Bidirektionales Laden: E-Schulbusse stützen US-Stromnetze

Bidirektionales Laden: E-Schulbusse stützen US-Stromnetze
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Daimler Truck

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

In den USA zeigt sich gerade ziemlich anschaulich, wie absurd manche Debatten über die Elektromobilität geworden sind. Während Kritiker gerne warnen, Elektroautos und elektrische Nutzfahrzeuge könnten die Stromnetze unnötig belasten, passiert in mehreren US-Bundesstaaten inzwischen das Gegenteil – allen fossilen Bemühungen unter US-Präsident Donald Trump trotzend: Elektrische Schulbusse speisen bei Sommerhitze Strom zurück ins Netz und helfen, Lastspitzen abzufedern.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sind in den USA derzeit rund 230 elektrische Schulbusse in vollständig ausgerollten Vehicle-to-Grid-Projekten eingebunden. Gemeinsam können sie laut Daten des World Resources Institute etwa acht Megawattstunden Strom bereitstellen. Das ist im Vergleich zum Bedarf großer Netze noch wenig, aber der praktische Beweis ist erbracht: Elektrofahrzeuge sind nicht nur Verbraucher, sondern können Teil der Lösung eines nachhaltigen Stromangebots sein.

Schulbusse stehen sowieso herum

Besonders geeignet sind Schulbusse, weil sie große Batterien mit teils mehr als 200 kWh Kapazität mitbringen und zufälligerweise dann häufig stehen, wenn der Strombedarf hoch ist: in den Sommerferien. Geladen wird bei geringer Nachfrage, zurückgespeist bei hoher Nachfrage. In mindestens 21 US-Bundesstaaten und bei 31 Versorgern laufen dem Bericht zufolge entsprechende Projekte. In Oakland betreiben Pacific Gas & Electric und der Anbieter Zum eine Flotte mit 74 Bussen, die jährlich rund 2,1 Gigawattstunden Strom bereitstellen könnte.

Während Donald Trump energiepolitisch weiter vor allem auf Öl, Gas und das fossile Gestern setzt, demonstrieren also die traditionell gelben Schulbusse, wie moderne Netzstabilisierung aussehen kann. Ganz ohne Zauberei, ganz frei von Ideologie – es werden Speicher einfach dort genutzt, wo sie sowieso herumstehen.

Große Potentiale auch bei uns

Bidirektionales Laden könnte auch hierzulande E-Autos, Elektrobusse und perspektivisch auch E-Lkw zu rollenden Pufferspeichern machen. Gerade in Kombination mit Photovoltaik, dynamischen Stromtarifen und intelligentem Lastmanagement liegt enormes Potenzial noch brach, wird aber allmähloch erschlossen. Das zeigte zuletzt die Power2Drive in München als europäische Leitmesse für Ladeinfrastruktur. Millionen E-Autos stehen den größten Teil des Tages ungenutzt herum. Technisch ist die Richtung klar, regulatorisch und tariflich muss sie endlich massentauglich werden.

Je mehr Fahrzeuge elektrisch fahren, desto größer wird nicht nur der Strombedarf. Es wächst zugleich ein dezentraler Batteriespeicher heran, der Netze entlasten, erneuerbare Energien besser integrieren und Haltern zusätzliche Erlöse ermöglichen kann. In den USA machen es Schulbusse nun vor. Deutschland sollte daraus lernen, bevor wieder jemand behauptet, Elektromobilität sei nur ein Problem für die Netze. Die Anzahl an potentiellen mobilen Speichern wächst indes bei uns sehr schnell, im Juni wurden fast 80 Prozent mehr E-Auto zugelassen als noch im Jahr davor. Es wird also höchste Zeit, diese Chance auch zu nutzen.

Quelle: Reuters – Electric school buses tapped to shore up fragile US power grids during summer heat

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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