Eine Glosse von Henning Krogh
Bei ihren Presseevents bekommen es die Automobilhersteller mit einer zunehmend grellbunten Mischung von Menschen zu tun. Sogenannte Influencer etwa sind bei Pkw-Premieren besonders empfänglich für blick- und klickfangträchtige Clip-Kulissen. Gern weit abseits des Straßenverkehrsgetümmels: Dann zählt das Model, nicht das Modell.
Manchen PS- und Kilowatt-affinen Motorjournalisten wiederum kann es bei Fahrvorstellungen eines neuen Kraftwagens gar nicht schnell genug auf die Autobahn gehen. Und neugierige Kleinpublizisten alten Schlages legen großen Wert auf das Einholen kulturellen Beifangs für ihren Reisebericht, sofern sie sich vornehm als Feuilletonisten des Fahrzeugbaus verstehen.
Diesen typenreichen Kosmos kennt Hauke Schrieber (Foto) aus dem Effeff. Viele Jahre globetrottete der gebürtige Südhamburger für „Auto Bild“ bis in exotische Länder wie das nordostafrikanische Eritrea. Als US-Korrespondent war er dicht dran an Tesla-Lenker Elon Musk. Nun, als Senior Communication & PR Manager in Diensten von BYD Europe, ist Schrieber zuweilen als Zermonienmeister gefragt. So auch jüngst, bei der Uraufführung des BYD-Stromers Atto 3 Evo im Altonaer Kaispeicher am Hamburger Hafen.
„Build Your Dreams“ lautet bekanntermaßen der Slogan hinter dem Kürzel BYD. Den 19. März stellten die norddeutschen Statthalter des chinesischen Mobilitätskonzerns inoffiziell unter das Motto „Build Your Day“. Vier Routen für die persönliche Ausgestaltung des Test-Tags nämlich hatten Schriebers Scouts ausbaldowert. Zum Ausklang der Atto-3-Demo in der Theorie präsentierte das BYD-Team vier Richtige für den praktischen Teil nebeneinander auf dem Monitor.
Heiterkeit im Saal war plötzlich zu protokollieren, denn allesamt trugen die Trip-Tipps den Namen einer mehr oder weniger bekannten Person mit Hamburg-Bezug. Da war „Route 1“, benannt nach Dieter (Günter) Bohlen, die „vorbei an Tötensen“ (BYD-Kurzinfo) führte, einem Wohnort des früheren Modern-Talking-Barden. Wie viele junge Youtuber den virilen 72-jährigen Bohlen in Tötensen für ein potenziell virales Video aus dem Mittagsschlaf zu klingeln hofften, ist nicht überliefert.
Auf „Route 2“ namens „Udo Lindenberg“ konnten BYD-Gäste die Hamburger City erkunden – mitsamt Außenalster. An des Gewässers Ufer, im gediegenen Hotel Atlantic, lebt Deutschrocker Lindenberg, 79, in einer von ihm selbst „Panik-Zentrale“ getauften Suite als Dauergast.
„Hans Albers“ war Pate von „Route 3“, wenngleich posthum. „Wie blau ist das Meer? Wie groß kann der Himmel sein?“, hatte „der blonde Hans“ (1891 – 1960) im klassischen Gassenhauer „La Paloma“ einst gefragt. Und gleich in der nächsten Textzeile ließ das Hamburger Urgestein stets wissen: „Ich schau hoch vom Mastkorb weit in die Welt hinein“. Da konnte BYD nicht auf dem Boden bleiben – und baute die Köhlbrandbrücke mit ihren 53 Metern lichter Höhe in die Dreier-Sause ein.
„Jan Fedder“ (1955 – 2019) schließlich hieß die kürzeste der vier Streckenführungen, in Anlehnung an den beliebten Schauspieler („Neues aus Büttenwarder“). „Route 4“-Reisende gelangten unter anderem „zur historischen Oberhafenkantine“ (BYD).
Apropos: Beim BYD-Lunch an der Großen Elbstraße war die Namensgebung des Autofahrquartetts das Thema lebhafter Streitgespräche. „Angela Merkel und Helmut Schmidt sind in Hamburg zur Welt gekommen“, referierte beispielsweise ein hungriger Journalist, „als Bundeskanzlerin und Bundeskanzler hätten sie zweifellos je eine Route verdient gehabt“.
„Johannes Brahms, ebenfalls gebürtiger Hamburger, war als Komponist eine epochale Erscheinung“, merkte eine Mitesserin an, „bei Dieter Bohlen muss sich das noch weisen“. Abermals Heiterkeit, dieses Mal am Stehtisch.
Auch dem Hamburg-Pariser Couturier Karl Lagerfeld hätte fraglos eine BYD-Route gebührt – womöglich mit Wendepunkt am „ModeCentrum Hamburg“ im schönen Stadtteil Schnelsen, von Einheimischen gerühmt als „Chanelsen“
Und dann erst Uwe Seeler (1936 – 2022). Dem Stürmerstar des Hamburger Sport-Vereins (HSV) ist eine sehenswerte Skulptur am Volksparkstadion gewidmet. „Uns Uwe sein Fuß“ heißt das aus Bronze gegossene Kunstwerk, das den distalen Teil des rechten Seeler-Beins als Denkmal würdigt. Direkt daneben hätte sich bestimmt die eine oder andere Influencerin gern mit Glitter-High-Heels in Szene gesetzt.
Immerhin – auch ohne eine „Route 5“ gab sich Hauke Schrieber als treuer Fan des Uwe-Seeler-Stammvereins zu erkennen. Leise, aber für Gäste in den vorderen Reihen doch hörbar moderierte er mit drei Worten den Workshop zum Atto 3 Evo ab. Schriebers Schlussbemerkung: „Nur der HSV!“.
Dieser Artikel entstammt der Kolumne „Kroghs Kabel-Salat“, in der Nachrichten rund um die Elektromobilität mit einem Augenzwinkern erzählt werden.








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