E-Autos als Speicher rücken in der Schweiz näher

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Daniel Krenzer
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Die Energiekommission des Nationalrats der Schweiz hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, das Netzentgelt für Batterien von E-Fahrzeugen abzuschaffen. Das berichtet der Tagesanzeiger. Der Ständerat hatte im Herbst noch entschieden, Batteriespeicher von der Netzentgeltbefreiung auszuschließen. Bidirektionales Laden könnte somit nun für Schweizer bald attraktiver werden. Bislang können sich dadurch nämlich im schlimmsten Fall die Stromkosten verdoppeln. Neben dem Entfall des Netzentgelts sollen diese laut Plänen der Umweltkommission zusätzlich von einer Rückerstattung der Gebühr für die eingespeiste Energie profitieren.

Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Batteriespeicher von Elektroautos wie kleine Pumpspeicherkraftwerke als Energiereserve genutzt werden könnten – und so das Netz laut Experten, anders als von vielen befürchtet, auch stabilisieren könnten. Laut Tagesanzeiger legen die Schweizer im Schnitt 35 Kilometer am Tag mit ihrem Auto zurück, ansonsten stehen die Fahrzeuge herum – und könnten währenddessen diese sinnvolle Funktion erfüllen. Vor allem der gleichzeitig in großer Menge erzeugte Solarstrom könnte in den Fahrzeugen zwischengespeichert werden, ehe er in der Regel in den Abendstunden wieder ins Netz abgegeben wird, so die Überlegung. Vollgeladen werden könnte das E-Auto dann wieder, wenn Strom gerade günstig ist – zum Beispiel in der Nacht.

Schweiz will Verbrenner bis 2050 von der Straße haben

Bis 2050 will die Schweiz komplett auf Elektromobilität umgestellt haben. Bis zu 55 Terrawattstunden zusätzliche elektrische Energie könnte bis dahin landesweit durch eine solche Vehicle-to-Grid-Lösung zur Verfügung gestellt werden, heißt es im Artikel. Zu Zeitpunkten mit besonders hohen Marktpreisen könnte die gespeicherte Energie als Puffer zum Geldsparen genutzt werden. Außerdem benötige man weniger oder bestenfalls keine Notstromaggregate, die weiter mit fossilen Energieträgern laufen würden. Bis zu 6,5 Milliarden Franken könnten bis 2050 eingespart werden – das entspräche 14 Prozent der Gesamtkosten.

Laut Tagesanzeiger fallen die Reaktionen auf diesen Vorstoß gemischt aus. Der Solar-Branchenverband Swisssolar nannte es eine wichtige Weichenstellung. Der Verein der Verteilnetzbetreibern sieht dies kritisch: „Im Grundsatz belasten Speicherladungen oder -entladungen das Netz, ob Verbraucher angeschlossen sind oder nicht“, wird Maurus Bachmann, Geschäftsführer von Smart Grid Schweiz, zitiert. Er spricht sich für ein flexibles Netzentgelt aus, bei dem der Kunde belohnt wird, wenn er zu netzunkritischen Zeiten sein E-Auto auflädt.

Noah Heynen, Geschäftsführer von Helion Energy, widerspricht dem jedoch vehement: „Autobatterien werden das Netz nicht zusätzlich belasten, wenn sie system- und marktdienlich eingesetzt werden. Dies haben diverse Studien bewiesen.“ Außerdem verhindere ein netzdienliches Laden ja gerade, dass ein E-Auto das Netz zur Unzeit zusätzlich belaste.

Im März werde sich der Nationalrat mit dieser Thematik weiter auseinandersetzen, so der Tagesanzeiger.

Quelle: Tagesanzeiger – Schub für E-Autos als Powerbank

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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