Bolt, Lucid und Stellantis für autonome Mobilität in Europa

Bolt, Lucid und Stellantis für autonome Mobilität in Europa
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Maria Glaser
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Der estnische Mobilitätsanbieter Bolt treibt den Aufbau autonomer Fahrdienste in Europa mit gleich zwei Partnerschaften voran und verfolgt seine Strategie zum autonomen Fahren in Europa, die Bolt-Gründer und CEO Markus Villig bereits länger kommuniziert. Mit den Kooperationen setzt das Unternehmen auf namhafte Partner: Konkret handelt es sich um ein Pilotprojekt im Großraum Paris mit Stellantis sowie um den langfristigen Aufbau einer großen autonomen Flotte mit Lucid.

Wie das Unternehmen Lucid kürzlich über eine Pressemitteilung bekannt gab, plant Bolt den Einsatz von mindestens 25.000 autonomen Lucid-Fahrzeugen in europäischen Großstädten. Diese Zusammenarbeit gehört für Bolt zu einem größeren Ziel, denn bis 2035 hat es sich das Unternehmen vorgenommen, insgesamt 100.000 autonome Fahrzeuge zu betreiben.

Der Pressemitteilung zufolge wolle man gemeinsam auf Basis der kommenden Midsize-Plattform ein Fahrzeug entwickeln, das für autonomes Fahren nach SAE-Level 4 ausgelegt und auf Shared-Mobility-Dienste zugeschnitten ist. Grundlage ist die Hyperion-Architektur von Nvidia, die unter anderem Hardware und Sensorik für das autonome Fahren sowie KI-basierte Datenverarbeitungssoftware beinhaltet.

Die Unternehmen werden nach eigenen Angaben von Anfang an eng zusammenarbeiten. Für die Flotteninfrastruktur, die Betriebssysteme sowie die Partnerschaften mit Städten ist allerdings Bolt allein verantwortlich. Das Unternehmen will die autonome Flotte außerdem selbst besitzen und betreiben. Bei der Partnerschaft von Lucid und Bolt verfolge man einen spezifisch europäischen Ansatz, der die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Straßeninfrastruktur und die hohe urbane Dichte berücksichtigt, so die Pressemitteilung.

Lucid-CEO Silvio Napoli bezeichnete autonome Shared-Mobility-Dienste als perfekte Gelegenheit, um die eigene Technologie über den Privatkundenmarkt in der Breite hinaus zu nutzen. Bolt sei dafür der ideale Partner. Bolt-Chef Villig erklärte, dass Bolt mehr als zehn Jahre operative Erfahrung in über 850 Städten einbringe, um dieses Projekt in Europa umzusetzen. Dafür sei es erforderlich, dass Daten, Software, Fahrzeuge und Betriebsabläufe als einheitliches System funktionieren.

Pilotprojekt im Großraum Paris

Neben der Kooperation mit Lucid wurde kürzlich eine weitere, namhafte Zusammenarbeit bekannt. Bereits seit einiger Zeit tüftelt Stellantis gemeinsam mit Bolt an autonomen Autos, was nun eine neue Ebene erreicht: Für den Großraum Paris planen der Automobilkonzern, Bolt sowie die Métropole du Grand Paris einen Versuchsbetrieb autonomer Mobilitätsdienste. Das „Greater Paris Autonomous Driving Living Lab“ wurde im Rahmen der ADACities-Initiative (Autonomous Drive Ambition) der Europäischen Kommission eingereicht, die den breiteren Einsatz autonomer Mobilität in europäischen Städten fördern soll. Der Start ist für 2028 vorgesehen und bis 2030 soll das Projekt auf rund 30 Kommunen ausgeweitet werden.

Die Métropole umfasst Paris und 129 umliegende Gemeinden. Zunächst sind Einsätze in bis zu fünf Gemeinden im Nordwesten des Großraums geplant. In dieser Phase sollen nach Angaben von Stellantis Betriebsleistung, Sicherheit, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie wirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen untersucht werden. Eine unabhängige Bewertung begleitet diese erste Phase. In einer zweiten Phase sollen die Voraussetzungen für eine Ausweitung geprüft werden. Vorbehaltlich der nötigen Genehmigungen strebe man bis 2030 den kommerziellen Betrieb an, so die Pressemitteilung.

Dem Präsidenten der Métropole Patrick Ollier zufolge wolle man das Potenzial autonomer Mobilität bewerten, um Verkehrsbedürfnisse zu decken, den bestehenden öffentlichen Nahverkehr zu ergänzen und zu nachhaltigerer Mobilität beizutragen. Die Testphase solle öffentliche Entscheidungen unterstützen und die Bedingungen für einen möglichen breiteren Einsatz definieren. „Unsere Überzeugung ist einfach: Technologischer Fortschritt ist nur dann sinnvoll, wenn er unseren Bürgern greifbare Vorteile bringt“, so Ollier weiter.

Die autonomen Fahrzeuge sollen bestehende Verkehrsangebote ergänzen und Lücken schließen im Nahverkehr, etwa bei Fahrten der „ersten und letzten Meile“, beim Zugang zu Gewerbe- und Bürostandorten, außerhalb der Stoßzeiten und bei Großveranstaltungen. Das Projekt solle zudem politischen Entscheidungsträgern fundierte Erkenntnisse liefern. Die Bewertung erfolgt anhand der Kriterien Betriebssicherheit, Servicequalität und Nutzer:innenakzeptanz, Mobilitätswirkungen, soziale und ökologische Effekte sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die während des Projekts gesammelten Betriebsdaten werden im Einklang mit den Datenschutzvorgaben ausgewertet.

Die Rollenverteilung sieht vor, dass die Métropole du Grand Paris das Vorhaben koordiniert und die Bewertung überwacht. Bolt verantwortet über „Bolt Autonomous Driving Solutions“ Serviceintegration und Einsatzplanung. „Bolt bringt die Kundenplattform und die Betriebserfahrung mit“, so CEO Villig. Er sagte zudem, dass man mit der Zusammenarbeit einen weiteren konkreten Schritt in Richtung eines kommerziellen autonomen Mobilitätsdienstes für Europa gegangen sei. „Autonome Fahrzeuge werden nur dann eine Rolle spielen, wenn sie echte Verkehrsprobleme lösen“, so Villig.

Als dritter Kooperationspartner im Bunde stellt Stellantis Fahrzeuge auf Basis seiner „L4-Ready-Plattformen“ bereit. „Indem wir die Fahrzeugtechnik von Stellantis und das tiefe Verständnis der europäischen Mobilitätsbedürfnisse mit der ergänzenden Expertise unserer Partner und der lokalen Behörden verbinden, wollen wir eine fahrerlose Mobilität entwickeln, die den öffentlichen Nahverkehr ergänzt und alltägliche Fahrten einfacher und zugänglicher macht“, so Ned Curic, Chief Engineering & Technology Officer bei Stellantis.

Als möglichen Anbieter der Fahrtechnologie nennt die Pressemitteilung das chinesische Unternehmen Pony.ai, das für Stellantis bereits ein bekannter Partner ist. Die Fahrtechnologie soll auf Nvidia Hyperion und dem Nvidia Halos-Sicherheitssystem aufbauen. Damit ist den beiden Bolt-Projekten die Anbindung an die Nvidia-Hyperion-Architektur gleich.

Quellen: Lucid – Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026 / Stellantis – Pressemitteilung vom 23. Oktober 2026

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Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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