Chile verknüpft Lithium-Strategie mit EU-Batterieverordnung

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Chiles Lithium-Strategie rückt zunehmend in den Blick europäischer Automobilhersteller und Batterieproduzenten, die ihre Lieferketten transparenter und nachweislich verantwortungsvoller gestalten müssen. Innerhalb der Global Battery Alliance hat die Fachgruppe Circularity & Critical Minerals Advisory Group in einem aktuellen Dialog untersucht, wie das südamerikanische Land seine nationale Lithium-Strategie umsetzt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich staatliche Beteiligung, private Partnerschaften und langfristige Wertschöpfung miteinander verbinden lassen, während Chile als zentraler Akteur der globalen Energiewende gilt.

Das Land verfügt über große Lithiumvorkommen, dennoch wächst die tatsächliche Förderung nur langsam. Die Herausforderung liegt laut Dr. Hernán Cáceres, Exekutivdirektor des Nationalen Instituts für Lithium und Salare (INLiSa), weniger in der Geologie als in der Fähigkeit, Produktion schnell und nachhaltig zu skalieren, während Genehmigungsverfahren, Umweltauflagen sowie die Beziehungen zu lokalen und indigenen Gemeinschaften das Vorhaben zusätzlich erschweren.

„Chile hat die einzigartige Chance zu zeigen, dass die Entwicklung kritischer Rohstoffe strategisch und nachhaltig zugleich sein kann, wenn sie durch Wissen, Zusammenarbeit und starke institutionelle Kapazitäten getragen wird“, erklärte Cáceres. Die nationale Strategie zielt deshalb darauf ab, über die reine Förderung hinauszugehen und zusätzliche Wertschöpfung entlang der Batterie-Lieferkette zu erschließen, von der Raffination bis zum Recycling.

Markt verlangt nachweislich verantwortungsvollen Rohstoffabbau

Chile profitiert von einem vergleichsweise robusten institutionellen Rahmen und der Anbindung an internationale ESG-Standards, unter anderem durch die kürzliche Aufnahme in die Extractive Industries Transparency Initiative. Zunehmend sind es jedoch Käufer:innen und Investor:innen, die verantwortungsvollen Abbau vorantreiben, indem sie Transparenz sowie soziale und ökologische Standards zur Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit machen.

Im Fokus des Investoren-Engagements stehen vor allem Wasserwirtschaft, die Rechte indigener Gemeinschaften und das Vertrauen der beteiligten Akteure, besonders in sensiblen Regionen wie dem Salar de Atacama. Automobilhersteller und Batterieproduzenten untermauern diese Erwartungen zunehmend über langfristige Lieferverträge mit klaren Vorgaben zur Produktion. „Nachgelagerte Käufer haben den finanziellen Wert verantwortungsvoller Betriebe gezeigt, da Automobilhersteller die Beschaffung aus unabhängig auditierten Minenstandorten zunehmend über langfristige Verträge priorisieren“, sagte Maxwell Homans, Shareholder Advocacy Manager bei Mercy Investment Services.

Wie sich staatliche und private Interessen verbinden lassen, zeigt das Beispiel Novandino Litio, eine öffentlich-private Partnerschaft der Unternehmen SQM und Codelco. Das Modell steht für Chiles Bestreben nach stärkerer staatlicher Beteiligung, verbunden mit dem Fachwissen privater Betreiber, verbesserter Governance und geteiltem Nutzen für lokale und indigene Gemeinschaften.

Neben der Ausweitung der Produktion arbeiten die beteiligten Unternehmen an der Reduzierung von Umweltauswirkungen, an neuen Technologien sowie an internationalen Standards für mehr Transparenz. „Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, die Richtung festzulegen, sondern sie im großen Maßstab umzusetzen“, sagte Stefan Debruyne, Vice President Sustainability and Global Affairs bei Novandino.

Batteriepass soll verantwortungsvolle Herkunft sichtbar machen

Ein zentraler Baustein der Strategie ist die 2016 eingeführte Regelung zur erweiterten Herstellerverantwortung. Aktuell arbeitet die chilenische Regierung an einem Dekret, das unter anderem eine Kennzeichnungspflicht für Batterien vorsieht, jedoch bislang keine Schritte in Richtung eines Batteriepasses enthält. Eine zu schwache Regulierung könnte dabei den Aufbau künftiger Recycling- und Downstream-Systeme verlangsamen. Sebastián Galarza, Exekutivdirektor des Centro de Movilidad Sostenible, sieht darin die Chance, der Lithium-Lieferkette echten Mehrwert zu verleihen, indem die rasche Elektrifizierung des Verkehrs eine robuste lokale und regionale Nachfrage schafft.

Trotz hoher Standards und verbesserter Praxis zeigt sich Nachhaltigkeitsleistung bislang kaum am Markt, weder in der Produktdifferenzierung noch im Preis, da Käufer:innen kaum nachvollziehen können, wie und wo Rohstoffe produziert wurden. Genau hier soll der Battery Passport der Global Battery Alliance ansetzen, indem er verifizierte, standardisierte Daten zu Herkunft und Wirkung von Batteriematerialien bereitstellt und so Transparenz sowie Vergleichbarkeit entlang der Lieferkette schafft. „Der Ausbau des Batteriepasses ist insgesamt ein Weg, um sicherzustellen, dass nachhaltige Produktionspraktiken sichtbar, wertgeschätzt und in globalen Märkten abgebildet werden“, erklärte Debruyne. Durch die EU-Batterieverordnung sind die Grundlagen für die Einbindung des Batteriepasses weitgehend vorhanden, im Fokus steht nun die praktische Umsetzung und Skalierung des Systems.

Aus Sicht der beteiligten Akteure liefert Chiles Vorgehen übertragbare Erkenntnisse für andere Lithium-Förderländer, etwa zur Rolle wirtschaftlicher Anreize, unabhängiger Verifizierung und der Einbindung indigener Gemeinschaften in institutionelle Abläufe.

Quelle: Global Battery Alliance – Chile’s lithium transition: balancing growth, sustainability, and value creation

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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