Chinesen produzieren Elektroautos jetzt auch in Europa

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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
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Leapmotor ist ein chinesischer Hersteller von Elektroautos, von dem wir hier in Europa noch nicht so viel gehört haben. Im Herbst vergangenen Jahres berichtete Elektroauto-News von einer Partnerschaft mit Stellantis. Jetzt gelingt den Chinesen etwas, das durchaus als historisch zu bezeichnen ist. Das Unternehmen plant als erstes chinesisches Unternehmen die Produktion von Elektroautos in Europa.

Leapmotor möchte mit Hilfe seines neuen Partners Stellantis ein kleines Elektroauto, genannt den T03, im polnischen Stellantis-Werk in Tychy bauen lassen. Dies ist ein zukunftsweisender Schritt, da es einer der ersten chinesischen Automobilhersteller sein wird, der die Produktion von Elektrofahrzeugen in Europa aufnimmt. Die Fertigung soll noch vor Ende Juni starten und wird mittels der sogenannten Semi-Knocked-Down-Technologie erfolgen, bei der teilweise vormontierte Kits geliefert und zu fertigen Fahrzeugen zusammengebaut werden.

Tychy als Produktionsstandort wurde als Teil der im letzten Jahr vereinbarten Joint-Venture-Vereinbarung zwischen Stellantis und Leapmotor auserkoren. Das Werk ermöglicht in Kombination mit der Kit-Bauweise niedrige Produktionskosten. Dadurch soll ein preisgünstiges Elektroauto für einen breiten Kundenkreis entstehen. Details des Projektes sind zwar noch nicht öffentlich bekannt, aber für den französischen Konzern Stellantis ist es allemal ein wichtiger Schritt, um sein Angebot an kostengünstigen Elektroautos zu erweitern und mit Konkurrenzmodellen wie dem Dacia Spring von Renault und dem Seagull von BYD zu konkurrieren.

In Europa wird der T03 bereits in einigen Märkten, darunter Frankreich, für Preise ab rund 20.000 Euro angeboten. Er hat einen 70 kW starken Motor und verfügt über eine Reichweite von 280 Kilometern. Ein typisches Stadtauto also. Erstaunlich ist, dass der Kleinwagen trotz des geringen Preises ein intelligentes Fahrassistenzsystem inklusive drei Kameras Radar-Einheiten beisitzt, mit dem er für autonomes Fahren ausgerüstet ist. Neben dem T03 plant Leapmotor auch den Vertrieb seines SUV C10, der speziell für den internationalen Markt entwickelt wurde, in europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Der Sprung von Leapmotor nach Europa steht also symbolisch als Vorbote für das wachsende Interesse chinesischer Automobilhersteller an europäischen Märkten und durch die Produktion vor Ort für eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs um Elektroautos im Einstiegssegment.

Dennoch, oder gerade deswegen, werden die Handelsspannungen zwischen China und der Europäischen Union immer stärker. Die EU startete zuletzt eine sogenannte Antisubventionsuntersuchung wegen mutmaßlicher unfairer staatlicher Subventionen für chinesische Hersteller. Trotzdem ist auch BYD dabei, eine eigene Produktionsstätte in Ungarn zu errichten. Mit Chery Auto evaluiert ein weiterer chinesischer Hersteller ähnliche Investitionen in Europa.

Die Joint-Venture-Vereinbarung zwischen Stellantis und Leapmotor umfasst eine 21-prozentige Beteiligung von Stellantis am chinesischen Unternehmen im Wert von 1,6 Milliarden Dollar und verleiht Stellantis exklusive Rechte, Leapmotor-Produkte außerhalb von China zu bauen, zu exportieren und zu verkaufen. Mit diesem Schritt setzt Leapmotor ein klares Zeichen seiner globalen Ambitionen und der zunehmenden Präsenz chinesischer Automarken auf dem europäischen Parkett.

Quelle: Reuters – Exclusive: China’s Leapmotor to build EVs at Stellantis‘ Polish plant, sources say / Leapmotor

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Hannes Dollinger

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Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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