Deutsche Autobauer und ihr schwieriges Diesel-Erbe

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Der Diesel verliert auf Europas Straßen weiter an Gewicht. In den ersten neun Monaten 2025 lag sein Anteil an den Neuzulassungen nur noch bei knapp zehn Prozent. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit Jahren anhält und den Selbstzünder zunehmend an den Rand des Marktes drängt. Auffällig ist jedoch, dass gerade deutsche Hersteller weiterhin stark auf diese Antriebsart setzen – und damit in ein strukturelles Spannungsfeld geraten.

Während viele Marken den Diesel schrittweise aus dem Programm nehmen, bleibt er bei Premiumanbietern präsent. Nach Auswertungen von Marktdaten entfallen bei Audi fast 24 Prozent der Auslieferungen auf Dieselmodelle, bei BMW sind es mehr als 25 Prozent. Am höchsten ist der Anteil bei Mercedes-Benz, wo über 29 Prozent der verkauften Autos mit Selbstzünder unterwegs sind, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Daten von Dataforce berichtet. Bemerkenswert dabei: Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Wert sogar leicht gestiegen.

Diese Zahlen stehen im Kontrast zur allgemeinen Marktentwicklung. Hersteller sehen sich mit sinkenden Verkaufsvolumen konfrontiert und können auf margenstarke Varianten kaum verzichten. Gleichzeitig verschärfen sich die europäischen Klimavorgaben weiter. Auch wenn die EU einzelne Fristen angepasst hat, müssen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der Flotten deutlich sinken. Hohe Dieselanteile erschweren dieses Ziel und erhöhen das Risiko empfindlicher Strafzahlungen.

Aus Sicht von Branchenbeobachtern ist der Diesel daher kein langfristiges Konzept. Simon Schnurrer, Partner bei der Beratung Oliver Wyman, spricht von einer Übergangslösung. Der Selbstzünder helfe kurzfristig, den Absatz zu stabilisieren, da Entwicklung und Produktion seit Jahrzehnten beherrscht würden. Gleichzeitig warnt er davor, dass ein zu starkes Festhalten Ressourcen binde, die für wettbewerbsfähige Elektroautos benötigt würden.

Der Blick auf die Verkaufszahlen unterstreicht dieses Dilemma. In Europa bringen Audi, BMW und Mercedes zusammen weiterhin mehr Dieselautos als reine Stromer auf die Straße. Besonders deutlich zeigt sich das bei Mercedes, wo rund 82.000 Elektroautos fast 137.000 Dieselzulassungen gegenüberstehen. Der Abstand verdeutlicht, wie stark die Verbrennerstrategie noch trägt.

Technische Anpassungen: Mild-Hybrid-Diesel und Effizienzversuche

Technisch versuchen die Hersteller, den Diesel sauberer zu machen. Audi hat jüngst ein neues Aggregat eingeführt, das mit einem Mild-Hybrid-System kombiniert ist. Eine kleine Batterie unterstützt den Motor bei niedrigen Drehzahlen und ermöglicht in bestimmten Situationen rein elektrisches Fahren. Rekuperation beim Bremsen senkt den Verbrauch. Auch BMW verfolgt diesen Ansatz. Diese Offenheit bedient unterschiedliche Kundenwünsche, erhöht jedoch Komplexität und Kosten in der Produktion. Mercedes geht bei neuen Modellen einen anderen Weg und verzichtet dort auf Diesel. Stattdessen setzen die Stuttgarter bei Einstiegsautos auf Benzin-Mild-Hybride, die aus Konzernsicht ähnliche Effizienzwerte erreichen.

Bei bestehenden Baureihen bleibt der Selbstzünder jedoch im Programm. So dürfte er auch nach dem anstehenden Facelift der S-Klasse weiter verfügbar sein. Der Grund liegt im Nutzungsprofil: Gerade in großen Limousinen und SUV ist die Nachfrage nach Diesel hoch, da Vielfahrer Reichweite und Verbrauchsvorteile schätzen.

Gleichzeitig schrumpft der Markt regional. Außerhalb Europas spielt Diesel im Pkw-Bereich kaum noch eine Rolle, innerhalb der EU konzentriert sich die Nachfrage auf wenige Länder. Der Rückgang ist eng mit dem Abgasskandal von 2015 verbunden, der das Vertrauen vieler Käufer nachhaltig beschädigt hat. Während 2020 noch fast 27 Prozent der Neuzulassungen auf Diesel entfielen, liegt der Anteil inzwischen deutlich darunter.

Marktkonzentration auf wenige Hersteller bei Dieselangeboten

Nur wenige Hersteller prägen den verbliebenen Markt. Audi, BMW und Mercedes vereinen rund 44 Prozent der Dieselverkäufe in Europa auf sich. Zählt man Volkswagen und Skoda hinzu, steigt der Anteil auf fast drei Viertel. In kleineren Segmenten spielt der Diesel dagegen keine Rolle mehr. Nach Angaben des Verkehrsclubs ADAC wird kein neuer Kleinwagen mehr mit Selbstzünder angeboten.

Quelle: Handelsblatt – Warum Audi, BMW und Mercedes noch immer am Diesel festhalten

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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