CAM-Report: Gewinne der Autoindustrie schrumpfen

CAM-Report: Gewinne der Autoindustrie schrumpfen
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Mercedes-Benz

Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Pro ausgeliefertem Auto bleibt den großen Automobilherstellern immer weniger übrig. Im ersten Halbjahr 2026 sank das durchschnittliche Konzern-EBIT je verkauftem Pkw von 1409 auf 1187 Euro, ein Rückgang um 16 Prozent. Für die Branche bedeutet das vor allem eines: Der Spielraum für Rabatte, Modelloffensiven und Investitionen in Elektromobilität und Software wird enger. Auch für das Gesamtjahr ist deshalb mit weiteren Kosteneinsparprogrammen zu rechnen. Das geht aus dem AutomotivePerformance Report des Center of Automotive Management (CAM) hervor, der die Absatz- und Finanzkennzahlen von 15 globalen Automobilherstellern auswertet.

Auffällig ist dabei das Verhältnis zwischen Umsatz und Ergebnis. Das gemeinsame EBIT der untersuchten Konzerne fiel um 17,5 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro, während der Umsatz lediglich um 1,4 Prozent nachgab. Die durchschnittliche EBIT-Marge sank von 3,5 auf 3,3 Prozent. Studienleiter Stefan Bratzel bezeichnet diese Schere als „das eigentliche Alarmsignal des ersten Halbjahres“ und verweist darauf, dass die Branche in dieser Konstellation nicht Marktanteile verliere, sondern Ertragskraft.

Die Gründe liegen laut Report weniger in schwacher Nachfrage als in Kosten und Marktbedingungen. Für mehrere westliche und japanische Anbieter ist die Ertragsschwäche im chinesischen Markt inzwischen der wichtigste einzelne Belastungsfaktor, spürbar etwa bei BMW, Toyota und Volkswagen. Hinzu kommen Zölle sowie höhere Material-, Logistik- und Anreizkosten, die vor allem Hyundai-Kia treffen. Bei GM und Honda schlagen Wertminderungen und Anpassungen der Elektrostrategie durch. Fords Verbesserung von 0,9 auf 3,2 Prozent Marge geht dagegen im Wesentlichen auf eine einmalige Zollerstattung von rund 1,1 Milliarden Euro zurück.

Zwischen Spitzengruppe und Nulllinie liegen Welten

Der Durchschnittswert verdeckt, wie weit die Hersteller inzwischen auseinanderliegen. Mercedes-Benz erzielte mit 4122 Euro je Auto den höchsten Wert, BMW folgt mit 3142 Euro und fällt gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. Dahinter bewegen sich GM, Toyota, Hyundai-Kia, Volkswagen, Tesla und Ford in einer engen Spanne zwischen 1315 und 1694 Euro. Acht der 15 Hersteller liegen oberhalb des Durchschnitts, sieben darunter.

Am unteren Ende reicht die Skala von Suzuki mit 1059 Euro über Renault mit 966 Euro, Mazda mit 960 Euro und Mitsubishi mit 755 Euro bis zu Nissan mit 525 Euro und Stellantis mit 471 Euro. Bei Mazda, Nissan und Stellantis beruht der positive Wert nach verlustreichen Vorjahreszahlen vor allem auf Kostensenkungen, Restrukturierungen und einer Erholung von schwacher Basis. Das CAM ordnet diese Turnarounds als operative Zwischenerfolge ein, nicht als strukturelle Trendwende, da ein Ergebnis nahe der Nulllinie die anstehenden Investitionslasten nicht trägt. Eine Sonderstellung nimmt Honda mit minus 3418 Euro ein, wo hohe Abschreibungen aus der Neuausrichtung der Elektroauto-Strategie belasten.

Wenn Größe nicht mehr vor Ergebnisdruck schützt

Ähnlich uneinheitlich fällt das Bild auf Konzernebene aus. Toyota weist mit 8,8 Milliarden Euro weiterhin das höchste absolute EBIT aus, verlor gegenüber dem Vorjahr aber mehr als fünf Milliarden Euro. Suzuki erreicht mit 10,1 Prozent die höchste Marge, während Mercedes-Benz seine Marge bei 5,4 Prozent weitgehend hielt und Belastungen aus China, niedrigeren Netto-Preisen und Modellwechseln durch Kostensenkungen sowie Beiträge von Financial Services und Vans ausglich. Bei Volkswagen wirkten Aufwendungen aus der Einstellung der US-Produktion des ID.4 und ein ungünstigerer Produktmix. Bratzel betont, entscheidend sei nicht, „wer heute den höchsten Gewinn ausweist“, sondern welches Geschäftsmodell unter anhaltendem Preis- und Transformationsdruck tragfähig bleibe.

Eine Leerstelle benennt der Report selbst: BYD, Geely, SAIC und Chery fehlen, weil zum Stichtag keine vergleichbaren Halbjahresangaben vorlagen. Die Rangfolge ist damit keine vollständige globale Profitabilitätsrangliste. Nach Einschätzung des CAM dürften führende chinesische Anbieter Umsatz und internationale Präsenz weiter gesteigert haben, ohne dass sich dieses Wachstum überall in höheren Margen niederschlägt. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Institut keine breite Entspannung. US-Zölle, der Preiswettbewerb in China, volatile Währungen und weitere Anpassungen der Elektroauto-Portfolios dürften Ergebnis und Margen weiter belasten.

Quelle: Center of Automotive Management (CAM) – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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