Warum Batteriespeicher zum Rückgrat der Energiewende werden

Warum Batteriespeicher zum Rückgrat der Energiewende werden
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Für diese Podcast-Folge habe ich mit Benito Becker, CEO von Enorin, gesprochen. Enorin positioniert sich als Infrastrukturdienstleister mit klarem Fokus auf Batteriespeicher – von 250 Kilowattstunden bis hin zu Projekten im Gigawattstunden-Bereich. Neben der Hardware entwickelt das Unternehmen auch eigene Software und übernimmt auf Wunsch Betrieb, Vermarktung und Strombeschaffung. Ziel ist es, Batteriespeicher nicht isoliert zu denken, sondern als aktiven Bestandteil eines flexibleren Energiesystems.

Im Gespräch wurde schnell klar, warum Batteriespeicher aus Sicht von Enorin eine Schlüsselrolle in der Energiewende spielen: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie allein reicht nicht aus. Erzeugung und Verbrauch klaffen zeitlich auseinander, klassische Grundlastkraftwerke fallen weg, die Volatilität im Netz nimmt zu. Speicher werden damit zu einem wichtigen Ausgleichsinstrument. Benito brachte es prägnant auf den Punkt: „Das Kraftwerk von gestern ist der Energiespeicher von heute.“ Sinkende Batteriepreise, Fortschritte bei Software und Steuerung sowie dezentrale Einsatzmöglichkeiten machen Speicher heute wirtschaftlich und systemrelevant.

Ein zentrales Thema war die Verbindung von Batteriespeichern mit Ladeinfrastruktur. Speicher können nicht nur fehlende Netzanschlüsse kompensieren, sondern gezielt günstigen Strom zwischenspeichern und später nutzen – etwa für Schnellladeparks oder perspektivisch auch für Megawatt-Charging im Lkw-Bereich. Gleichzeitig lassen sich Speicher netzdienlich einsetzen, etwa indem sie bei Lastspitzen oder nachts, wenn keine Sonne scheint, Energie ins Netz zurückspeisen. Dieser Multi-Use-Ansatz ist aus Sicht von Enorin entscheidend, um Wirtschaftlichkeit und Systemnutzen zu verbinden.

Kritisch wurde es beim Blick auf die aktuellen Marktmechanismen. Das heute dominierende Arbitrage-Modell – billig einkaufen, teuer verkaufen – hält Benito für zeitlich begrenzt. „In vier bis sieben Jahren wird dieses Geschäftsmodell so nicht mehr funktionieren“, sagt er. Enorin arbeitet deshalb an neuen Ansätzen, bei denen Verfügbarkeit und Infrastrukturleistung vergütet werden, ähnlich wie bei Internetanschlüssen. Speicher sollen künftig pauschal bereitgestellt werden und flexibel von Energieversorgern, Erzeugern oder Netzbetreibern genutzt werden können.

Netzanschlüsse, Genehmigungen und fehlende Planungssicherheit bremsen den Ausbau

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Herausforderungen beim Ausbau. Während Wind- und PV-Anlagen schneller ans Netz gehen, hinken Batteriespeicher hinterher. Anfragen zu Netzanschlüssen werden häufig abgelehnt, Planungssicherheit fehlt, und das Verständnis für Speicherprojekte ist bei Behörden, Netzbetreibern und Banken oft begrenzt. Benito spricht von einem massiven Defizit durch Unsicherheiten und mangelnde Kommunikation. Sein Appell ist klar: mehr Dialog, einheitlichere Planungsgrundlagen und Geschäftsmodelle, die nicht nur kurzfristige Rendite, sondern langfristige Stabilität bieten.

Technisch setzt Enorin bewusst auf Qualität statt Minimalpreis. Wirkungsgrade sind dabei ein entscheidender Faktor. Viele Anlagen erreichen laut Benito nur rund 75 Prozent, was die Wirtschaftlichkeit stark schmälert. Enorin zielt auf 80 bis 87 Prozent und kombiniert passende Hardware mit tief integrierter Software. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist dabei die Datenhoheit: Enorin betreibt Server in Deutschland, prüft Updates selbst und verhindert, dass Hersteller aus der Ferne unkontrolliert eingreifen können. „Der Hersteller hat nicht mehr die Hoheit – die haben wir“, so Benito.

Auch Themen wie Versicherung, Ausfallsicherheit und Lebensdauer kamen zur Sprache. Gemeinsam mit einem großen Rückversicherer hat Enorin Konzepte entwickelt, die Erträge absichern, selbst wenn Module ausfallen oder Anlagen temporär stillstehen. Wirtschaftlich rechnet sich ein Speicher laut Benito meist nach vier bis sieben Jahren, bei positivem Cashflow schon ab dem ersten Monat. Die Lebensdauer liegt bei rund 15 Jahren, nach zehn Jahren bleiben etwa 80 Prozent Restkapazität. Recycling ist ebenfalls eingeplant: Bis zu 90 Prozent der Materialien lassen sich wiederverwenden.

Spannend war der Blick in die Zukunft: Enorin arbeitet an einer Plattform, über die Batteriespeicher miteinander kommunizieren – über Regionen und Netzgebiete hinweg. Ziel ist es, Netze intelligenter zu nutzen, Lasten besser zu verteilen und Flexibilität systemisch zu denken. Dazu gehören auch eigene Home-Energy-Management-Systeme, die vom Einfamilienhaus bis zum Großspeicher skalieren und perspektivisch sogar Stromtarife mobil machen, etwa fürs öffentliche Laden von E-Autos.

Am Ende ging es um die größere Vision. Enorin will Komplexität aus dem Energiemarkt nehmen und als transparenter, offener Partner agieren. Nicht abgeschottet, sondern andockfähig für andere Akteure. „Wir wollen Mehrwert für alle schaffen – für Industrie, Privatkunden und den Wirtschaftsstandort insgesamt“, fasst Benito zusammen. Nun aber genug der Einordnung – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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