CO2-Studie: Verbrenner verschrotten lohnt sich fürs Klima fast immer

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Daniel Krenzer
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Ein vorhandenes Auto möglichst lange zu fahren, gilt gemeinhin als nachhaltig. Bei Verbrennern könnte allerdings das Gegenteil gelten: Einer aktuellen Studie aus der USA zufolge ist es fürs Klima in den allermeisten Fällen besser, Benziner frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen und durch ein Elektroauto zu ersetzen – selbst wenn der Verbrenner noch fast neu ist. Das knüpft an ähnliche Ergebnisse anderer Studien aus der Vergangenheit an.

„Weiterfahren, bis er auseinanderfällt“ – dieser vermeintlich nachhaltige Grundsatz hält einer neuen Untersuchung von Wissenschaftlern der University of California in Santa Cruz und der UC Santa Barbara offenbar nicht stand, wenn es um die Klimabilanz geht. Die im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie kommt zu einem bemerkenswert klaren Ergebnis: Wer einen Verbrenner durch ein batterieelektrisches Auto ersetzt, sollte dies aus Sicht der CO₂-Bilanz am besten sofort tun.

Die Forscher verglichen mehr als 400 Modelle mit Verbrennungs- und Elektroantrieb. Berücksichtigt wurden unter anderem Energieverbrauch, Batteriegröße, Produktionsemissionen, Strommix und Fahrleistung. Dabei berechneten sie, zu welchem Zeitpunkt innerhalb einer angenommenen Fahrzeuglebensdauer von rund 16 Jahren ein Wechsel zum Elektroauto sinnvoll ist. Das Ergebnis: Rein aus Sicht der CO₂-Emissionen kann es sogar vorteilhaft sein, einen nahezu neuen Benziner zu verschrotten und durch ein Elektroauto zu ersetzen.

Lange Nutzung ansonsten oft sinnvoll

Geschieht der Wechsel bereits innerhalb des ersten Jahres, fallen die kumulierten Emissionen über den betrachteten Zeitraum laut der Studie um rund 58 Prozent geringer aus. Die zusätzlichen Emissionen aus der Herstellung des Elektroautos sind im Durchschnitt nach etwa drei Jahren durch dessen niedrigere Betriebsemissionen ausgeglichen.

Damit stellt die Untersuchung eine häufig vorgebrachte Argumentation infrage. Zwar ist es grundsätzlich sinnvoll, bestehende Produkte möglichst lange zu verwenden. Beim Auto können die Emissionen während der Nutzungsphase jedoch so stark ins Gewicht fallen, dass sich ein früher Technologiewechsel auszahlt.

Ein wesentlicher Grund ist die geringe Effizienz des Verbrennungsmotors. Bekanntermaßen werden nur etwa 20 Prozent der im Benzin enthaltenen Energie tatsächlich für die Fortbewegung genutzt. Elektroautos setzen Energie erheblich effizienter in Bewegung um.

Besonders deutlich fällt das Gesamtergebnis aus: Bei 92 Prozent der untersuchten Szenarien, in denen ein Benziner oder klassischer Hybrid vor dem Ende seiner vorgesehenen Lebensdauer durch ein Elektroauto ersetzt wurde, sanken die gesamten CO₂-Emissionen. Verbrenner verschrotten lohnt sich fürs Klima also fast immer.

Ausnahmen für Wenigfahrer

Ausnahmen gibt es vor allem bei geringer Fahrleistung. Bei Pkw mit weniger als rund 7050 Kilometern pro Jahr kann die Rechnung anders ausfallen, bei SUVs liegt die Schwelle bei knapp 6840 Kilometern. Wobei bei solch geringen Fahrleistungen grundsätzlich hinterfragt werden sollte, ob man wirklich ein eigenes Auto benötigt. Auch besonders effiziente Plug-in-Hybride können unter bestimmten Bedingungen so gut abschneiden, dass ein vorzeitiger Austausch keinen Klimavorteil bringt.

Zudem basiert die Studie auf den Verhältnissen in den USA. Strommix, Fahrzeugbestand und typische Fahrleistungen unterscheiden sich von Deutschland, weshalb sich die konkreten Zahlen nicht eins zu eins übertragen lassen.

Eines ist jedoch entscheidend: Der alte Verbrenner darf nicht lediglich verkauft werden. Damit die berechnete CO₂-Einsparung entsteht, muss er tatsächlich aus dem Verkehr gezogen werden. Fährt das Auto bei einem anderen Besitzer weiter, entfällt ein wesentlicher Teil des Klimavorteils. Mit Blick auf die Emissionen sollte somit selbst ein neuer Verbrenner am besten direkt in die Schrottpresse. Die Forscher sehen deshalb auch Potenzial in staatlichen Programmen, bei denen Verbrenner gezielt stillgelegt und durch Elektroautos ersetzt werden.

Das Verschrotten neuwertiger Autos mit Verbrennungsmotor dürfte dennoch nicht allzu sinnvoll sein. Wer aber ohnehin vor einem Fahrzeugwechsel steht, erhält eine ziemlich klare Botschaft: Aus Klimasicht spricht wenig dafür, mit dem Umstieg auf ein E-Auto noch jahrelang zu warten.

Quelle: UC Santa Cruz – Pressemitteilung vom 6. August 2026; Süddeutsche Zeitung – US-Forscher empfehlen: Verschrottet die Benziner

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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