Seitdem die Spritpreise durch die Decke schießen, sind sogar Elektroautofahrer ohne eigene Wallbox plötzlich deutlich günstiger unterwegs als Verbrennerfahrer. Die Augsburger Allgemeine hat dies zum Anlass genommen, sich mit dem Elektromobilitätsexperten Constantin Hack vom ACE darüber zu unterhalten, für wen sich der Umstieg lohnt. Dabei stellt Hack fest: „Jeder, der sich ein neues Auto zulegt, egal ob gebraucht oder neu, sollte darüber nachdenken.“
Er rechnet vor, dass aktuell bei einem Preis pro Kilowattstunde von 40 Cent mit einem E-Auto etwa halb so viel pro 100 Kilometer bezahlt werden muss wie in einem vergleichbaren Verbrenner. Diese 40 Cent lassen sich mit nahezu jedem normalen Hausstromtarif erreichen, wer dynamische Tarife nutzt oder sogar auf eigene Photovoltaik zurückgreifen kann, kann diesen Wert noch deutlich unterbieten. Doch selbst wer ohne Abo und passender Ladekarte öffentlich lädt, ist derzeit günstiger unterwegs als mit Benziner oder Diesel.
Leasing teils auch für Privatleute reizvoll
Der ACE bemängelt jedoch die Intransparenz der Preisstruktur an den öffentlichen Ladestationen, Hack erklärt hierzu: „Wir kritisieren den Wildwuchs an der Ladesäule. Verbraucher, die auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sind, zahlen oft doppelt so viel wie beim Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz.“ Inzwischen seien oft die AdHoc-Preise günstiger als diejenigen mit einer nicht optimal passenden Ladekarte. In Augsburg zahle man im Schnitt mehr als 78 Cent pro Kilowattstunde ultraschnelles Laden, doch es gehe auch mit 50 Cent, wenn man sich entsprechend schlau macht.
Privatleuten rät Hack indes – anders als Unternehmen – eigentlich vom Leasing eines Elektroautos ab. Dies sehe durch die aktuelle Förderung jedoch anders aus, denn daraus ergäben sich mitunter attraktive Leasingschnäppchen. Kritisch sieht der ACE-Experte jedoch, dass gebrauchte Elektroautos in dem Programm bislang nicht berücksichtigt werden. „Das ist schade“, sagt Hack, denn gerade hier sei der Markt noch schwach ausgeprägt. Viele potenzielle Käufer seien unsicher – vor allem mit Blick auf den Zustand der Batterie.
Dabei seien die Sorgen nach aktuellen Studien häufig unbegründet. „Es gibt neue Untersuchungen, die zeigen, dass die Akkus wesentlich länger halten, als man erwartet hat“, erklärt Hack. Fahrzeuge aus den ersten Leasingzyklen hätten oft noch „zwischen 90 und 95, manchmal sogar bis zu 98 Prozent Restreichweite“. Selbst nach vielen Jahren liege die Batteriegesundheit häufig noch bei rund 90 Prozent.
E-Auto = Stadtauto? Quatsch
Ein weiterer Einwand gegen Elektromobilität hält sich aus Hacks Sicht hartnäckiger, als es die Realität rechtfertigt: das angebliche Stadtfahrzeug-Image. „Früher hat man immer gesagt: Ein E-Auto, das ist was für die Stadt. Aber das war noch nie logisch“, sagt er. Gerade Menschen auf dem Land hätten oft bessere Voraussetzungen für Elektromobilität, weil sie häufiger über eigene Stellplätze oder Garagen verfügten und dort eine Wallbox installieren könnten. Entscheidend sei letztlich vor allem der Zugang zu günstigen Lademöglichkeiten.
Für Verbraucher, die die Kostenfrage nüchtern betrachten wollen, nennt Hack zudem eine Art wirtschaftlichen Richtwert. Der „Turning Point“ liege in vielen Fällen „bei 60 bis 65 Cent pro Kilowattstunde“. Wer im Alltag unter diesem Preis lade, fahre in der Regel günstiger als mit einem Verbrenner. Dennoch bleibe die Rechnung immer individuell: Fahrprofil, Fahrzeugtyp und Ladegewohnheiten spielten eine große Rolle. Wer nur sehr wenige Kilometer im Jahr zurücklegt, müsse sein Auto nicht zwingend ersetzen. „Ein Rentner, der im Jahr nur 1000 Kilometer fährt, kann seinen Verbrenner ruhig behalten“, sagt Hack. Für Vielfahrer oder Menschen, die ohnehin ein neues Auto anschaffen wollen, könne der Umstieg dagegen inzwischen durchaus wirtschaftlich sein, selbst wenn die Spritpreise sich wieder normalisieren sollten.
Quelle: Augsburger Allgemeine – Hohe Spritpreise: „E-Autofahren lohnt sich finanziell für jeden“








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