Der Aufsichtsratsvorsitzende Nicolas Peter des Münchner Automobilherstellers BMW hat mögliche Sanktionen für Fahrer von Plug-in-Hybriden ins Spiel gebracht, sollten diese ihre Autos rein als Verbrenner nutzen und niemals mit Strom aufladen. Auf eine solche „Öko-Augenwischerei“ angesprochen sagte Peter im Interview mit der Zeit: „Wenn ein Fahrer seine Batterie nie lädt, könnte die Motorleistung gedrosselt werden, technisch ist das machbar.“ Er ärgere sich darüber, dass ein solches „Verhaltensproblem“ einiger Fahrer „eine klimaschonende Technologie in Verruf bringt, die Menschen eigentlich gut an die E-Mobilität heranführen kann“.
Im gleichen Atemzug sprach er sich zudem dafür aus, das Potenzial erneuerbarer Kraftstoffe wie HVO und E-Fuels stärker zu nutzen, die von der Zeit anschließend ebenfalls als „Augenwischerei“ bezeichnet werden. Dem erwidert Peter: „In sonnenreichen Regionen lassen sich synthetische Kraftstoffe effizient herstellen. Und das Potenzial ist enorm: In Europa gibt es rund 250 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor, die nur über den Kraftstoff klimafreundlicher werden können.“ Er sprach sich für eine neue Fahrzeugkategorie aus, die ausschließlich mit erneuerbarem Sprit betankt werden.
Zudem betont Peter, dass BMW „einer der ganz wenigen westlichen Autobauer“ sei, „die bislang alle verschärften CO₂-Vorgaben der EU eingehalten haben“. Mit synthetischen Kraftstoffen ginge es also mitnichten darum, das deutsche Erfolgsmodell Verbrenner unbedingt am Leben zu erhalten, um weltweit noch bei Autos wettbewerbsfähig zu bleiben. „BMW ist überzeugt: E-Mobilität wird sich durchsetzen, aber eben bei Weitem nicht so schnell und so absolut, wie die EU-Kommission das verordnen will“, stellt der Aufsichtsrat fest.
2035 erst etwa 50 Prozent vollelektrisch?
Mit dem Blick auf den Verbrenner gehe es aber nicht um das Abschaffen einer Technologie, „sondern um CO₂-Reduzierung ohne Dogmatik“. Seiner Einschätzung nach wird 2035 „gut die Hälfte der Kunden batterieelektrisch fahren wollen. Aber 100 Prozent werden wir bis dahin nicht erleben, auch bei Weitem keine 90“. Er befürwortet die Rücknahme des sogenannten „Verbrenner-Aus“ ab 2035, weil man die Elektromobilität nicht per Gesetz durchsetzen könne. Seiner Einschätzung nach werde dies nur zu einem Ansturm auf Verbrenner kurz vor dem entsprechenden Datum sorgen, was der Sache nicht dienlich sei.
Mit Blick auf die Konkurrenz aus China sieht Peter BMW technisch auf Augenhöhe, sagt jedoch: „Was uns anspornt, ist die Geschwindigkeit, mit der die neuen Konkurrenten ihre Ideen umsetzen. Auch hier müssen wir daran arbeiten, unser eigenes Tempo zu erhöhen.“ Dass Deutschland seinen Status als vorbildliches Autoland verloren habe, bezeichnet Peter zudem als „deutsche Sicht“ der Dinge, sein Eindruck in Gesprächen sei, dass international deutsche Autos immer noch sehr hoch anerkannt seien. „Ich warne davor, das Land und den Standort insgesamt schlechtzureden, so wie ich davor warne, die deutsche Autoindustrie abzuschreiben“, sagt er.
EU soll pragmatischer sein
Hinsichtlich eines aktuellen Hauptproblems – den Handelsstreitigkeiten mit den USA – fordert er die EU auf, endlich auch ihren Teil der Vereinbarungen einzuhalten. Mit Verweis darauf, dass dies nicht geschehe, hatte US-Präsident Donald Trump jüngst eine Erhöhung der Zölle von 15 auf 25 Prozent angekündigt. Den Einwand, dass die USA durch Provokationen selbst dazu beigetragen habe, erwidert Peter damit, dass er sich bei allem Selbstbewusstsein der EU einen gewissen Pragmatismus wünsche.
Darauf hingewiesen, dass der Absatz von BMW in China von etwa 850.000 auf 650.000 Autos pro Jahr gesunken sei und BMW damit zumindest unter den Absteigern noch gut dastehe, zeigt sich der Aufsichtsrat brüskiert: „Ich bitte Sie, das ist mir zu viel Alarmismus.“ Es habe in China lange einen starken Wachstum gegeben, von dem BMW sehr profitiert habe, doch diese Phase sei nun vorbei. „Über kurz oder lang dominieren in allen großen Industrienationen die heimischen Hersteller. In China kämpfen aber auch diese lokalen Hersteller gerade mit heftigen Absatzeinbrüchen“, stellt Peter nüchtern fest.
Quelle: Zeit – „Wenn einer nie lädt, könnte die Motorleistung gedrosselt werden“









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