JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe
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JLR / Jaguar Land Rover

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Jaguar Land Rover (JLR) hat ein neues Konzeptfahrzeug präsentiert, das die jüngsten Fortschritte des Unternehmens in den Bereichen kreislauforientiertes Design, emissionsarmes Engineering und Materialinnovation veranschaulicht. Grundlage ist das Projekt „Cornerstone“, in dessen Rahmen Entwicklungs- und Produktionsteams gemeinsam mit mehr als 40 Tier-1-Zulieferern und Rohstofflieferanten gearbeitet haben. Entstanden sind 49 nachhaltigere Fahrzeugbauteile, für die verstärkt recycelte, biobasierte und emissionsarme Materialien zum Einsatz kamen.

Die Bauteile wurden zudem so konstruiert, dass sie sich für Recycling und Reparatur leichter demontieren lassen. Im Vergleich zu bislang genutzten Prozessen und Materialien erzielte das Projekt nach Angaben von JLR CO2e-Einsparungen von mehr als einer Tonne, was etwa dem CO2-Ausstoß eines Flugreisenden auf der einfachen Strecke von Paris nach New York entspricht. Parallel dazu wuchs der Anteil an Recyclingmaterial um fast 140 kg.

Die zugrunde liegende Baseline von 2674 kg CO2e für sämtliche Teile sank dadurch auf 1374 kg CO2e. Die Angaben zu den einzelnen Bauteilen wurden von den jeweiligen Lieferanten validiert, eine unabhängige Prüfung steht noch aus. Weil die Komponenten für eine reale Karosserie gefertigt wurden, ergeben sich aus dem Projekt konkrete Ansätze für aktuelle und künftige Fahrzeugprogramme von JLR.

Mehrere der entwickelten Lösungen sind bereits für kommende Modelle vorgesehen, darunter eine neue Scheinwerfertechnologie, emissionsärmerer Stahl, recyceltes Türglas, recycelter Sitzschaum sowie die neue FlexAir-Sitztechnologie. Nach eigenen Angaben von JLR gehen daneben mehrere Neuerungen auf das Projekt zurück, die erstmals in der Automobilindustrie umgesetzt wurden.

Neuerungen mit Vorbildcharakter für die Branche

Dazu zählt zu 100 Prozent aus Altglas gewonnenes Recyclingglas im geschlossenen Kreislauf, dessen CO2e-Bilanz nach der Massenbilanzmethode berechnet um 36 Prozent sinkt. Das verwendete Glas stammt aus ausgedienten Windschutzscheiben. Ergänzt wird dies durch voneinander trennbare Elektronikkomponenten, die Reparatur und Recycling von Scheinwerfern erleichtern sollen.

Hinzu kommen Lautsprecher mit zu 95 Prozent recycelten Magneten. Paul Francis, Senior Manager Circularity bei JLR, ordnet das Projekt als Beleg für die Wirkung eines koordinierten Mehrparteienansatzes ein. Cornerstone zeige, wie JLR „die Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie vorantreiben kann“ und welchen Wert eine solche Zusammenarbeit habe, um schneller Fortschritte zu erzielen. Entscheidend sei dabei, so Francis weiter, dass die höchsten Leistungs- und Qualitätsstandards gewahrt blieben, denn richteten sich Partner entlang der Wertschöpfungskette frühzeitig auf gemeinsame Ziele aus, verbesserten sich Produktionseffizienz und Gesamtergebnisse spürbar.

Auch von politischer Seite kam Rückhalt für das Projekt. Mary Creagh CBE, britische Staatsministerin für Naturschutz, besuchte den Design-Hauptsitz von Jaguar Land Rover im britischen Whitley (Coventry) und beschrieb Cornerstone als Beispiel dafür, wie innovativ die Industrie agieren könne, sofern die Regierung einen stabilen politischen und investiven Rahmen bereitstelle. Notwendig sei eine belastbare Rohstoffversorgung, in der Abfall von vornherein vermieden und Fahrzeuge von Beginn an auf Langlebigkeit ausgelegt würden.

Wie es nach Cornerstone weitergeht

Neue Erkenntnisse sollen laufend in das Projekt einfließen. Parallel untersucht das Circularity Lab von JLR, mit welchen Methoden Fahrzeuge am Ende ihrer Lebensdauer durch verbesserte Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit ihrer Bauteile zur Wertschöpfung beitragen können. Damit soll ein Beitrag zu langfristiger Ressourcensicherheit, industrieller Dekarbonisierung und einer widerstandsfähigeren Lieferkette geleistet werden.

Ergänzend ist JLR dem Automotive Plastics Circularity Project der Global Impact Coalition beigetreten. Kunststoffe kommen in Fahrzeugen an zahlreichen Stellen zum Einsatz, etwa in Sitzen, Armaturenbrettern, Stoßfängern und Leuchten, lassen sich bislang jedoch nur schwer trennen, sortieren und recyceln. Ziel des Projekts ist es, Altkunststoffe so aufzubereiten, dass daraus hochwertige Recyclingmaterialien für neue Fahrzeuge entstehen können.

Quelle: JLR – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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