Plug-in-Hybride: CO2-Betrug im Megatonnen-Maßstab

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Eine aktuelle Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt einmal mehr, dass Plug-in-Hybride in Europa im Durchschnitt fünfmal mehr Kohlendioxid (CO2) ausstoßen, als die offiziellen WLTP-Testwerte ausweisen. Zwischen 2021 und 2023 hat sich die Lücke zwischen offiziellen und realen Emissionen weiter vergrößert – weil die Fahrzeuge im Alltag deutlich seltener rein elektrisch unterwegs sind als angenommen. Was enorme Auswirkungen auf die tatsächliche Klimabilanz der Teilzeitstromer hat.

Plug-in-Hybride, die 2025 neun Prozent der Neuzulassungen in Europa ausmachten, können sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor angetrieben werden. Die Hersteller bewerben diese Flexibilität als Vorteil für Fahrer und Klima gleichermaßen. Doch mehrere Studien stellen die offiziellen Verbrauchs- und Emissionsangaben bereits seit vielen Jahren in Frage. „Im realen Straßenbetrieb verbrauchen Plug-in-Hybride deutlich mehr Kraftstoff als offiziell angegeben. Diese Studie bestätigt, was frühere Untersuchungen – auch unsere eigenen – bereits gezeigt haben. Wenn die EU-Gesetzgeber dieses Problem nicht lösen, werden Hersteller weiterhin Emissionen ausweisen, die weit unter dem liegen, was die Fahrzeuge tatsächlich verursachen“, sagt Sonsoles Díaz, Senior-Wissenschaftlerin am ICCT und Mitverfasserin der Studie.

Die Europäische Kommission hat das Problem inzwischen erkannt: 2025 wurde die Berechnungsformel für den sogenannten Nutzungsfaktor angepasst, um realistischere Schätzungen zu ermöglichen; eine weitere Korrektur ist für 2027 geplant. Allerdings werden die CO2-Reduktionsziele der EU für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (Vans) derzeit im Europäischen Parlament neu verhandelt – ein vorab verfügbarer Entwurf schlägt vor, die zukünftigen Korrekturen auszusetzen.

„Selbst nach der Korrektur von 2025 bilden die offiziellen Werte die realen Emissionen nicht korrekt ab. Und der beunruhigende Trend ist: Neue Modelle verursachen nicht weniger, sondern mehr Emissionen. Die Hersteller behaupten zwar, dass Fahrerinnen und Fahrer immer mehr Kilometer elektrisch zurücklegen – die Daten zeigen dies jedoch nicht“, so Dr. Peter Mock, Europa-Geschäftsführer des ICCT.

Herstellerübergreifend wuchs die Lücke zwischen realen und offiziellen Emissionswerten um 50 Prozent, von 265 Prozent im Jahr 2021 auf 400 Prozent im Jahr 2023. Am höchsten fällt sie bei Mercedes aus, dem zwischen 2021 und 2023 meistverkauften Plug-in-Hybrid-Hersteller in Europa. Dort betrug die Abweichung im Schnitt 452 Prozent und hat sich fast verdoppelt: von 329 Prozent im Jahr 2021 auf 614 Prozent im Jahr 2023.

Jahrelang zu niedrig gemeldete CO2-Emissionen

Die große und schnell wachsende Lücke zwischen realen und offiziellen CO2-Werten bei Plug-in-Hybriden sticht im Vergleich zu anderen Antriebsarten deutlich hervor. Nach ICCT-Berechnungen entspricht sie etwa 100 Megatonnen CO2-Emissionen aus Neuzulassungen zwischen 2021 und 2025 – Emissionen, die bei den CO2-Reduktionszielen der EU, die die Hersteller erfüllen müssen, nicht berücksichtigt wurden.

Die Studie wertet acht Millionen Fahrzeuge aus, darunter konventionelle Benzin- und Dieselautos sowie deren Hybridvarianten. Auch dort klaffen offizielle und reale Werte auseinander, im Schnitt um 20 Prozent. Bei 2023 zugelassenen Plug-in-Hybriden beträgt die Abweichung rund 400 Prozent. „Die Abweichung bei Plug-in-Hybriden ist erschreckend groß – aber auch bei konventionellen Fahrzeugen, die noch immer den Großteil der Neuzulassungen in der EU ausmachen, beträgt sie 20 Prozent. Das ist ebenfalls beträchtlich. Entsprechend haben wir in den vergangenen Jahren keine nennenswerten Rückgänge bei den realen CO2-Emissionen von Verbrennern gesehen“, sagt Jan Dornoff, leitender Wissenschaftler am ICCT und Mitverfasser der Studie.

Über alle Antriebsarten hinweg sanken die offiziell angegebenen CO2-Emissionen für Neuwagen zwischen 2018 und 2023 um 28 Prozent – die realen jedoch nur um 15 Prozent. Den größten Beitrag leisteten batterieelektrische Fahrzeuge. Bei Verbrennern betrug der Rückgang der durchschnittlichen realen Emissionen in diesem Zeitraum gerade einmal ein Prozent.

Quelle: ICCT – Pressemitteilung vom 02.06.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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