Studie wirft Leasingfirmen Greenwashing und schleppende Elektrifizierung vor

Studie wirft Leasingfirmen Greenwashing und schleppende Elektrifizierung vor
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Mercedes-Benz

Felix Katz
Felix Katz
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Deutschlands Top-Leasingfirmen sind nicht führend bei der Umstellung auf E-Autos – selbst wenn sie vorgeben, Vorreiter beim Klimaschutz zu sein. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von Transport & Environment (T&E). Die Organisation für nachhaltigen Verkehr hat die „grüne“ Vorreiterrolle von Leasingfirmen in Europa nach sieben Kriterien untersucht. Keine der Firmen hat allerdings erfolgreich abgeschnitten.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf die führenden Unternehmen in Europa. Hierzu gehören drei deutsche Firmen, nämlich Volkswagen Financial Services (VW FS), Alphabet und Athlon sowie ihre europäischen Wettbewerber Mobilize Financial Services, ALD/Leaseplan, Arval und Leasys. Insgesamt verwalten diese Unternehmen beinahe zehn Millionen Fahrzeuge in der Europäischen Union. Folglich üben sie einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklungen im Automobilsektor sowie auf die CO2-Emissionen im Straßenverkehr aus. Allein in Deutschland wurden gemäß den Studienergebnissen mehr als 40 Prozent der Neuwagen geleast.

„Keines der Unternehmen hat sich bisher verpflichtet, mit fossilen Brennstoffen betriebene Autos vollständig aus dem Sortiment zu nehmen“, heißt es in der Studie kritisch. Im Gegensatz dazu haben sich aber zahlreiche Automobilhersteller und große Unternehmen bereits das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 zu 100 Prozent auf vollelektrische Fahrzeuge umzusteigen. Einzig ALD/Leaseplan habe ehrgeizigere Ziele für den Einsatz rein batteriebetriebener E-Autos formuliert, die über die Produktionspläne der Automobilhersteller hinausgehen. Die deutschen Unternehmen VW FS, Alphabet und Athlon weisen laut der Studie hingegen nur schwache oder gar keine Ziele für den Einsatz von Elektroautos aus.

T&E wirft Leasingfirmen Greenwashing und schleppende Elektrifizierung vor
Laut T&E-Studie sollen Leasingfirmen weniger bei Zulassungen reiner Elektroautos glänzen, dafür in vielen Fällen aber den Marktanteil von Plug-in-Hybriden (PHEVs) anführen | Bild: Volkswagen

Leasingfirmen glänzen vor allem bei Hybrid-Zulassungen

In Bezug auf die Offenlegung von Daten ergab die Untersuchung von T&E, dass alle Leasingfirmen in dieser Hinsicht unzureichend abschneiden. Besonders auffällig sei die mangelnde Transparenz von VW FS, dem größten Leasingunternehmen in der Europäischen Union. VW FS habe keine Informationen zu Neuzulassungen von Fahrzeugen und den Typen der in der gesamten EU geleasten Fahrzeuge veröffentlicht. Dies erschwere die Verfolgung von Fortschritten im Bereich der Elektromobilität erheblich. Übrigens hätten auf Anfrage von T&E alle drei deutschen Unternehmen – VW FS, Alphabet und Athlon – die Zurverfügungstellung von Daten abgelehnt.

Betrachtet man jedoch die tatsächlichen Geschäftspraktiken der Leasingfirmen, stellt die Studie erhebliche Diskrepanzen zwischen ihrem Anspruch, „grüne“ Vorreiter zu sein, und der Realität fest. Tatsächlich sollen sie in vielen Fällen den Marktanteil bei Plug-in-Hybriden (PHEVs) anführen, obwohl diese Fahrzeuge in der Praxis hohe Emissionen aufweisen. So berichtete Alphabet beispielsweise, dass der Anteil von PHEVs in Deutschland im Jahr 2022 bei etwa 50 Prozent lag, was über dem Durchschnitt des deutschen Marktes von 43 Prozent liege.

Gleiches gelte für VW FS in Frankreich, wo der PHEV-Anteil bei 41 Prozent, der Marktanteil allerdings bei 36 Prozent liege. Wenn man den Einsatz von PHEVs berücksichtigt, ergeben sich somit höhere CO2-Emissionen bei Leasingfirmen im Vergleich zum Markt; das gilt auch für Verbrenner-Fahrzeuge. In der Untersuchung sind die Firmen zusätzlich nach den Kriterien Verbreitung von Elektroautos und Anteil großer Autos bewertet worden. „Bei den meisten Kriterien ist keine Vorreiterrolle der Leasing-Größen zu verzeichnen“, geht aus der Studie hervor. 

“Schlechte Transparenz bei Daten, schwache Klimaziele und geringe Verbreitung von BEVs – die Bilanz der größten deutschen Leasingunternehmen ist weit davon entfernt, wo sie sein sollte. Autogiganten wie Volkswagen Financial Services oder Alphabet sollten sich schnell vom fossilen Zeitalter verabschieden und die Elektrifizierung in Deutschland und Europa vorantreiben. Nur dann werden sie zu den grünen Vorreitern, die sie vorgeben, zu sein”, erklärt Stef Cornelis, Direktor für Elektroflotten bei T&E.

