Der chinesische Automobilhersteller Zeekr denkt darüber nach, seine Modelle 8X und 9X mit Range-Extender-Technologie nach Europa zu bringen. Auslöser war die Reaktion von Händlern und Partnern auf der Auto Show in Peking im April. Europa-Chef Lothar Schupert sprach gegenüber Automotive News Europe von einem „tremendous“ großen Interesse. „Alle haben uns gesagt, dass wir dieses Auto in Europa brauchen“, erklärte er demnach.
Eine endgültige Entscheidung ist laut Schupert noch nicht gefallen. Der Business Case werde derzeit vertieft geprüft, wobei sich Zeekr in einer komfortableren Lage befinde als Schwestermarke Volvo, die Schwierigkeiten hat, den Plug-in-Hybrid XC70 an europäische Vorschriften anzupassen. „Aktuell gibt es keine Hindernisse“, so Schupert. Es gehe vielmehr darum, ob sich die notwendige Investition wirklich lohne. Erste Ergebnisse seien vielversprechend, weitere Details sollen in den kommenden ein bis zwei Monaten folgen.
Warum die Technik jetzt gefragt ist
Die Modelle 8X und 9X nutzen die von Zeekr entwickelte Super-Hybrid-Architektur. Der Verbrennungsmotor ist dabei dauerhaft von der Antriebsachse getrennt und lädt ausschließlich die Batterie. Das Ergebnis beschreibt Schupert so: Das Auto lasse sich durchgehend elektrisch fahren, während der Verbrenner die Batterie kontinuierlich nachlade. Mit bis zu 1200 Kilometern Reichweite und bis zu 1400 PS zielt Zeekr besonders auf große Elektro-SUV mit fünf Metern Länge. Für Käufer:innen, die von einem Verbrenner umsteigen und noch Bedenken wegen Reichweite und Ladeinfrastruktur haben, sieht Schupert die Antriebsform als sinnvollen Übergang.
Die Überlegungen von Zeekr fallen in eine Phase, in der auch Ford und Renault öffentlich für die Technologie werben, insbesondere bei größeren Fahrzeugen. Fords Europa-Chef Jim Baumbick nannte Range-Extender-Modelle beim Automotive News Europe Congress in Brüssel „transformational“ und ordnete sie neben Vollhybriden und Plug-in-Hybriden als festen Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie ein. Renault-Chef François Provost argumentierte, bei großen Autos ergäben Plug-in-Hybride oder Range-Extender mehr Sinn, da schwere Fahrzeuge mit 2,5 bis 2,7 Tonnen im Alltag unverhältnismäßig seien. Renault plant entsprechend eine EREV-Variante für die neue Elektroplattform, auf der Nachfolger von Scenic und Rafale entstehen.
Volkswagen zeigte mit der Studie Era bereits ein SUV-Konzept mit Range-Extender-Technik, entwickelt gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC. Die Serienversion ID.Era 9X stand in Peking auf der VW-Bühne. BMW testet unterdessen gemeinsam mit Zulieferer ZF Friedrichshafen ein entsprechendes System im iX5.
Parallel entwickelt das Gemeinschaftsunternehmen Horse Powertrain von Renault und Geely kompakte Range-Extender-Baukästen zur Lizenzierung an andere Hersteller. BorgWarner-Technologiechef Harry Husted beschrieb den Trend auf der IAA München 2025 als zunehmend attraktiv für die Branche. Bislang ist mit dem Leapmotor C10 erst ein einziges EREV-Modell in Europa erhältlich, mit WLTP-zertifizierten CO2-Emissionen von 38 Gramm pro Kilometer.
Kosten und offene Fragen
Laut Beratungsunternehmen McKinsey lassen sich durch kleinere Batterien bei EREV-Antrieben Produktionskosten von bis zu 5200 Euro gegenüber vollelektrischen Autos einsparen, die teilweise an Kund:innen weitergegeben werden könnten. BCG-Partner Albert Waas rechnet vor allem mit einem Vorstoß chinesischer Hersteller, da viele von ihnen bislang nur auf reine Elektroplattformen setzten. Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management schätzt, dass EREV-Modelle in den kommenden fünf bis zehn Jahren 5 bis 10 Prozent des europäischen Marktes erreichen könnten.
Gegen den Trend sprechen allerdings die EU-Einfuhrzölle, die für aus China importierte EREV wie für reine Elektroautos gelten. Bei Zeekr liegt der Satz für alle vier in Europa verkauften Modelle, einschließlich des kürzlich gestarteten 7GT, bei 28,8 Prozent. Mercedes-Benz hatte eigene EREV-Versuche eingestellt und die Technik als zu teuer bei begrenztem Nutzen eingestuft.
Die Umweltorganisation Transport and Environment warnt zudem, dass EREV zum „kostspieligen Umweg“ werden könnten, sollten sie vollelektrische Autos statt Verbrenner verdrängen. McKinsey geht davon aus, dass Hersteller mindestens eine Million Fahrzeuge verkaufen müssten, um eine Investition von rund 860 Millionen Euro bei einer Kosteneinsparung von 2600 Euro pro Auto zu rechtfertigen.
Quelle: Automotive News Europe – Zeekr weighs bringing extended-range EVs to Europe after ‘tremendous’ interest at Beijing show








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