Elektroautos sind längst kein Randphänomen und keine Early-Adopter-Technologie mehr. Bedeutet auch: Die Erwartungen an das Ladeerlebnis bei der Nutzung öffentlicher Ladepunkte steigen. Laden soll einfach und zuverlässig funktionieren – als Maßgabe für die technische Verfügbarkeit von öffentlichen Ladesäulen hat sich bislang die sogenannte „Uptime“ zum wichtigen Branchenstandard entwickelt. Die Uptime gibt die technische Betriebsbereitschaft eines Ladepunkts an, wobei viele europäische Förderprogramme und nationale Regulierungen Zielwerte von 97 bis 99 Prozent Uptime vorgeben.
Anhand der Uptime lässt sich allerdings keine Aussage darüber treffen, ob ein Ladevorgang tatsächlich erfolgreich gestartet und beendet werden kann. Trotz einer hohen Uptime kann es beispielsweise Probleme mit der Authentifizierung oder bei der Zahlung geben. Das Beratungsunternehmen P3 Group hat deshalb mit Co-Autoren der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur eine eigens entwickelte Kennzahl vorgestellt, die einen stärkeren Fokus auf das Nutzererlebnis legt: Die „Charging Success Rate“.
Öffentliche Ladesäulen: „Verfügbar“ heißt nicht automatisch erfolgreich
Die Charging Success Rate (CSR) berücksichtigt bei der Erfolgsmessung den gesamten Ladevorgang, beginnend mit der Authentifizierung bis hin zum erfolgreichen Abschluss der Ladepause. Die Charging Success Rate definiert erfolgreiche Ladevorgänge als den Prozentsatz der Ladeversuche, bei denen eine Ladetransaktion erfolgreich gestartet (d. h., bei denen die Ladestation beginnt, Strom an das Elektrofahrzeug zu liefern) und anschließend erfolgreich abgeschlossen wird. Daten zu jedem Schritt im Ladeprozess liegen den Betreibern über das standardisierte „Open Charge Point Protocol“ (OCPP) vor.
Die Autoren der begleitenden Publikation betonen, dass sich die Qualität und Zuverlässigkeit von Ladeinfrastruktur nur durch die Kombination technischer und nutzerbezogener Kennzahlen realistisch erfassen lasse. Die CSR soll genau diese Verbindung abbilden. Ziel sei es, dass die Betreiber diese standardisierte Definition nutzen, um einen branchenweiten nutzerorientierten Vergleichswert zu schaffen.
Höhere Granularität soll die Fehlersuche vereinfachen
„Ladevorgänge sollten flächendeckend möglichst reibungslos funktionieren und sich einfach in den Alltag integrieren“, so Johannes Pallasch, Leiter und Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. „Schwierigkeiten beim Starten des Ladevorgangs oder Ladeabbrüche sind nicht nur für die Nutzerinnen und Nutzer ärgerlich. Wie gut das Laden in der Praxis funktioniert, wird auch für den weiteren Erfolg der Elektromobilität entscheidend sein. Betreiber sollten Probleme im Ladeprozess daher schnell und einfach erkennen und überwinden können.“
Die Berechnung der Uptime sei aus Kundensicht zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Voraussetzung für einen erfolgreichen Ladevorgang, argumentiert Markus Hackmann, Geschäftsführer E-Mobility & Energy bei der P3 Group. „Die Analyse von Felddaten zeigt einen signifikanten Unterschied zwischen der rein technischen Uptime-Betrachtung und dem tatsächlichen Ladeerfolg aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer.“
Die Autoren verweisen auf die höhere Granularität der Charging Success Rate, die den gesamten Ablauf des Ladevorgangs von der Auswahl des Ladepunkts über die Authentifizierung bis hin zum Start und Abschluss der Ladetransaktion berücksichtigt. Die Reihenfolge dieser Schritte könne je nach Ladestationsmodell und Betreiber variieren – dementsprechend soll die detaillierte Betrachtung auch eine gezielte Identifikation von Fehlerquellen innerhalb der Ladewirkkette ermöglichen.
Tatsächliche Ladeerfolgsquote liegt deutlich unter Uptime-Niveau
Durch eine Auswertung von Ladenetzwerkdaten konnten P3 und die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur bereits zeigen, dass die durchschnittliche Uptime öffentlicher DC-Ladepunkte in Deutschland im vergangenen Jahr bei 96,2 Prozent lag. Der Wert sei zwar akzeptabel, biete jedoch noch „erhebliches Optimierungspotenzial“, schreiben die Autoren. Zieht man von diesem Wert jedoch die Ladevorgänge ab, die nach einer auffällig kurzen Ladedauer von maximal 4 Minuten enden und somit offenbar nicht reibungslos verliefen, sind nur noch 93,7 Prozent der ausgewerteten Ladevorgänge erfolgreich.
Feldtests, die über einen Zeitraum von fünf Jahren mit über 80 unterschiedlichen E-Fahrzeugmodellen an mehr als 100 CCS2-Ladestationsmodellen durchgeführt wurden, zeigen demnach noch schlechtere Werte: Im Jahr 2025 sei etwa jeder siebte Ladeversuch aus Nutzersicht fehlerhaft gewesen.
Das Konzept und die Definition der Kennzahl CSR wurde in der Industrie bereits praktisch erprobt und kommt auch in der aktuellen VDA-Initiative zur Entwicklung eines industrieübergreifenden Qualitätsstandards im Schwerpunkt der Messbarkeit von Ladequalität zum Einsatz.
Quellen: P3 Group – Publikation vom 24.03.2026 / Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur – Pressemitteilung vom 24.03.2026







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