T&E wirft Leasingfirmen Greenwashing und schleppende Elektrifizierung vor
ALD | Leaseplan sei das einzige Unternehmen, das ganz offiziell ein „grünes“ Ziel verfolge: Jeder zweite Neuwagen der „ALD | Leaseplan“-Flotte soll 2026 ein Elektroauto sein | Bild: Transport & Environment

Nur ein Unternehmen halte seine „grünen“ Versprechungen ein

Die Untersuchung legt auch nahe, dass sich sechs von sieben Leasingunternehmen in Greenwashing üben und Kunden durch ihre Behauptungen zur Elektromobilität in die Irre führen sollen. Abgesehen von ALD/Leaseplan könnten die „grünen“ Versprechungen der sechs anderen Firmen, darunter auch deutscher Unternehmen, nicht nachgewiesen werden. ALD/Leaseplan verfolge nach eigenen Angaben bis zum Jahr 2026 einen Elektroauto-Anteil von 50 Prozent, somit soll bis dahin jedes zweite Fahrzeug der Flotte elektrifiziert sein.

Das Unternehmen Alphabet, das zum BMW-Konzern gehört, hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, das aktuelle Wachstum im Elektroautomarkt zu übertreffen, indem es schneller wachsen will als der Markt selbst. Dennoch hinke der Bestand an vollelektrischen Fahrzeugen von Alphabet im Jahr 2022 mit zwölf Prozent hinter dem deutschen Marktdurchschnitt von 17,8 Prozent her.

VW FS behaupte, aktiv an der Förderung emissionsfreier Mobilität zu arbeiten. Wie aus diversen Medienberichten hervorgeht, sollte das auch so sein. Daten aus Frankreich und Italien würden jedoch darauf hindeuten, dass das Unternehmen bei Neuzulassungen höhere CO2-Emissionen aufweise als der Markt. In Frankreich betrage der Unterschied 111 Gramm CO2/km im Vergleich zu 99 Gramm CO2/km, in Italien seien es 126 Gramm CO2/km gegenüber 120 Gramm CO2/km in der ersten Hälfte des Jahres 2023.

Das Unternehmen Athlon von Mercedes-Benz habe sich das Ziel gesetzt, ein inspirierender Vorreiter im Bereich nachhaltiger Mobilität zu sein und Maßnahmen gegen die Klimakrise zu ergreifen. Allerdings liege der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge von Athlon mit lediglich 7,7 Prozent in Frankreich weit unter dem Marktanteil von 15 Prozent. Daten aus Italien sollen dies ebenfalls bestätigen, da Athlon dort einen Elektroauto-Anteil von 2,8 Prozent im Vergleich zu einem Marktanteil von 3,8 Prozent habe.

T&E wirft Leasingfirmen Greenwashing und schleppende Elektrifizierung vor
Leasingunternehmen wie Volkswagen Financial Services sind in Wahrheit gewichtige Akteure in der Welt der Automobilindustrie und verbuchen Milliardengewinne | Bild: Volkswagen Financial Services

Großer Einfluss auf die Autoindustrie

Cornelis erklärt: „Leasingunternehmen vermarkten sich selbst als grüne Vorreiter, die den Übergang zu sauberen Autos voranbringen. In Wirklichkeit betreiben sie Greenwashing bei ihrer Elektrifizierungsstrategie und täuschen die Verbraucher über ihren Umstieg auf Elektroautos. Es gibt eine echte Chance für diese Unternehmen, grüne Vorreiter zu werden – dafür müssen sie die Verbreitung von Elektroautos vorantreiben und die Emissionen auf unseren Straßen reduzieren.“

Leasingunternehmen agieren oft im Verborgenen, dabei sind sie in Wahrheit gewichtige Akteure in der Welt der Automobilindustrie. Ihr Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der sich der Markt von konventionellen, fossil betriebenen Autos hin zu Elektroautos wandelt, ist enorm. Noch dazu erzielen diese Unternehmen beeindruckend hohe Gewinnmargen, die in der vorliegenden Untersuchung zwischen zwölf und 50 Prozent variieren. Als Beispiel sei angeführt, dass Volkswagen Financial Services (VW FS) Gewinne in Höhe von mehreren Milliarden Euro verbucht hat, während Unternehmen wie Alphabet und Athlon ihre finanziellen Informationen nicht öffentlich preisgeben.

Angesichts ihrer Größe und finanziellen Potenz appelliert die Organisation T&E an die deutschen Leasingunternehmen und ihre europäischen Wettbewerber, sich bis spätestens 2028 das ehrgeizige Ziel von 100 Prozent vollelektrischen Fahrzeugen zu setzen. Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass eine solche Maßnahme zu zusätzlichen 11,9 Millionen Elektroautos auf den Straßen Europas führen könnte und dabei gleichzeitig eine CO2-Einsparung von 73 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2030 ermöglichen würde.

Quellen: Transport & Environment – Pressemitteilung vom 18.10.2023 / Autohaus – Volkswagen Financial Services: Leasing als E-Beschleuniger / flotte.de – Volkswagen Financial Services starten europaweites Elektromobilitätsprogramm für Flottenkunden / Automobilwoche – ALD/Leaseplan stellt sich neu auf

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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