Wurde Biodiesel mit verbotenem Palmöl gepanscht?

Wurde Biodiesel mit verbotenem Palmöl gepanscht?
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Daniel Krenzer
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An deutschen Tankstellen wird dem dort verkauften Diesel bis zu sieben Prozent Biodiesel beigemischt. Große Mengen davon kommen aus China, doch offenbar ist dort nicht nur das drin, womit die Abnehmer rechnen. Darüber berichtet Zeit online. Demnach sollen deutsche Behörden Strafanzeige gegen chinesische Firmen gestellt haben, weil in deren vermeintlichen Biodiesel Palmöl vermutet wird, das darin nichts zu suchen hat – und vor allem alles andere als umweltfreundlich ist. Dabei geht es bei der Beimischung darum, die konventionellen Kraftstoffe, wie sie in Verbrennermotoren benötigt werden, umwelt- und klimafreundlicher werden zu lassen.

Zuvor seien die importierten Mengen an Biodiesel aus China sprunghaft um 83 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen, was europäische Anbieter massiv unter Druck gesetzt habe. „In Europa stürzten die Preise für Biodiesel ab. Mehrere europäische Hersteller stellten ihre Produktion ein“, schreibt die Zeit. Angesichts der großen Mengen kamen Zweifel auf, dass diese frei von Palmöl sein können. Palmöl darf seit diesem Jahr in Deutschland nicht mehr in Biodiesel enthalten sein, weil für die Gewinnung Regenwälder im großen Stil abgeholzt werden.

Verbio-Chef: Betrug in großem Stil

Claus Sauter, Gründer des Biokraftstoffproduzenten Verbio, wird zitiert: „Wir haben über mehrere Monate Warenströme in Südostasien und China analysiert. Unser Ergebnis ist, dass mit chinesischer Ware in großem Stil betrogen wird.“ Auch das deutsche Umweltministerium und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hätten Hinweise auf falsch deklarierten Kraftstoff erhalten. Allerdings ließe sich dieser vermeintliche Betrug bislang nicht zweifelsfrei beweisen, heißt es.

Ein von der Zeit kontaktiertes Unternehmen verwies darauf, dass es ein offenes Geheimnis sei, dass gefälschter Biodiesel von der südchinesischen Insel Hainan exportiert werde. Andere informierten darüber, schon länger kein Biodiesel mehr nach Europa zu liefern. Auch auf europäischer Ebene wird inzwischen aber ermittelt, da offenbar zu viele Indizien dafür sprechen, dass es sich bei manchem chinesischen „Biodiesel“ um mit Palmöl gepanschten Kraftstoff handeln könnte.

Verdächtige Händler wurden suspendiert

Laut Zeit-Recherchen könnte es sich beim vermeintlichen „Betrüger“ um Hainan Hanpu handeln, der unter anderem mit Shell und BP kooperiere. Auf Anfrage der Redaktion habe das Unternehmen nicht geäußert, die internationalen Ermittlungen erwiesen sich indes als recht schwierig. Deutsche Beamte hätten zum Beispiel nur per Videoschalte an einer Sonderdurchsuchung teilnehmen können. Die Händler seien für sechs Wochen suspendiert worden. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geht derzeit davon aus, dass in Deutschland mehrere verdächtige Firmen „weiter Biokraftstoffe mit Nachhaltigkeitsnachweis handeln können“.

Quelle: Zeit – „Biodiesel aus China: Was ist daran Bio?“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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