E-Autos: BDEW fordert koordinierte Paketlösung für Europa

E-Autos: BDEW fordert koordinierte Paketlösung für Europa
Copyright:

shutterstock / 2249453389 | Symbolbild

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Anlässlich der BDEW-Veranstaltung „3. Deep Dive Elektromobilität: Neuer Drive für einen starken Heimatmarkt“ in der vergangenen Woche setzt sich der Verband dafür ein, den Markthochlauf von Elektroautos in Deutschland weiter zu stärken. Die Transformation zum Massenmarkt Elektromobilität ist bereits in vollem Gange: Mehr als 545.000 Elektroautos wurden 2025 in Deutschland neu zugelassen. Das sind 45 Prozent mehr als 2024 oder 19 Prozent aller Neuzulassungen. Der verstärkte Absatz von E-Autos wirkt sich positiv auf die Einhaltung der EU-Flottengrenzwerte aus und die Treibhausgasemissionen sind erkennbar gesunken.

„Die guten Neuzulassungszahlen zeigen, dass Elektromobilität längst keine Nische mehr ist, sondern sich zum neuen Normal auf den Straßen entwickelt“, kommentiert Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, die jüngsten Zahlen.

Den positiven Trend untermauert auch die 4. BDEW-Nutzerumfrage Elektromobilität und Laden unter gut 2700 E-Mobilistinnen und -Mobilisten. Mit dem Hochlauf der Elektromobilität verändert sich die Zielgruppe und rückt stärker in die Mitte der Gesellschaft. Im Detail: Im Gegensatz zu den „Pionieren“ wohnen die nun kaufenden „Early Adopter“ häufiger in der Innenstadt und in Mehrfamilienhäusern. Sie sind deutlich jünger als die „Pioniere“ und der Anteil der Frauen ist deutlich gestiegen und liegt nun auf dem durchschnittlichen Anteil der Frauen unter den Verbrenner-Neuwagenfahrenden. Auch die „Early Adopter“ fahren wie die „Pioniere“ deutlich mehr Kilometer im Jahr als Fahrer von Verbrennern, sind also Vielfahrer.

Die Umfrage zeigt zudem, dass mit neuen Kundinnen und Kunden auch die Bedeutung des öffentlichen Ladens steigt: „Early Adopter“ laden häufiger öffentlich und beim Arbeitgeber als zuhause. Die stärkere Nutzung des öffentlichen Ladeangebots führt zudem zu einer stärkeren Nutzung der Lade-Apps und von Preisvergleichs-Apps. Zudem sind die Early Adopter mit Blick auf Anschaffungspreise von E-Autos und Ladepreise deutlich entspannter und zufriedener.

Gleichzeitig hat die Energie- und Ladebranche den Ausbau von Ladepunkten massiv vorangetrieben: Zum Jahresende 2025 wurde die Marke von 199.000 öffentlichen und halböffentlichen Ladepunkten in Deutschland übersprungen. Dies entspricht einer Ladeleistung von 9,3 Gigawatt (Hochrechnungen auf Basis von EAFO, Stand: 15.12.2025). Darunter befindet sich ein wachsender Anteil an Schnell- und Ultraschnellladern ab 150 kW.

„Deutschland übertrifft damit die EU-Ziele bei weitem. Der ungebrochene Aufwuchs an Ladepunkten ist ein klarer Beleg dafür, dass die Energiebranche beherzt weiter investiert. Denn trotz guter Entwicklung der Absatzzahlen sind die Ladepunkte deutschlandweit im Durchschnitt mit 15 Prozent weiterhin nur gering ausgelastet. Wir haben ein großes Wachstumspotenzial in Deutschland wie auch der Blick in unsere europäischen Nachbarländer zeigt, etwa die Niederlande mit einer Neuzulassungsquote von fast 40 Prozent“, so Kerstin Andreae.

„Wir müssen jetzt gemeinsam nach vorne denken, wie die Zukunft von E-Autos und -Lkw vorangebracht und gestaltet werden kann. Um die aktuelle Dynamik weiter zu beflügeln, braucht es eine zielgerichtete und vorausschauende Elektromobilitätspolitik. Die Bundesregierung muss sich jetzt in Europa für eine faire Paketlösung einsetzen, die berücksichtigt, dass die bestehenden Flottengrenzwerte ein zentraler Orientierungsrahmen für die Investitionen in die Elektromobilität sind“, fordert die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Quelle: BDEW – Pressemitteilung vom 13.01.2026

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Warum Batteriespeicher zum Rückgrat der Energiewende werden

Warum Batteriespeicher zum Rückgrat der Energiewende werden

Sebastian Henßler  —  

Batteriespeicher gelten als Schlüssel der Energiewende. Enorin-CEO Benito Becker erklärt, warum Wind und Solar allein nicht reichen und neue Modelle nötig sind.

Förder-Unklarheit bremst Elektroauto-Käufe stark aus

Förder-Unklarheit bremst Elektroauto-Käufe stark aus

Michael Neißendorfer  —  

In einer Umfrage geben 76 Prozent der Kaufinteressierten von E-Autos an, ihre Entscheidung aufzuschieben. Dabei gäbe es ein Momentum, das genutzt werden sollte.

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Sebastian Henßler  —  

Batterien einfach importieren? Das greift zu kurz. Experten offenbaren, warum Europas Industrie eigene Wertschöpfung, Partnerschaften und Skalierung braucht.

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Sebastian Henßler  —  

Asien dominiert den Batteriesektor, Europa hinkt hinterher. Warum Recycling und geschlossene Stoffkreisläufe ein wichtiger strategischer Hebel sind.

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Sebastian Henßler  —  

Rohstoffe sind da, Technologien auch. Warum Europas Batterielieferkette dennoch stockt und weshalb Umsetzung, Kapital und Skalierung entscheidend sind.

Trotz Rückschlägen: GM will weiter auf Elektro setzen

Trotz Rückschlägen: GM will weiter auf Elektro setzen

Tobias Stahl  —  

GM-Chefin Mary Barra glaubt trotz der jüngsten Rückschläge an den langfristigen Erfolg von Elektroautos. Diese seien für die Kunden das überlegene Produkt.