Wer heute ein neues Auto sucht und dabei nicht nur auf den Anschaffungspreis, sondern auch auf die laufenden Kosten blickt, für den wird die Entscheidung für einen Verbrenner wirtschaftlich zunehmend schwer zu begründen. Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt, wie groß der Abstand inzwischen geworden ist: Wer sein Elektroauto zu Hause lädt, fährt derzeit rund 70 Prozent günstiger als mit einem Benziner und 56 Prozent günstiger als mit einem Diesel. So groß war der Abstand demnach noch nie.
Grund für die ungewöhnlich große Differenz sind einerseits die zuletzt hohen Kraftstoffpreise, andererseits vergleichsweise moderate Haushaltsstrompreise. Verivox setzt für September 2026 einen durchschnittlichen Strompreis von 32,29 Cent je Kilowattstunde an. Bei einem Elektroauto der Mittel- oder Oberklasse mit durchschnittlich 16,9 kWh Verbrauch ergeben sich daraus Energiekosten von lediglich 5,44 Euro je 100 Kilometer.
Ein vergleichbarer Benziner kommt laut Verivox aktuell auf 18,02 Euro je 100 Kilometer, ein Diesel auf 12,47 Euro. Grundlage sind durchschnittliche Kraftstoffpreise von zuletzt 2,28 Euro je Liter E10 und 2,40 Euro je Liter Diesel sowie Verbräuche von 7,9 beziehungsweise 5,2 Litern je 100 Kilometer.
Stromkosten lassen sich noch weiter drücken
Dabei ist der von Verivox angesetzte Haushaltsstrompreis keineswegs das untere Ende dessen, was für Elektroautofahrer möglich ist. Wer eine eigene Photovoltaikanlage nutzt oder sein Fahrzeug gezielt in günstigen Stunden mit einem dynamischen Stromtarif lädt, kann die Kosten noch einmal deutlich reduzieren.
Das zeigen auch andere jüngere Auswertungen. Rabot Energy kam auf Grundlage realer Kundendaten für das erste Quartal 2026 beim automatisierten Nachtladen auf durchschnittlich 4,50 Euro je 100 Kilometer. Noch deutlicher fiel eine Analyse von Tibber aus. Auf Basis realer Ladedaten von mehr als 10.000 deutschen Haushalten mit Smart Meter und dynamischem Stromtarif kosteten 100 Kilometer im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich nur 3,27 Euro.
Dynamische Stromtarife sind allerdings nicht automatisch für jeden Haushalt günstiger. Ihr Vorteil entsteht vor allem dann, wenn größere Verbraucher wie ein Elektroauto gezielt in preiswerte Stunden verschoben werden können. Genau dafür eignen sich E-Autos besonders gut.
Öffentliches Laden bleibt der Schwachpunkt
Nicht ganz so eindeutig sieht die Rechnung für Fahrer aus, die ausschließlich auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sind. Verivox nennt auf Grundlage älterer Lichtblick-Daten durchschnittlich 52 Cent je kWh für AC-Laden und 60 Cent für Schnellladen. Damit lagen die Energiekosten rechnerisch bei 8,77 beziehungsweise 10,12 Euro je 100 Kilometer.
Selbst diese Werte lagen in der Verivox-Rechnung noch unter den aktuellen Kosten von Benzin und Diesel. Der Abstand schrumpft allerdings deutlich, zudem können Ad-hoc-Preise einzelner Schnellladeanbieter nochmals höher ausfallen. Wer regelmäßig öffentlich lädt, sollte deshalb einen passenden Ladetarif wählen und nicht ausschließlich auf die jeweils nächstgelegene Säule setzen. Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, ist auf jeden Fall auch öffentlich deutlich günstiger als mit Benzin oder Diesel unterwegs.
Kaufpreis verliert als Gegenargument an Gewicht
Die reine Energiebetrachtung erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Lange galt der höhere Anschaffungspreis als stärkstes Argument gegen das Elektroauto. Doch auch dieser Abstand wird kleiner. Wie bereits ein Kostenvergleich des ACE gezeigt hat, herrscht in einigen Fahrzeugklassen inzwischen Preisparität. Teilweise ist die elektrische Variante bei vergleichbarer Ausstattung bereits günstiger als ein vergleichbares Verbrennermodell – als Beispiel wurden unter anderem VW ID.3 und Golf genannt.
Hinzu kommen beim Elektroauto niedrigere Wartungskosten: Ölwechsel, Abgasanlage, Kupplung oder zahlreiche klassische Verschleißteile des Verbrennungsmotors entfallen. Welche Variante insgesamt günstiger ist, hängt weiterhin von Modell, Fahrleistung, Wertverlust, Versicherung und individuellen Lademöglichkeiten ab.
Bei einem Neuwagenkauf verschiebt sich die Ausgangslage immer deutlicher. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz günstig laden kann, findet wirtschaftlich inzwischen keine echten Argumente mehr dafür, für viele Jahre erneut einen Benziner oder Diesel anzuschaffen. Der Elektroantrieb ist längst nicht mehr nur die klimafreundlichere Alternative – bei den laufenden Kosten ist er dem Verbrenner inzwischen teilweise um Welten voraus.
Dass Reichweiten von mehreren Hundert Kilometern und immer schnellere Ladezeiten bei neuen Modellen zugleich viele der früheren Alltagseinwände abschwächen, macht die Entscheidung noch eindeutiger. Für Autofahrer führt bei der Suche nach einem neuen Gefährt(en) deshalb zumindest aus rationaler Sicht inzwischen kein Weg am Elektroauto vorbei.
Quelle: Verivox – Pressemitteilung vom 17. September 2026









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