Das europäische Kleinstwagensegment hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Rückgang erlebt. Modelle wie der Ford Ka, der Peugeot 108 oder der Škoda Citigo wurden eingestellt, ohne dass nennenswerte Nachfolger auf den Markt kamen. Wer ein günstiges Auto sucht, findet sich seitdem häufig gezwungen, in die nächstgrößere Klasse aufzusteigen, etwa zum Škoda Fabia als günstigstem verfügbarem Modell des tschechischen Automobilherstellers. Das untere Ende des Preismarktes bleibt damit weitgehend unversorgt.
Das könnte sich ändern. Škoda-Chef Klaus Zellmer hat öffentlich angedeutet, dass der Automobilhersteller prüft, ob günstigere Modelle unterhalb des Fabia wirtschaftlich realisierbar wären, sowohl mit Verbrennungsmotor als auch elektrisch. „Wir haben ein Projekt, bei dem wir schauen, wie wir Komponenten aus verschiedenen sehr kosteneffizienten Quellen zusammenstellen können“, sagte Zellmer. Konkrete Pläne oder Zeitrahmen nannte er dabei nicht.
Als möglicher Kandidat für das untere Preissegment rückt der Kylaq in den Blick, ein Kompakt-Crossover, den Škoda bislang ausschließlich für den indischen Markt anbietet. Das Modell ist kürzer als der Fabia und kostet in Indien umgerechnet rund 7000 Euro. Zellmer verwies auf die erhebliche Preislücke zwischen diesem Einstiegsniveau und dem, was in Europa marktüblich ist: „Wenn man den Fabia bis unter 20.000 Euro herunterpresst und dann den Preis des Kylaq in Indien betrachtet, gibt es eine massive Lücke. Da ist eine geschäftliche Logik, die man hinterfragen und prüfen kann, ob sie Sinn ergibt.“
Offen ließ Zellmer, ob das Modell europäische Zulassungs- und Qualitätsstandards erfüllen könnte: „Wenn man auf Design, Technologie und Verarbeitungsqualität schaut, wissen wir es nicht, aber das ist etwas, das wir uns ansehen könnten.“ Technisch basiert der Kylaq auf einer angepassten Version der MQB-A0-Plattform des Volkswagen-Konzerns, für die Škoda seit 2021 die konzernweite Verantwortung trägt. Auf derselben Grundlage stehen in Indien auch der etwas größere Kushaq-Crossover sowie die Slavia-Limousine. Die Plattform ist damit konzernweit erprobt.
Kein günstiges Škoda-E-Auto vor 2030 zu erwarten
Beim Thema Elektromobilität fällt Zellmers Einschätzung nüchtern aus. Ein preisgünstiges Einstiegs-E-Auto werde „nichts sein, was Sie in diesem Jahrzehnt haben werden“. Škoda war ursprünglich an der Entwicklung des VW ID Every1 beteiligt, eines Konzeptfahrzeugs, das als Nachfolger des VW Up geplant ist und 2027 auf den Markt kommen soll. Inzwischen hat sich der Automobilhersteller aus dem Projekt zurückgezogen.
Die Begründung ist strategischer Natur. Angesichts des geringer als erwarteten Wachstums der Elektromobilität sehe sich Škoda besser aufgestellt, beim bewährten Verbrenner-Portfolio aus Fabia, Scala und Kamiq zu bleiben, so Zellmer. Dort verfüge der Automobilhersteller über solide Margen, ausreichende Produktionskapazitäten und eine im Markt gut akzeptierte Ingenieursleistung. „Innerhalb des Volkswagen-Konzerns haben wir unsere Kolleg:innen von VW, die in dem sich gerade entwickelnden Elektro-Kleinstwagenmarkt unterwegs sind. Er ist derzeit wenig ausgeprägt, und die Margen sind dünn.“
Ob aus den strategischen Überlegungen rund um den Kylaq oder ein mögliches Elektromodell letztlich ein konkretes Serienfahrzeug für Europa entsteht, bleibt nach Zellmers Aussagen offen. Die Prüfphase stehe nach eigener Darstellung noch am Anfang, und zwischen einer untersuchten Idee und einer tatsächlichen Marktentscheidung liege noch ein weiter Weg.
Quelle: Autocar.co.uk – Skoda Kylaq: Brand mulls bringing £6k crossover to Europe









Wird geladen...