China hat seinen Lithium-Futures-Markt für ausländische Händler geöffnet. Der entsprechende Kontrakt an der Guangzhou Futures Exchange (GFEX) steht seit diesem Monat internationalen Marktteilnehmer:innen offen, nachdem zuvor bereits Eisenerz-Futures und ein Öl-Kontrakt für den Auslandshandel freigegeben wurden. Gehandelt wird Lithiumcarbonat, das vor allem in Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) zum Einsatz kommt. Gemessen am Volumen gilt der GFEX-Kontrakt bereits jetzt als das liquideste Lithiumderivat weltweit.
Offiziell soll die Öffnung Chinas „Pricing Power“ stärken und dem Renminbi international mehr Gewicht verschaffen. Hinzu kommt allerdings eine Einschränkung, die den Anspruch relativiert: Der Handel an der Börse ist ausgesprochen volatil. Wie schnell sich das Handelsvolumen verändern kann, zeigte sich bereits im vergangenen Jahr, als die Schließung einer Lithiummine des Batterieherstellers CATL den Kontrakt in eine spekulative Phase trieb. Ebenso schnell wie das Volumen anstieg, ebbte es danach wieder ab. Am 6. Juli lag der Tagesumsatz bei rund 35 Prozent des Jahresdurchschnitts.
Die Börse selbst trug zu dieser Beruhigung bei. Nachdem der meistgehandelte Kontrakt an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen sein Tageslimit von acht Prozent erreicht hatte, führte die GFEX im Juli vergangenen Jahres eine Obergrenze von 3000 Lots (Standardkontrakte im Terminhandel) pro Tag für neue Positionen von Nicht-Handelsmitgliedern ein. Im November folgten höhere Transaktionsgebühren und engere Positionslimits, woraufhin die Preise deutlich nachgaben.
Kontrolle statt freier Preisbildung
Der Politikwissenschaftler Johannes Petry ordnet dieses Vorgehen strukturell ein. Chinesische Börsen orientierten sich weniger an Markteffizienz als an Stabilität, Kontrolle und der Ausrichtung auf staatliche Ziele, so Petry. Die Behörden behielten sich demnach erheblichen Spielraum vor, um über Positionslimits, Handelsbeschränkungen und administrative Vorgaben in den Markt einzugreifen.
Auch die Kapitalverkehrskontrollen bleiben bestehen. Ausländische Händler:innen können ihre Marge zwar in US-Dollar hinterlegen, allerdings mit einem Abschlag von fünf Prozent, sodass nur 95 Prozent des eingezahlten Betrags als Sicherheit zählen. Handel und Abrechnung erfolgen weiterhin in Renminbi, und erzielte Gewinne lassen sich nicht ohne Weiteres zurückführen.
Unabhängig von diesen strukturellen Hürden bleibt Chinas Einfluss auf den Lithiummarkt erheblich. Das Land ist der weltweit größte Batteriemarkt und verarbeitet nach verfügbaren Angaben etwa 60 Prozent des weltweiten Lithiumangebots. Die Nähe zur Nachfrage verleiht den chinesischen Futures-Preisen entsprechendes Gewicht, auch ohne dass sie formal zum globalen Referenzwert würden.
Der eigentliche Nutzen der Öffnung könnte daher weniger im direkten Machtzuwachs liegen als in neuen Arbitragemöglichkeiten zwischen chinesischen und globalen Preisen. Parallel gewinnen westliche Handelsplätze an Bedeutung: Die Lithium-Kontrakte der CME verzeichnen inzwischen spürbaren Zulauf, da Produzenten und Abnehmer außerhalb Chinas nach Absicherungsmöglichkeiten jenseits des chinesischen Marktes suchen.
Quelle: Volt Insight – China’s quest for lithium pricing power









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