Auto China 2026: Peking setzt auf Luxus statt Billig-Stromer

Auto China 2026: Peking setzt auf Luxus statt Billig-Stromer
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Wolfgang Gomoll
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Die China Auto Show in Peking zeigt: Die rein elektrische Antriebs-Monokultur gehört im Reich der Mitte insbesondere bei den heimischen Marken der Vergangenheit an. Gefragt sind insbesondere große SUVs, Vans und jede Menge Rechenleistung für Fahrerassistenz und Unterhaltung an Bord.

Traditionelle Automessen sind tot? Nicht, wenn man nach China blickt. In Peking erreicht der ungebrochene Gigantismus neue Dimensionen. Die Beijing Auto Show des Jahres 2026 umfasst 380.000 Quadratmeter und 17 Hallen. 13 davon sind für die Autobauer reserviert, die 1451 Autos mit in die chinesische Hauptstadt gebracht haben. Der Platz reicht nicht mehr aus. Kein Wunder, denn aktuell sind auf dem größten Automarkt der Welt mehr als 140 Autohersteller vertreten. Das Angebot in den verschiedenen Segmenten ist gigantisch und für externe Besucher nicht allein durch die Vielfalt an Namen und Bezeichnungen unüberschaubar.

Erstmals verteilt sich die größte Automesse Chinas Messe auf zwei direkt gekoppelte Standorte: das China International Exhibition Center in Shunyi und das Capital International Exhibition & Convention Center. Während der zehn Tage, die das Mobilitätsspektakel im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten dauert, rechnen die Veranstalter mit rund einer Million Besuchern. In Peking spricht man deshalb von der größten Automesse der Welt. Alles andere würde dem Selbstbewusstsein der Chinesen nicht gerecht. Zum Vergleich: Die IAA Mobility 2025 in München kam auf mehr als 500.000 Besucher und rund 750 Aussteller aus 37 Ländern.

press:inform | Nio ES9

Die Zeit, in der sich Chinas Industrie vor allem über kleine, günstige Stromer definierte, ist längst vorbei. Oberklassen- und Luxus-Vehikel sind gefragt. Und zwar nicht nur SUVs, sondern mehr denn je auch Vans. Das automobile Gesicht der Messe des Jahres 2026 trägt andere Züge: groß, luxuriös, digital, familienkompatibel und kein Schnäppchen. Wir sind wer und zeigen das auch. „Neun“ gewinnt, lautet die Devise. Da viele Modelle diese Zahl im Namen tragen, trotzt Nio allem Krisengerede und rollt den ES9 ins Rampenlicht, einen vollelektrischen großen SUV mit 900-Volt-Architektur und bis zu 600 kW Ladeleistung. Li Auto präsentiert die Top-Variante des L9. Der Li L9 Livis bietet 2560 TOPS Rechenleistung, eine 800-Volt-aktive Federung und Steer-by-Wire. Der Viel-Marken-Konzern Great Wall Motor hat neben rustikalen Tank-Geländewagen auch den Luxus-Van GWM V9X im Gepäck.

Dieser Wandel der Modellpolitik ist keine Willkür, sondern messerscharfe Kalkulation. Im ersten Quartal des Jahres 2026 soll der Absatz großer SUVs auf 110.000 Einheiten gestiegen sein, was einem Plus von 169 Prozent entspricht. Gleichzeitig litten günstigere Modelle unter dem Auslaufen von Steuervorteilen sowie veränderten Abwrack- beziehungsweise Tauschprämien. Die Tendenz ist klar: Mit Luxuskarossen und großen Autos verdient man am meisten Geld. Das trifft den Nerv der Kunden. Nicht mehr das billigste E-Auto gewinnt, sondern das überzeugendste Gesamtpaket aus Platzangebot, Software, Komfort und Antrieb. Die Attacke der chinesischen Hersteller zielt direkt auf Porsche, BMW und Mercedes.

Der heimische Platzhirsch BYD lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortet gleich im Rudel: mit der dritten Generation des Yuan Plus und dem Sealion 08, einem neuen Flaggschiff-SUV, das als erstes Auto des chinesischen Autobauers in Deutschland das ultraschnelle Flash Charging beherrscht. Besonders spannend dürfte der Sportler Denza Z sein, der beim Festival of Speed in Goodwood seine Premiere feiern soll. Nach Deutschland kommt auch der Ora 5, ein Kompakt-Crossover von GWM, der mit verschiedenen Antriebsvarianten aufwartet. Neben dem Stromer kommt er auch als Benziner und als Hybrid.

press:inform | Ora 5

Das zeigt: In China ist nicht alles, was neu kommt, automatisch rein elektrisch. Die batterieelektrischen Fahrzeuge bleiben stark, doch die Modelle mit Range Extender (Reichweiten-Verlängerer), bei dem der Verbrenner für die Stromversorgung des Batteriepaketes sorgt, sind klassenübergreifend beliebter denn je. Der chinesische Hersteller Xpeng, längst auch in Europa mit mehreren Modellen vertreten, setzt mit dem GX inzwischen ebenfalls auf die Doppelstrategie aus Elektroautos und „Super EREV“. Die Botschaft ist eindeutig: Die Chinesen kaufen die praktische Lösung, also das Auto mit dem Antrieb, der am besten zur aktuellen Situation passt. Wer in der Stadt elektrisch fahren, auf Reisen aber keine Ladeangst haben will, greift zu EREV- und PHEV-Modellen. Also zu einer Kombination aus Bequemlichkeit und unkomplizierter Reichweite. Das zeigt nur eines: Den einfachen chinesischen Standardkunden gibt es nicht.

Der Automarkt im Reich der Mitte wird zunehmend diverser und belegt auch Segmente, die bislang als Nischen galten. Der große Kaufrausch ist erst einmal vorbei. Die Chinesen wollen jetzt nicht mehr nur Auto fahren, sondern eine individuelle Mobilität, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Bei der Rechenleistung geben die Entwickler im Reich der Mitte nach wie vor mächtig Gas. Denn der Wettbewerb hat sich längst von der Motorhaube ins Betriebssystem verschoben. Diese Messe strotzt vor Autos, die nicht nur mit Blech und Newtonmetern punkten wollen, sondern mit Chips, Sensorik, Betriebssystemen, KI-Modellen und Sprachlogik. Das autonome Fahren und eine KI-gestützte Bedienung sind nach wie vor die Ziele der Soft- und Hardware-Entwickler. Geely präsentiert „Full-domain AI 2.0“ und einen Robotaxi-Prototyp. Das Auto soll nicht nur ein möglichst autonomes rollendes Wohnzimmer sein, sondern ein menschlich wirkender Freund und Gesprächspartner.

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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