BYD könnte Elektro-Kleinstwagen künftig in Ungarn bauen

BYD könnte Elektro-Kleinstwagen künftig in Ungarn bauen
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Sebastian Henßler
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Der chinesische Automobilhersteller BYD bereitet einen Vorstoß in das europäische Kleinstwagensegment vor und setzt dabei auf eine Batterietechnologie, die ursprünglich für den japanischen Markt entwickelt wurde. Wie die japanische Tageszeitung Nikkei berichtet, soll ein neues Elektroauto auf dem sogenannten X-Pack-System basieren, das BYD zuvor für das in Japan verkaufte Kei-Car-Modell Racco konzipiert hatte.

Für Käufer:innen in Europa könnte das bedeuten, dass trotz kompakter Außenmaße mehr Innenraum zur Verfügung steht. Laut Nikkei könnte das neue Modell innerhalb weniger Jahre auf den europäischen Markt kommen. Hintergrund des Vorstoßes ist der verschärfte Wettbewerb auf dem chinesischen Heimatmarkt, der BYD zur globalen Expansion drängt.

Integrierte Bauteile schaffen mehr Raum im Innenraum

Beim X-Pack sind elektrische Komponenten wie der Wechselrichter zur Spannungsumwandlung direkt in das Batteriepaket integriert und unter dem Fahrzeugboden montiert. Bei den meisten Elektroautos sitzen solche Bauteile hingegen separat im vorderen Fahrzeugbereich unter der Motorhaube. Diese Bauweise soll BYD dabei helfen, ein grundsätzliches Problem der sogenannten Kei-Cars zu lösen: In Japan dürfen diese Kleinstwagen maximal 3,4 Meter lang, 1,48 Meter breit und zwei Meter hoch sein, um von einer deutlich geringeren Besteuerung zu profitieren.

Die Regelung stammt allerdings noch aus dem Verbrenner-Zeitalter und macht es schwierig, Batterie und Elektronik unterzubringen, ohne Innenraum oder Crashsicherheit einzuschränken. Laut Nikkei soll das X-Pack-System genau diese Herausforderung adressieren und zugleich wettbewerbsfähige technische Daten für den elektrischen Antrieb liefern.

Nachfrage nach kleinen Elektroautos wächst deutlich

Die weltweit steigende Nachfrage nach kleinen, erschwinglichen Elektroautos begünstigt den geplanten Vorstoß. Auch in Europa wächst der Markt für elektrische Kleinstwagen rasant, unter anderem angetrieben durch Modelle wie den Hyundai Inster und den Renault Twingo. Zwischen Januar und Juli war laut dem Marktforschungsunternehmen Dataforce bereits jedes dritte in Europa verkaufte Kleinstwagenmodell rein batterieelektrisch. Die Verkaufszahlen elektrischer Kleinstwagen stiegen in diesem Zeitraum um 75 Prozent auf gut 102.000 Fahrzeuge, während das gesamte Segment um zwölf Prozent auf mehr als 318.000 Einheiten zulegte.

Die drei meistverkauften Elektro-Kleinstwagen stammten dabei aus Ländern außerhalb Europas: An der Spitze lag der von Leapmotor gefertigte und über Stellantis vertriebene T03 mit gut 35.000 verkauften Einheiten, gefolgt vom südkoreanischen Hyundai Inster mit knapp 23.000 sowie dem in China produzierten Dacia Spring mit gut 19.000 Exemplaren. Das meistverkaufte europäische Modell war der Renault Twingo, der seit seinem Verkaufsstart im März als reines Elektroauto mehr als 14.000 Mal abgesetzt wurde. Bei den klassischen Kleinstwagen mit Verbrennungsmotor führten hingegen weiterhin der Fiat Panda mit knapp 82.000, der Toyota Aygo X mit rund 67.000 und der Kia Picanto mit knapp 38.000 Verkäufen die Statistik an.

Werk in Ungarn könnte Förderkriterien erfüllen

Ein Vorstoß von BYD in dieses Preissegment dürfte den Druck auf europäische Automobilhersteller weiter erhöhen, die bereits mit chinesischer Konkurrenz zu kämpfen haben. Laut Nikkei prüft BYD zudem, ein kleines Elektroauto mit der X-Pack-Technologie direkt in Europa zu fertigen. Damit könnte das Unternehmen von neuen Fördermaßnahmen der Europäischen Union profitieren und gleichzeitig Zölle auf aus Japan importierte Elektroautos umgehen.

Die EU hat eigens die neue Fahrzeugkategorie „E-Cars“ (M1E) angekündigt, die kleine Elektroautos mit einer Länge von maximal 4,2 Metern fördern soll, sofern Fahrzeug und Batterie innerhalb der EU produziert werden. BYD nimmt im vierten Quartal die Produktion im ungarischen Szeged auf, dem ersten Pkw-Werk des Unternehmens in Europa. Wie Executive Vice President Stella Li im Juni mitteilte, sind dort bislang der Kompaktwagen Dolphin Surf sowie das Kleinwagenmodell Atto 2 für die Fertigung vorgesehen.

Quelle: Automobilwoche – Dank platzsparendem Batteriepack: BYD erwägt Elektro-Kleinstwagen für Europa

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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