Wer 50 Kilowattstunden Strom bezahlt, bekommt nicht zwangsläufig auch 50 Kilowattstunden im Akku gutgeschrieben. Beim Laden eines Elektroautos geht Energie verloren. Wie groß diese Verluste ausfallen, hängt allerdings stark davon ab, wie geladen wird. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC zeigt Unterschiede von wenigen Prozent bis hin zu fast einem Viertel der eingesetzten Energie. Mit einigen einfachen Regeln können E-Auto-Fahrer die Verluste deutlich verringern.
Der ADAC untersuchte beim AC-Laden fünf aktuelle Elektroautos: Mercedes CLA 350 EQ, Renault 5 E-Tech, Tesla Model Y, Volvo EX30 und VW ID.7. An der Haushaltssteckdose mit 2,3 kW gingen je nach Modell 12,7 bis 24,2 Prozent der Energie verloren. Beim Laden mit maximaler Leistung an einer Wallbox waren es dagegen lediglich 5,1 bis 7,0 Prozent. Beim simulierten PV-Überschussladen mit rund 4,1 kW lagen die Werte dazwischen.
1. Wallbox statt Haushaltssteckdose nutzen
Die wichtigste Empfehlung ist eindeutig: Wer regelmäßig zu Hause lädt, sollte nach Möglichkeit eine Wallbox nutzen. Das Laden über die gewöhnliche Schuko-Steckdose dauert aufgrund der geringen Leistung sehr lange. Währenddessen bleiben Steuergeräte und andere Systeme des Elektroautos aktiv und verbrauchen kontinuierlich Energie. Allein dafür können laut ADAC 100 bis 300 Watt benötigt werden. Hinzu kommen mögliche Verluste in der Hausinstallation. Die Haushaltssteckdose sollte deshalb ohnehin nur als Notlösung dienen, zumal diese oft nicht für solche Dauerbelastungen ausgelegt sind, was eine gewisse Brandgefahr bergen kann.
2. Beim AC-Laden möglichst hohe Leistung nutzen
Beim Laden mit Wechselstrom gilt grundsätzlich: Je schneller der gewünschte Ladehub erreicht wird, desto kürzer müssen die Nebenverbraucher des Autos arbeiten. Der ADAC empfiehlt deshalb, an der Wallbox möglichst die maximale vom Fahrzeug und der Installation unterstützte Ladeleistung zu nutzen. Im Test sanken die Verluste gegenüber der Haushaltssteckdose damit bei einigen Fahrzeugen ungefähr auf die Hälfte. Der Renault 5 E-Tech kam beispielsweise auf nur 5,1 Prozent.
3. PV-Überschussladen nicht unnötig stark drosseln
Wer Solarstrom vom eigenen Dach nutzt, befindet sich in einem gewissen Zielkonflikt. Eine geringe Ladeleistung erhöht zwar tendenziell die prozentualen Ladeverluste, ermöglicht aber, mehr günstigen eigenen PV-Strom zu verwenden. Beim ADAC-Test lagen die Verluste beim auf etwa 4,1 kW reduzierten PV-Laden zwischen 8,0 und 12,8 Prozent – und damit höher als bei voller Wallbox-Leistung. Wirtschaftlich kann das trotzdem sinnvoll sein, wenn ansonsten günstiger Solarstrom ins Netz eingespeist werden müsste. Wer ausreichend PV-Leistung zur Verfügung hat, sollte die Ladeleistung aber nicht stärker als nötig herunterfahren.
4. Beim Schnellladen einen kalten Akku möglichst vermeiden
Beim DC-Laden entfällt die Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom im Auto. Die Wandlungsverluste der Schnellladesäule beziffert der ADAC auf durchschnittlich nur etwa drei Prozent. Dafür kann die Temperierung des Akkus zusätzliche Energie benötigen. Besonders ein sehr kalter Akku kostet Energie: Das Aufheizen verursachte im Test zusätzliche Verluste von zwei bis acht Prozent. Insgesamt ermittelte der ADAC beim DC-Laden Verluste zwischen fünf und 15 Prozent. Wer ohnehin unterwegs ist, hat daher günstige Voraussetzungen, wenn der Akku bereits durch die Fahrt auf Temperatur gekommen ist.
5. Vorkonditionieren spart Zeit – nicht automatisch Strom
Eine wichtige Einschränkung betrifft die häufig empfohlene Batterievorkonditionierung. Sie kann die Ladegeschwindigkeit bei niedrigen Temperaturen deutlich erhöhen, spart nach den ADAC-Messungen insgesamt aber keine Energie. Wird der Akku bereits während der Fahrt beheizt, fällt der entsprechende Verbrauch schlicht vor dem Ladestopp statt an der Ladesäule an. Wer ausschließlich die Ladeverluste minimieren möchte, kann beim DC-Laden zudem – sofern das Fahrzeug dies ermöglicht – die Leistung begrenzen. Dadurch entsteht weniger Wärme. Dafür verlängert sich allerdings die Ladepause.
Anzeige im Auto weicht ab
Ladeverluste lassen sich technisch nicht vollständig vermeiden. Die Untersuchung zeigt aber, dass Fahrer erheblichen Einfluss auf ihre Höhe haben. Vor allem dauerhaftes Laden an der Haushaltssteckdose ist energetisch ungünstig. Eine leistungsfähige Wallbox ist für den Alltag meist die effizienteste Lösung – und trotz etwas höherer Verluste kann PV-Überschussladen wirtschaftlich und energetisch weiterhin sinnvoll sein.
Interessant ist zudem der Blick auf den tatsächlichen Verbrauch eines Elektroautos: Die Anzeige im Bordcomputer erfasst die Energie, die während der Fahrt aus dem Akku entnommen wird. Bezahlt werden muss jedoch der Strom, der am Zähler beziehungsweise an der Ladesäule bezogen wird – einschließlich der Ladeverluste. Gerade bei einer Jahresfahrleistung von vielen Tausend Kilometern können daher auch einige Prozentpunkte Unterschied spürbar ins Gewicht fallen.
Unterschiede zwischen den Modellen
Auch zwischen den getesteten Elektroautos zeigen sich deutliche Unterschiede. Beim AC-Laden schnitt der Renault 5 E-Tech an der 11-kW-Wallbox mit 5,1 Prozent Verlust am besten ab, gefolgt vom Tesla Model Y mit 6,1 Prozent. Volvo EX30, Mercedes CLA 350 EQ und VW ID.7 lagen mit 6,9 bis 7,0 Prozent dicht beieinander. Größer wurden die Unterschiede an der Haushaltssteckdose: Hier war das Model Y mit 12,7 Prozent am effizientesten, während beim Mercedes CLA 350 EQ ungewöhnlich hohe 24,2 Prozent verloren gingen.
Beim separaten DC-Test überzeugte vor allem der Hyundai Ioniq 6: Seine fahrzeugseitigen Verluste lagen bei warmer wie vorkonditionierter kalter Batterie bei lediglich einem Prozent und selbst mit kaltem, nicht vorkonditioniertem Akku bei sechs Prozent. In diesem besonders ungünstigen Szenario kam das Tesla Model Y auf zehn Prozent, Renault Mégane E-Tech auf acht und VW ID.3 auf sieben Prozent.
Quelle: ADAC – Ladeverluste beim Elektroauto: Wie hoch sind sie wirklich?









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