Autokonzerne erhöhen Investitionen in Elektroautos massiv, vor allem China profitiert

Autokonzerne erhöhen Investitionen in Elektroautos massiv, vor allem China profitiert
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Michael Neißendorfer
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Die führenden Autokonzerne investieren immer größere Summen, um sich auf den erwarteten Durchbruch der Elektromobilität vorzubereiten – und schaffen erhebliche Produktionskapazitäten für Elektroautos. Im vergangenen Jahr wurden Investitionsprojekte im Zusammenhang mit der Produktion von E-Autos mit einem Gesamtvolumen von 8,4 Milliarden Euro angekündigt beziehungsweise gestartet, ein Plus von 97 Prozent gegenüber 2017. Die Zahlen beziehen sich auf ortsgebundene Investitionsprojekte etwa in neue oder modernisierte Fabriken. Nicht berücksichtigt werden Forschungs- und Entwicklungskosten, die sich zumeist nicht konkreten Ländern zuordnen lassen.

Derzeit konzentrieren sich die Elektro-Investitionen der Konzerne auf einige wenige Standorte: In China wurden seit Anfang 2015 insgesamt 6,1 Milliarden Euro investiert, in Deutschland liegt das Investitionsvolumen bei 4,4 Milliarden Euro, in Frankreich bei 1,6 Milliarden Euro.

Kaum Investitionen in die Produktion von Elektroautos gab es in den vergangenen Jahren hingegen in den USA – nur acht Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden Euro wurden identifiziert. Im laufenden Jahr deutet sich aber eine Trendwende an: Seit Jahresbeginn haben mehrere US-Konzerne große Umrüstprojekte angekündigt. So investiert Ford 900 Millionen Euro, um ein Werk in Michigan zum Produktionsstandort für E-Autos zu machen. Und General Motors rüstet für 270 Millionen Euro ebenfalls ein Werk in Michigan um, damit dort ein neues Elektrofahrzeug gebaut werden kann.

Während der Trend bei Investitionen in die Elektromobilität klar nach oben zeigt, waren die Autokonzerne bei sonstigen Investitionen – etwa in Werkserweiterungen, neue Lackierereien oder neue Testgelände – im vergangenen Jahr sehr zurückhaltend. Um 16 Prozent – von 26,7 auf 22,4 Milliarden Euro – sank der Gesamtwert der neu angekündigten Investitionen der Autokonzerne im vergangenen Jahr.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) der weltweiten Investitionstätigkeit der 16 führenden Automobilkonzerne. Dafür wurden öffentlich verfügbare Informationen über konkrete, ortsgebundene Investitionsprojekte aus Geschäftsberichten, Investorenpräsentationen oder Pressemitteilungen der Unternehmen ausgewertet. Investitionsprojekte, die sich über mehrere Jahre erstrecken, wurden dem Jahr des Projektstarts zugeordnet.

Druck auf die Margen nimmt zu

Der starke Anstieg der Investitionen in Elektromobilität und der gleichzeitige massive Rückgang bei sonstigen Investitionsprojekten ist ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre, erwartet Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY: „Viele Hersteller setzen gerade alles auf eine Karte. Sie nehmen Milliardensummen für die Entwicklung und den Ausbau der Produktion von Elektroautos in die Hand und sparen massiv an anderer Stelle. Die Unternehmen gehen mit dieser Strategie eine durchaus mutige und teure Wette auf die Zukunft ein: Sie setzen auf einen baldigen und starken Anstieg der Verkaufszahlen von Elektroautos – trotz nach wie vor bestehender Probleme wie einer mangelhaften Ladeinfrastruktur, sehr hoher Verkaufspreise und niedriger Margen.“

Der Produktionsanlauf von Elektroautos wird kurz- und mittelfristig sehr viel Geld kosten und die Margen erheblich belasten, erwartet Gall: „Elektroautos bringen vorerst kaum Gewinn – die Kunst wird daher in den kommenden Jahren darin bestehen, beim Absatz ein ausgewogenes Verhältnis von Autos mit elektrischem und konventionellem Antrieb zu finden. Denn der Ausbau der Elektromobilität muss mit den Gewinnen aus dem Verkauf von Fahrzeugen mit konventionellem oder Hybrid-Antrieb finanziert werden – unterm Strich wird in jedem Fall weniger Gewinn übrig bleiben als in den vergangenen Jahren.“

Vorerst werden weiterhin Autos mit Verbrennungsmotor den Neuwagenmarkt dominieren – daher werden nach Beobachtung von EY-Partner Peter Fuß derzeit vor allem Fabriken in Europa und den USA so umgebaut, dass sie in der Lage sind, Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebstechnologien gleichzeitig auf dem selben Band zu fertigen: „An den Produktionsstandorten in Europa und den USA wird der Automatisierungsgrad und die Flexibilität der Produktion derzeit deutlich erhöht. Neue Fabriken, die ausschließlich E-Autos produzieren, wird es hingegen vorerst in erster Linie in China geben, wo ein entsprechend starkes Marktwachstum erwartet wird.“

Sparen für den Elektro-Boom

„Die Autoindustrie muss sich auf magere Jahre einstellen“, betont Fuß: „Die aktuell angekündigten Sparmaßnahmen vieler Autokonzerne sind nur ein Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren noch auf die Unternehmen und ihre Belegschaften zukommt. Wir werden erhebliche Umstrukturierungen und Kostensenkungsmaßnahmen sehen – bis hin zur Schließung ganzer Werke.“ Ende vergangenen Jahres hat beispielsweise GM angekündigt, fünf Werke in den USA und drei Werke außerhalb der USA zu schließen. Und Volkswagen hat ein Sparprogramm mit einem Volumen von 5,9 Milliarden Euro bis 2023 angekündigt, das auch eine Reduzierung der Stellen um 5000 bis 7000 vorsieht.

Deutsche Autokonzerne investieren am meisten in Elektroautos

Die drei deutschen Autokonzerne erwiesen sich in den vergangenen Jahren als besonders aktive Investoren im Bereich Elektromobilität: 29 derartige Investitionsprojekte mit einem Volumen von insgesamt 11,1 Milliarden Euro wurden seit Anfang 2016 von Volkswagen, BMW und Daimler gestartet. Die größten Investitionsprojekte des vergangenen Jahres wurden ebenfalls von den deutschen Konzernen angekündigt. Sie bezogen sich auf den Produktionsstandort China: BMW investiert drei Milliarden Euro in ein neues Werk in Tiexi und den Ausbau eines Werks in Dadong, unter anderem um dort jeweils parallel Fahrzeuge mit konventionellem und elektrischem Antrieb fertigen zu können. Daimler kündigte eine 1,5 Milliarden Euro teure Investition in Peking an.

Quelle: EY – Pressemitteilung vom 03.06.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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