreiche, „wenn die Politik das ermöglicht“. Das heißt übersetzt: Das nun geringere Tempo bei der Elektromobilität eröffnet synthetischen Kraftstoffen neue Perspektiven.

Das Portal Energate Messenger ordnet die vor Optimismus strotzende Pressemitteilung der Lobbyallianz entsprechend ein und schreibt von einer starken Diskrepanz zwischen Ankündigungen und Realität: „Der Großteil der Projekte befindet sich noch in frühen Entwicklungsphasen, und nur ein Bruchteil der geplanten Kapazitäten bis 2030 ist bislang finanziell abgesichert“, heißt es dort. Und bis 2046 dürften flüssige Kraftstoffe im europäischen Automobilverkehr ohnehin nur noch etwas für reiche Liebhaber überholter Technologien sein und allenfalls für den noch vorhandenen Rest-Verbrennerbestand von Bedeutung sein. Doch genug E-Fuels für den Flug- und Schiffverkehr wären freilich eine gute Nachricht, auch wenn man den grenzenlosen Optimismus – gepaart mit der entsprechenden Erwartungshaltung an die Politik – nicht teilt.

Risiken werden ausgeblendet

Was in der Pressemitteilung auffällt: Sie argumentiert mit einem Szenario, das nur dann funktioniert, wenn gleich mehrere sehr optimistische Annahmen gleichzeitig eintreffen. Skalierung, Kostensenkung, politische Unterstützung und globale Produktionsketten sollen sich nahezu reibungslos entwickeln. Dass genau diese Faktoren bislang die größten Unsicherheiten darstellen, wird hingegen ausgeblendet.

E-Fuels leiden jedoch nicht nur unter einem Hochlaufproblem, sondern vor allem unter einem fundamentalen Effizienzproblem. Die Herstellung ist extrem energieintensiv – und damit teuer. Selbst bei idealen Bedingungen wird ein Vielfaches an erneuerbarem Strom benötigt im Vergleich zur direkten Nutzung im batterieelektrischen Fahrzeug. Diese physikalische Realität lässt sich auch durch noch so viele Studien nicht wegargumentieren. Selbst wenn Strom in „Sonnenstaaten“ günstig produziert werden kann, müssen die Treibstoffe noch hertransportiert werden. Wie anfällig dieses System ist, zeigen uns die Folgen des aktuellen Iran-Kriegs eindrucksvoll.

Die oft beschworene „Technologieoffenheit“ verkommt in solchen Veröffentlichungen zur Nebelkerze. Denn während Elektroautos längst im Massenmarkt angekommen sind, bleibt die E-Fuel-Produktion auf absehbare Zeit ein Nischenprojekt mit begrenzten Kapazitäten. Dass diese knappen Mengen dann ausgerechnet im Pkw-Bereich eingesetzt werden sollen, wirkt zunehmend realitätsfern.

Für den Straßenverkehr ungeeignet

Auch Energate verweist darauf, dass der schleppende Hochlauf der Elektromobilität derzeit als Argument für E-Fuels genutzt wird. Doch daraus abzuleiten, dass synthetische Kraftstoffe automatisch zur tragenden Säule im Straßenverkehr werden, greift deutlich zu kurz. Vielmehr zeigt sich hier ein klassisches Muster: Wo Transformation langsamer verläuft als gewünscht, wird eine vermeintlich einfache Alternative mit in Wahrheit überholten Technologien in Stellung gebracht – unabhängig davon, ob sie tatsächlich effizient oder wirtschaftlich ist. Für den Automobilverkehr ist sie in diesem Fall schlichtweg Quatsch, selbst wenn manche gerne auch in 30 Jahren noch an Pkw-Abgasen schnüffeln würden.

E-Fuels sind sinnvoll – aber dort, wo es keine Alternativen gibt. Im Flug- und Schiffsverkehr etwa, wo direkte Elektrifizierung kaum möglich ist. Im Pkw hingegen sind sie vor allem eines: ein extrem teurer und energieineffizienter Umweg. Die Studie der E-Fuel Alliance wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie eine nüchterne Analyse, sondern eher wie das, was sie letztlich ist: ein industriepolitisches Wunschbild und Lobbyarbeit mit rosaroter Brille. Allerdings blicken auch viele Politiker gerne mit dieser „Sehhilfe“ ins Taka-Tuka-Land.

Quelle: E-Fuel-Alliance – Pressemitteilung vom 18. März 2026; Energate Messenger – Hinkender E-Mobilitätshochlauf beflügelt E-Fuels

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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