Die estnische Carsharing-Plattform Bolt und der US-amerikanische Elektroautohersteller Lucid wollen gemeinsam mindestens 25.000 vollständig autonome Autos auf europäische Straßen bringen. Das gaben beide Unternehmen am Donnerstag bekannt. Einen konkreten Zeitplan für die Erreichung dieses Ziels nannten sie ebenso wenig wie die Höhe der geplanten Investition, obwohl allein die genannte Stückzahl auf ein finanziell umfangreiches Vorhaben schließen lässt. Autos ohne Fahrer:innen gelten in der Mobilitätsbranche als Grundlage für den Aufbau flächendeckender Robotaxi-Dienste. In welchen Ländern die ersten Fahrzeuge zum Einsatz kommen sollen, geht aus der Ankündigung ebenfalls nicht hervor.
Langfristig visiert Bolt deutlich mehr an: Bis zum Jahr 2035 soll die eigene Plattform bis zu 100.000 autonome Fahrzeuge umfassen. Wie schnell auf die ersten 25.000 Autos in den kommenden Jahren weitere folgen sollen, ließen beide Unternehmen offen. Die geplante Flotte von 100.000 Fahrzeugen bis 2035 entspricht damit dem Vierfachen der nun angekündigten Stückzahl und zeigt, dass die aktuelle Ankündigung erst der Anfang einer deutlich größeren Flotte sein soll. Damit reiht sich die Kooperation in die europäischen Bemühungen ein, im Bereich des autonomen Fahrens Anschluss an die Entwicklung in den USA und China zu finden. Beide Länder treiben den Ausbau selbstfahrender Autos derzeit spürbar schneller voran als der europäische Kontinent.
Bolt-Chef Markus Villig zeigt sich dennoch zuversichtlich, was die langfristige Entwicklung des europäischen Marktes betrifft. „Wir glauben, dass es in Europa langfristig Platz für Millionen Robotaxis geben wird“, sagte er gegenüber Reuters. Als größtes Hindernis auf dem Weg dorthin nannte er die im Vergleich zu China und den USA deutlich strengeren Sicherheitsvorschriften in Europa.
Trotz dieser Hürde sei der Kontinent aus seiner Sicht in der Lage, die notwendige Technologie selbst zu entwickeln. Europa habe dafür „unbedingt das Potenzial“, erklärte Villig. Details zur genauen Umsetzung des Vorhabens blieben zunächst offen, klar ist bislang nur die grundsätzliche Aufgabenverteilung zwischen den beiden Partnern.
Nvidia-Technik treibt die Flotte an
Im Rahmen der Partnerschaft soll Bolt Eigentümer und Betreiber der Fahrzeugflotte bleiben. Anders als bei reinen Technologiepartnerschaften bleibt die operative Kontrolle über den Flottenbetrieb damit vollständig bei dem estnischen Unternehmen. Für den Betrieb der Plattform wollen Bolt und Lucid nach eigenen Angaben auf das Hyperion-System des US-Chipherstellers Nvidia setzen.
Gebaut werden die Autos in einem neuen Werk von Lucid in Saudi-Arabien, das nach bisheriger Planung Anfang kommenden Jahres den Betrieb aufnehmen soll. Zwischen der Ankündigung der Partnerschaft und dem geplanten Produktionsstart liegen damit nur wenige Monate. Bislang ist dies die einzige von den Unternehmen konkret benannte Produktionsstätte für die geplanten autonomen Autos in Europa. Die Wahl dieses Standorts zeigt, wie global die Lieferketten hinter dem Vorhaben verzweigt sind, bevor die ersten Autos überhaupt auf europäischen Straßen unterwegs sein können.
Trotz des Vertrauens in die Partnerschaft mit Lucid warnte Villig vor den Folgen einer dauerhaften Abhängigkeit von Importen aus konkurrierenden Märkten. Eine solche Abhängigkeit berge langfristig ein erhebliches strategisches Risiko für Europa, so seine Einschätzung. „Langfristig müssen wir diese Technologie innerhalb der EU entwickeln, für EU-Anforderungen nach lokalen Standards“, sagte er. Einen passenden Partner für dieses Vorhaben gebe es derzeit allerdings nicht. „Dafür gibt es aktuell schlicht keinen Partner“, so Villig weiter. Wie und bis wann eine europäische Alternative zu den bestehenden Partnerschaften entstehen könnte, ließ er offen.
Quelle: Reuters – Bolt, Lucid target at least 25,000 self-driving vehicles in Europe







Wird geladen...