Batterierecycling: Europa braucht neue Geschäftsmodelle

Batterierecycling: Europa braucht neue Geschäftsmodelle
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Europa verfügt über die technischen Möglichkeiten, wertvolle Rohstoffe aus ausgedienten Elektroauto-Akkus zurückzugewinnen. Wirtschaftlich rechnet sich das Batterierecycling bislang allerdings nicht immer. Eine neue Untersuchung der HHL Leipzig Graduate School of Management sieht dabei weniger die Technologie als vielmehr Prozesse und Geschäftsmodelle als Problem.

Die Analyse ist Teil des EU-Forschungsprojekts Safeloop mit 15 Institutionen aus elf Ländern. Nach Berechnungen der Forscher entsteht einem Recyclingbetrieb derzeit im Durchschnitt ein Verlust von rund 1,90 Euro je Kilogramm Batteriepack, wenn die zurückgewonnenen Rohstoffe anschließend zu üblichen Marktpreisen verkauft werden.

Einer der größten Kostentreiber ist die Logistik. Ausgebaute Lithium-Ionen-Batterien gelten als Gefahrgut, ihr Transport ist der Studie zufolge im Mittel rund 16-mal so teuer wie jener gewöhnlicher Fracht. Hinzu kommen aufwendige Demontageprozesse und Unsicherheiten über Menge und Qualität der zurückgewonnenen Materialien.

Second Life kann wirtschaftlich attraktiver sein

Die Forscher sehen deshalb Potenzial darin, Batterien nicht unmittelbar nach ihrem Einsatz im Fahrzeug zu recyceln. Akkus mit reduzierter Leistungsfähigkeit können beispielsweise noch als stationäre Stromspeicher genutzt werden.

Im untersuchten Szenario steigt der wirtschaftliche Gesamtwert eines Batteriepacks durch eine solche Second-Life-Nutzung über den Lebenszyklus um 64 Prozent. Allerdings entstehen diese zusätzlichen Erlöse häufig nicht bei jenen Unternehmen, die zuvor Kosten für Rücknahme und Recycling tragen.

Die Studie fordert deshalb neue Geschäftsmodelle. Denkbar wären Unternehmen, welche Batterien oder ihre Materialien über mehrere Nutzungsphasen hinweg verwalten und Erlöse aus erster Nutzung, Second Life und Recycling miteinander verbinden.

Auch technische Verbesserungen könnten helfen. Recyclingfreundlichere Batteriedesigns, kürzere Transportwege, automatisierte Demontage und standardisierte Prozesse könnten die Recyclingkosten laut Modellrechnung um rund 34 Prozent reduzieren. Aus dem derzeit angenommenen Verlust von 1,90 Euro je Kilogramm würde dann ein kleiner Gewinn von etwa 13 Cent.

Deutschland bei Batterierecycling technologisch stark

An technologischer Kompetenz mangelt es Europa grundsätzlich nicht. Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung bescheinigte Deutschland zuletzt eine starke Position bei Technologien für die Kreislaufwirtschaft. Beim Batterierecycling konnte Deutschland seinen Anteil an den weltweiten Patenten sogar erhöhen.

Auch eine Analyse des Europäischen Patentamts und der Internationalen Energieagentur zeigt die hohe Innovationsdynamik: Die Zahl internationaler Patentfamilien zu Wiederverwendung und Recycling von Batterien stieg zwischen 2017 und 2023 im Schnitt um 42 Prozent pro Jahr. Allerdings dominieren asiatische Unternehmen das Feld weiterhin deutlich.

Die Herausforderung für Europa besteht daher weniger darin, überhaupt geeignete Recyclingtechnologien zu entwickeln, sondern daraus tragfähige industrielle Strukturen und Geschäftsmodelle aufzubauen.

Recycling wird wirtschaftlich immer wichtiger

Zusätzlichen Druck erzeugt die EU-Batterieverordnung, die künftig Mindestanteile recycelter Rohstoffe in neuen Batterien vorsieht. Gleichzeitig werden mit der wachsenden Zahl von Elektroautos ab den 2030er-Jahren immer größere Mengen ausgedienter Traktionsbatterien verfügbar.

Damit wächst auch die Chance, wichtige Batterierohstoffe stärker im europäischen Wirtschaftskreislauf zu halten und Importabhängigkeiten zu reduzieren. Die aktuelle HHL-Studie macht jedoch deutlich: Technologische Kompetenz allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend wird sein, ob Europa auch wirtschaftlich tragfähige Kreisläufe rund um Batterie, Second Life und Recycling aufbauen kann.

Nicht zuletzt der Blick nach China zeigt, wie stark eine früh verzahnte Batterieproduktion, Rücknahme und Wiederverwertung dazu beitragen kann, geschlossene Rohstoffkreisläufe auch wirtschaftlich zu etablieren.

Quelle: HHL Leipzig Graduate School of Management – Pressemitteilung vom 27. August 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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