In Washington wird derzeit intensiv darüber beraten, wie die Vereinigten Staaten künftig mit chinesischen Autoherstellern umgehen sollen. Im Zentrum steht ein Vorschlag, der Branchenbeobachtern vertraut erscheint: Chinesische Unternehmen könnten Zugang zum US-Markt erhalten, allerdings nur über Gemeinschaftsunternehmen mit amerikanischen Herstellern – und unter deren Kontrolle.
Ausgangspunkt der Debatte waren Gespräche am Rande der Detroit Auto Show im Januar. Wie zunächst Bloomberg berichtete, tauschte sich Ford-CEO Jim Farley dort mit hochrangigen Vertretern der Regierung von Präsident Donald Trump aus. Unter den Gesprächspartnern befanden sich US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer, Verkehrsminister Sean Duffy sowie Lee Zeldin, Leiter der Umweltbehörde. Diskutiert wurde demnach ein Modell, das eine lokale Fertigung in den Vereinigten Staaten als Voraussetzung für den Marktzugang chinesischer Autobauer vorsieht.
Der Kern der Überlegungen: Amerikanisch-chinesische Joint-Ventures, bei denen die US-Seite die Mehrheitsanteile hält. Gewinne und Technologie würden zwischen beiden Partnern geteilt. Dieses Konstrukt erinnert an die Praxis in China, wo ausländische Hersteller über Jahrzehnte nur gemeinsam mit lokalen Unternehmen produzieren durften. Damals sollte auf diese Weise Know-how ins Land geholt werden. Inzwischen hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. Chinesische Anbieter gelten insbesondere bei Batterietechnologie für Elektroautos und im Bereich Infotainment als mindestens wettbewerbsfähig, wenn nicht überlegen.
USA: Aktuell 100-Prozent-Zoll auf chinesische Elektroauto-Importe
Vor diesem Hintergrund suchen westliche Staaten nach Instrumenten, um ihre heimischen Produzenten gegenüber häufig günstigeren chinesischen Modellen abzusichern. In den USA gilt seit 2024 ein Einfuhrzoll von 100 Prozent auf Elektroautos aus China. Eingeführt wurde er unter Präsident Joe Biden als Reaktion auf einen „erheblichen unfairen Kostenvorteil“, wie es damals aus dem Weißen Haus hieß. Dieser Zoll wirkt faktisch als Schutzbarriere gegen direkte Importe.
Das nun diskutierte Joint-Venture-Modell würde einen anderen Weg eröffnen. Chinesische Hersteller müssten demnach Gemeinschaftsunternehmen mit amerikanischen Konzernen gründen und ihre Autos vor Ort fertigen. Die Kontrolle läge bei den US-Partnern. Bloomberg zufolge wurden die Gespräche allerdings als privat, informell und vorläufig beschrieben. Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Zudem soll sich General Motors gegen einen solchen Ansatz ausgesprochen haben.
Ford selbst äußerte sich nur allgemein zu den Inhalten der Gespräche. Auf Nachfrage von Bloomberg erklärte Fords Kommunikationschef Mark Truby, es sei um die „Notwendigkeit“ gegangen, „unseren Heimatmarkt vor einer Flut subventionierter, in China gebauter Fahrzeuge zu schützen“. Neben wirtschaftlichen Aspekten seien auch Fragen des Datenschutzes und der nationalen Sicherheit im Zusammenhang mit chinesischen Importen thematisiert worden.
Internationaler Wettbewerb erhöht den Zeitdruck
Politisch erhält die Debatte zusätzliche Dynamik durch Äußerungen von Präsident Trump. Bei einer Rede vor dem Detroit Economic Club Mitte Januar sagte er: „Let China come in“, und stellte in Aussicht, chinesischen Unternehmen den Bau von Fabriken in den USA zu gestatten, sofern sie amerikanische Arbeitskräfte beschäftigen. Gleichzeitig wird berichtet, dass Teile der Administration einem formellen Joint-Venture-Rahmen zurückhaltend gegenüberstehen, da Widerstand im Kongress erwartet werde.
Die Zeitkomponente spielt ebenfalls eine Rolle. Während die Vereinigten Staaten noch über ihren Kurs beraten, öffnet sich Kanada nach Medienberichten für chinesische Hersteller. In Mexiko haben Unternehmen aus China rasch Marktanteile gewonnen. Vor diesem Hintergrund wächst der Druck, eine eigene Strategie zu definieren.
Quelle: CNEVPost – Ford CEO discussed potential roadmap for Sino-US joint manufacturing with US officials, report says / Automobilwoche – Informelle Gespräche: USA erwägen Joint-Venture-Regelung für chinesische Hersteller








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