Die Frage, ob bezahlbare Elektroautos den Massenmarkt erreichen können, beschäftigt die europäische Automobilindustrie seit Jahren. Während Wettbewerber wie Citroën und BYD bereits Modelle unter 25.000 Euro anbieten, zieht der Volkswagen-Konzern nun mit gleich vier neuen Modellen auf einer gemeinsamen Plattform nach. Mittendrin: der Cupra Raval, das erste vollelektrische Fahrzeug aus dem umgebauten Werk in Martorell. Markus Haupt, Chef der Marken Cupra und Seat, ordnet im Gespräch dem Magazin Electrified ein, warum er den Raval als entscheidenden Hebel für die Elektrifizierung sieht – und warum er sich vor der Konkurrenz nicht fürchtet.
Haupt macht von Beginn an deutlich, dass er den Wettbewerb begrüßt, statt ihn zu scheuen. „Wir sind ja auch Cupra und bieten etwas, was die anderen nicht anbieten“, sagt er mit Blick auf günstigere Alternativen wie den BYD Dolphin Surf oder den Citroën ë-C3. Der Raval starte zwar bei 26.000 Euro und damit oberhalb mancher Konkurrenten, bringe aber Ausstattung und Substanz mit, „die man sonst nur aus höheren Segmenten kennt“. Sportliche Performance, Inspiration aus der Formel E beim Innenraumsound und eine Vorderachssperre in der VZ-Variante sollen den Unterschied ausmachen. Cupra spricht von der „Demokratisierung der Elektrifizierung“ und will damit jene erreichen, die der Technologie bislang skeptisch gegenüberstehen.
Technisch setzt der Raval auf zwei Batterievarianten mit unterschiedlichen Chemien. Die Einstiegsversion nutzt eine 37-kWh-LFP-Batterie mit rund 300 Kilometer Reichweite, gedacht vor allem für urbane Nutzer und Pendler. Wer mehr Reichweite und Fahrspaß sucht, greift zur 52-kWh-NMC-Batterie mit bis zu 450 Kilometern – erstmals kommt hier die sogenannte Einheitszelle des Volkswagen-Konzerns zum Einsatz. Bei den Leistungsstufen reicht das Angebot von 85 kW bis hin zu 166 kW in der sportlichen VZ-Variante, die in unter sieben Sekunden auf 100 km/h beschleunigt.
Den Zeitplan für die Markteinführung hält Haupt bewusst offen. Ab Sommer sollen die ersten Autos in den Märkten verfügbar sein, seit der Weltpremiere am 9. April ist der Online-Konfigurator freigeschaltet. Martorell befindet sich noch in der Anlaufphase – 2026 sei ein Trainingsjahr für die Produktionsprozesse, so Haupt. Die Kapazität des Werks ist dennoch beachtlich: 300.000 Batteriesysteme pro Jahr, gleichbedeutend mit ebenso vielen Autos. Insgesamt hat der Konzern gemeinsam mit Partnern zehn Milliarden Euro in den Standort Spanien investiert.
Warum Haupt auf die E-Prämie setzt
Beim Blick auf die Marktentwicklung gibt sich der Cupra-Chef ehrgeizig, aber realistisch. Den europäischen Elektroanteil sieht er 2026 bei mindestens 25 Prozent, für Deutschland erwartet er dank der Kaufprämie einen Wert von über 30 Prozent. Dass es diese Förderung weiterhin benötigt, steht für ihn außer Frage: „Die E-Autos sind nach wie vor deutlich teurer als Verbrenner, deshalb braucht auch der Kunde eine solche Förderung.“ Auch die Mitförderung von Plug-in-Hybriden verteidigt Haupt als sinnvollen Zwischenschritt – in Ländern mit unzureichender Ladeinfrastruktur seien sie für manche Kund:innen die einzige praktikable Lösung. Zugleich betont er: „Die Zukunft gehört der Elektromobilität.“
Ein Thema, das Haupt sichtlich am Herzen liegt, ist die Debatte um fairen Wettbewerb. An einem Rabattkrieg, wie ihn einzelne Automobilhersteller mit Herstellerprämien von teils weit über 10.000 Euro befeuern, werde sich Cupra nicht beteiligen. „Das ist kein nachhaltiges Geschäft“, sagt er und verweist auf die industrielle Bedeutung europäischer Produktion. Es gebe zwei Wege, in Europa Geschäfte zu machen: „Man kann hier verkaufen und den Wohlstand woanders schaffen. Oder man investiert, produziert und entwickelt in Europa.“ Cupra habe sich für den zweiten Weg entschieden.
Auch beim Tavascan hat sich die Lage entspannt. Nach einer Einigung des Volkswagen-Konzerns mit der EU entfallen die Strafzölle auf das in China produzierte Modell. Im Vorjahr setzte Cupra weltweit 36.000 Tavascan und 43.000 Born ab – Zahlen, mit denen Haupt zufrieden ist. Ob eine Verlagerung der Tavascan-Produktion nach Europa denkbar wäre, lässt er offen und verweist auf die Konzernstrategie. Zur Rolle von Seat gibt er sich gelassen: Die Marke ergänze Cupra mit einer anderen Kundschaft, Modelle wie der Ibiza funktionierten in vielen Märkten weiterhin gut.
Hinter den konkreten Produktplänen steht eine regulatorische Herausforderung, die Haupt klar benennt. Die aufgeweichte Regelung zum Verbrenner-Aus ab 2035 sieht er pragmatisch – im Volumensegment bedeute selbst der vorgeschlagene Kompensationsmechanismus von zehn Prozent „quasi eine 100-prozentige Elektrifizierung“. Dringender sei die Flexibilität bei den Zielen für 2030: Cupra wirbt für einen Ausgleichszeitraum von 2028 bis 2032, um drohende Strafzahlungen zu vermeiden. „Dieses Geld ist besser in Transformationsprojekte investiert“, sagt Haupt und deutet auf das Werk hinter sich, „wie hier in Martorell.“
Quelle: Electrified – Markus Haupt: Seat ergänzt Cupra sehr gut








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