„Jeder Autohersteller wird bidirektionales Laden anbieten“

„Jeder Autohersteller wird bidirektionales Laden anbieten“
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Andreas Piepenbrink ist CEO der Marke E3/DC von HagerEnergy, einer Geschäftseinheit der Hager Group, ein führendes Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik. Ab 2023 will E3/DC in Kleinserie eine bidirektionale Wallbox anbieten. 2024 soll das Angebot um eine neue Lösung zur Einbindung eines Stationärspeichers sowie einer Photovoltaik-Anlage folgen. In einem Interview mit dem PV Magazine hat Piepenbrink einige Details hierzu verraten.

Der Markt für Wallboxen bei Endverbrauchern entwickle sich weiterhin rasant, so der Manager. „Für HagerEnergy verdoppelt sich der Absatz in diesem Jahr. Wir werden 2022 über 50.000 und nächstes Jahr über 100.000 Ladestationen produzieren und verkaufen“, so Piepenbrink in dem Interview. Die Hauptmärkte für das Unternehmen seien Deutschland, Skandinavien sowie Frankreich, wo das Unternehmen laut eigener Aussage der Marktführer ist.

Das bidirektionale Laden kommt in Kleinserie Anfang nächsten Jahres mit einer sogenannten Edison-Lösung“, erklärt der HagerEnergy-CEO. Dabei handle es sich primär um „eine Retro-Fit-Option für Hauskraftwerke, die seit Mai 2020 ausgeliefert werden. Sie können sie daran anschließen und das Fahrzeug direkt DC-seitig mit dem Hauskraftwerk verbinden“. Das E-Auto könne dann einen Teil der Energie aus seinem Akku ins Hausnetz einspeisen. Mit welchen Fahrzeugmodellen dies möglich sein soll, verriet Piepenbrink leider noch nicht. „Wir arbeiten mit einem großen Automobilhersteller zusammen und hoffen, dass es bald los geht“, sagte er hierzu lediglich.

Mit der bidirektionalen Ladetechnologie sei es zum Beispiel möglich, die Kapazität eines Heimspeichers nur halb so groß auszulegen, womit sich die Investition in eine Wallbox bereits ausgleiche, so der Manager. Außerdem sei es möglich, „eine Notstromversorgung aus dem Fahrzeug zu realisieren und den Eigenverbrauch der selbst erzeugten Solarenergie zu erhöhen“. Man könne einen Energietransfer zwischen Fahrzeug und Heimspeicher einrichten und stufenlos solar laden. „Und Sie können auch Spitzenlasten aus dem Auto abdecken. Sie haben tatsächlich einen zweiten Heimspeicher“, erklärt Piepenbrink die Vorteile eines solchen Systems.

Er sagt, künftig werde „jeder Autohersteller bidirektionales Laden anbieten, weil es einfach eine vergleichsweise extrem günstige Zusatzfunktion eines jeden Fahrzeugs ist“. Damit eröffnen sich auch Möglichkeiten, um Netzdienstleistungen zu erbringen, die finanziell durchaus attraktiv sind: „Man kann jetzt schon durch zeitversetztes Laden die Preisschwankungen am Spotmarkt ausnutzen und bis zu 10 oder 20 Cent günstiger laden“, erklärt Piepenbrink. „Mit bidirektionalem Laden wird man diesen Strom zu ähnlich guten Konditionen auch wieder ans Haus zurückgeben können“, sagt er. In Politprojekten haben E-Autos aufs Jahr gerechnet so bereits knapp über 1000 Euro an Erlösen erzielen können. Allerdings hinken Politik und Regulatorik noch hinterher: „Die Grundfrage, wie das Haus oder das Auto mit dem Netz Geld verdienen und wie Autos die Energiewende netzdienlich voranbringen können, ist noch nicht beantwortet“, räumt der CEO ein.

Quelle: PV Magazine – Bidirektionales Laden mit Photovoltaik-Heimspeichersystem kommt ab 2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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