AMG Lithium stärkt Recycling für E-Auto-Batterie-Produktion

AMG Lithium stärkt Recycling für E-Auto-Batterie-Produktion
Copyright:

shutterstock / 2210692941 | Symbolbild

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 3 min

Durch den globalen Boom der Elektromobilität steigt auch der Bedarf an Batterien und den dafür nötigen Rohstoffen immer weiter an. Einer der wichtigsten Grundstoffe für die Zellproduktion ist dabei Lithiumhydroxid. Seit Herbst 2024 stellt AMG Lithium diesen Rohstoff in der ersten großtechnischen Raffinerie ihrer Art in Europa her. Dabei soll nun auch verstärkt auf recyceltes Material gesetzt werden, um die Rohstoffbasis zu verbreitern und unabhängiger von Importen zu werden.

Die Produktion der Lithium-Anlage läuft bereits seit knapp zwei Jahren im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, und der bisher gebaute erste Anlagenteil kann bereits 20.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr herstellen, so Werkleiter Ralf Phiesel. Das reicht rein rechnerisch aus, um Batterien für eine halbe Million E-Autos herzustellen.

Das Grundstück im Chemiepark ist jedoch von Beginn an auf noch deutlich größere Produktionskapazitäten ausgelegt gewesen. So sollen insgesamt fünf Fabrikmodule entstehen, um am Ende die Produktion von bis zu 100.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr zu ermöglichen. Bisher läuft die Lithium-Produktion mit 85 Mitarbeitenden im Drei-Schicht-System und laut der Produktionsleiterin Doreen Döbber ist Rohstoffmangel dank voller Lager bisher nie ein Thema gewesen.

Warum AMG Lithium auf Recyclingmaterial setzt

Trotzdem will sich AMG Lithium vor einem weiteren Ausbau der Anlage für eine Steigerung der Produktionskapazität zunächst auf die Verbreiterung der Rohstoffbasis konzentrieren. Dafür hatte das Unternehmen bereits kurz vor dem letzten Jahreswechsel einen weiteren Fördermittelbescheid erhalten. Dank diesem kann die Anlage nun so umgerüstet werden, dass bald im großen Maßstab recyceltes Lithiumkarbonat zu Lithiumhydroxid weiterverarbeitet werden kann.

Die bewilligte Fördersumme durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über das STARK-Programm beläuft sich dabei auf 34 Millionen Euro. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Weiterverarbeitung von recyceltem Lithiumkarbonat durch AMG Lithium dann bereits in drei Jahren anlaufen. Laut Phiesel könnte man damit endlich die Lücke schließen, welche bisher zwischen Recyclingunternehmen und Kathodenproduzenten besteht. Dabei hatte AMG Lithium bereits vor drei Jahren eine Kooperation mit dem finnischen Recyclingunternehmen Fortum in Aussicht gestellt, um in Zukunft Material, aus dessen Recyclinganlage in Harjavalta beziehen zu können.

Auf politischer Ebene erhält das Vorhaben von AMG Lithium derweil klaren Zuspruch. Sachsen-Anhalts Wissenschafts- und Energieminister Armin Willingmann hat die Standortwahl des Unternehmens gelobt und sich vor Ort über Zukunftspläne und Produktionsablauf informiert. Auch die bereits bewilligten Fördermittel in Millionenhöhe sprechen für die Unterstützung der Recycling-Initiative von AMG Lithium.

Mehr Unabhängigkeit bei Batterierohstoffen

Der Grund für den Fokus von AMG Lithium auf mehr Recycling liegt in der Notwendigkeit von mehr Unabhängigkeit bei der Beschaffung von Batterierohstoffen begründet. Bisher verarbeitet das Werk in Wolfen schließlich noch einen Großteil seines Materials aus der unternehmenseigenen Mine in Brasilien. Parallel sollen nun jedoch weitere Rohstoffquellen erschlossen werden, die näher am Standort liegen.

So wurde zuletzt beispielsweise auch die Beteiligung am Zinnwald-Projekt im Erzgebirge auf 29 Prozent aufgestockt. Zudem gibt es Bestrebungen, in Zukunft auch mögliche Lithiumvorkommen in der Altmark zu erschließen. Die Möglichkeit zur Verarbeitung von Recyclingmaterial in der Anlage verbreitert die Palette an Rohstoffquellen nochmals deutlich.

Bisher bezieht die EU immer noch circa 80 Prozent des benötigten Lithiums aus Chile und es stammen nach wie vor rund 88 Prozent der Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos aus China. Projekte wie besagte Recycling-Initiative von AMG Lithium reduzieren diese Abhängigkeiten schrittweise und fördern so den sicheren Ausbau der Elektromobilität in ganz Europa.

Quellen: Mitteldeutsche Zeitung – Begehrtes weißes Kristall – AMG Lithium in Wolfen setzt verstärkt auf Recyclingmaterial / AMG – AMG Hosts Successful Opening of Europe’s First Lithium Hydroxide Refinery / Fortum – Fortum Battery Recycling Oy and AMG Lithium GmbH sign MoU for the supply of recycled lithium hydroxide

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Reparieren statt wegwerfen: TU Graz entwirft Design-Regeln für E-Auto-Batterien

Reparieren statt wegwerfen: TU Graz entwirft Design-Regeln für E-Auto-Batterien

Tobias Stahl  —  

Forschende der TU Graz haben neue Gestaltungskonzepte für E-Auto-Batterien untersucht. Die Energiespeicher sollen sicherer, nachhaltiger und günstiger werden.

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

Daniel Krenzer  —  

Die chinesischen Hersteller wollen ab 2027 erste Festkörperbatterien produzieren. Für E-Autos dürfte die Technik aber zunächst eine Nischenlösung bleiben.

Wie in Aachen die europäische Batterieindustrie verteidigt wird

Wie in Aachen die europäische Batterieindustrie verteidigt wird

Daniel Krenzer  —  

Die RWTH Aachen arbeitet an effizienterer Batterieproduktion, Digitalisierung und Recycling. So soll Europa gegenüber Asien wieder Boden gutmachen.

Defekte Akkus: Batteriehersteller CALB verschärft Standards

Defekte Akkus: Batteriehersteller CALB verschärft Standards

Laura Horst  —  

Der Batteriehersteller CALB verschärft seine eigenen Qualitätsstandards, nachdem es wiederholt zu Problemen mit aufgequollenen Zellen gekommen war.

Webasto fertigt Hochleistungsbatterie für AMG GT Coupé

Webasto fertigt Hochleistungsbatterie für AMG GT Coupé

Sebastian Henßler  —  

Webasto produziert in Schierling das Hochleistungsbatteriesystem für das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé, inklusive Modul- und Packfertigung.

Welle an Alt-Akkus in China: Problem und Chance zugleich

Welle an Alt-Akkus in China: Problem und Chance zugleich

Daniel Krenzer  —  

Millionen alte E-Auto-Akkus stellen China vor große Aufgaben. Neue Regeln und digitale Batteriepässe könnten daraus einen Rohstoffkreislauf machen.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.