Volkswagen bringt Vehicle-to-Grid in den deutschen Massenmarkt. Ab dem vierten Quartal können Kund:innen ihre Elektroautos von VW nicht nur laden, sondern ihre Fahrzeugbatterie aktiv in das Stromnetz einspeisen – und werden dafür vergütet. Eine Vorregistrierung ist bereits ab Juni möglich, weitere europäische Länder sollen schrittweise folgen.
Hinter dem Angebot steht Elli, die Energiemarke des Volkswagen-Konzerns. Das Unternehmen handelt rund um die Uhr an der Strombörse EPEX Spot und verbindet künftig dynamischen Stromtarif, bidirektionale Wallbox, Smart Meter und App-Steuerung zu einem integrierten System. Martin Sander, Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales bei Volkswagen Pkw, beschreibt die Stoßrichtung so: „Elektromobilität entfaltet ihr volles Potenzial nur dann, wenn sie für unsere Kund:innen auch wirtschaftlich überzeugt. Mit Vehicle-to-Grid schaffen wir genau das: deutlich geringere Ladekosten zu Hause – und perspektivisch ein nahezu kostenfreies Laden.“
In einem ersten Schritt erhalten Kund:innen eine Vergütung dafür, dass sie ihre Fahrzeugbatterie für den Energiehandel bereitstellen – unabhängig vom tatsächlichen Handelserfolg und abhängig von der gewählten Flexibilität beim Laden. Das Potenzial wird im Markt allgemein auf bis zu 700 bis 900 Euro jährlich geschätzt. Perspektivisch soll Elektromobilität damit vom reinen Kostenfaktor zu einem aktiven Bestandteil des Energiemarkts werden.
Die technologische Grundlage ist bereits vorhanden: Rund eine Million Fahrzeuge auf Basis der modularen E-Antriebsplattform (MEB) sind in Europa heute technisch für bidirektionales Laden vorbereitet. Die gesamte ID.-Familie ist seit 2023 bidi-ready. Mit der kommenden ID. Software 6 wird die Funktionalität auf weitere Batteriegrößen ausgeweitet. Volkswagen betont zudem, dass bidirektionales Laden die Lebensdauer der Hochvoltbatterie durch entsprechende Schutzsysteme nicht nennenswert beeinflussen soll.
VW: Das Stromnetz braucht genau diese Flexibilität
Hinter dem Angebot steckt mehr als ein Kundenvorteil. Studien zufolge könnten in Europa bis 2040 jährlich rund 22 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden, wenn Elektrofahrzeuge als flexible Energiespeicher ins Netz eingebunden sind. In Deutschland wurden zuletzt rund 9500 GWh erneuerbare Energien abgeregelt – eine Menge, die theoretisch ausreichen würde, um drei Millionen E-Autos ein Jahr lang zu betreiben. Genau diese ungenutzten Kapazitäten will Volkswagen künftig erschließen.
Elli-Chef Giovanni Palazzo beschreibt das Ziel als Managed Battery Network: „Wir vernetzen die Batterien, erschließen durch Aggregation neue Wertpotenziale und machen unser Ziel eines Managed Battery Network erstmals konkret erlebbar.“ Die Konzerntochter positioniert sich dabei als Bindeglied zwischen Fahrzeug, Kund:in und Energiemarkt – mit eigenem Handelsteam, das 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche aktiv ist.
Ein weiterer Baustein ist der Smart Meter. Ohne intelligentes Messsystem ist V2G nicht nutzbar. Elli verweist Kund:innen dazu an einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber, der die Installation übernimmt und genaue Messdaten liefert. Die Zusammenarbeit soll den Prozess beschleunigen: Der Smart Meter soll in der Regel innerhalb von acht bis zehn Wochen installiert sein, danach ist der V2G-Tarif nutzbar.
Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung








Wird geladen...