Alte Batterien aus Elektroautos: viel zu schade fürs Schreddern

Alte Batterien aus Elektroautos: viel zu schade fürs Schreddern
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Fraunhofer IWU

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Nach langjähriger Nutzung haben viele Traktionsbatterien in Elektroautos noch eine Restkapazität zwischen 70 und 80 Prozent. Etwas wenig für den weiteren Einsatz im Fahrzeug, doch einige Zellen könnten zu großen Speichersystemen gebündelt in Privathaushalten, Unternehmen oder bei Stromnetzbetreibern im Second-Life weiter gute Dienste leisten. Gebrauchte Module oder ganze Hochvoltspeicher einfach zu schreddern, hieße also Nutzwert vernichten.

Durch die Reparatur und das Remanufacturing dieser Batterien können nicht nur wertvolle Ressourcen geschont, sondern auch die Lebensdauer der Komponenten verlängert werden. Gezielt aufbereitete Zellen sind wieder fit für einen langjährigen Einsatz in neuen Anwendungen. Wie Komponenten und Zellen aus einer Traktionsbatterie entnommen werden können, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen, erforscht Dr. Rico Schmerler mit seinem Team in einem neuen Projekt am Fraunhofer IWU gemeinsam mit EDAG Production Solutions.

Die künftige Pilotanlage in Chemnitz ist eine Antwort auf den rasant wachsenden Bedarf an effizienten kreislaufwirtschaftlichen Lösungen. Bis 2030 wird sich die Menge an Altbatterien in der EU voraussichtlich mehr als verzehnfachen. Spätestens dann sind Verfahren unabdingbar, die über das Recycling und Schreddern von Batterien hinausgehen.

Eine weitgehend beschädigungsfreie Zerlegung aller Komponenten bis hin zur Zellebene ist Voraussetzung für ein neues Batterieleben dank Austausch defekter oder gealterter Zellen bzw. Module. Genau diese Art Rückbau soll die neue Demontageanlage ermöglichen. Sie soll nicht nur den Bedarf an energieintensiver Neuproduktion verringern, sondern auch Recyclingunternehmen die sortenreine Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe wie Lithium und Kobalt aus nicht mehr aufbereitungsfähigen Zellen für das Recycling erleichtern.

Die Anlage setzt auf die variantenflexible und KI-gestützte Demontage, damit eine wirtschaftliche und sichere Handhabung verschiedenster Hochvoltspeicher gewährleistet ist. Ein integriertes System zur Analyse des Gesundheitszustands (State of Health, SoH) von Modulen und Zellen stelle sicher, dass nur wiederverwendbare Komponenten für einen neuerlichen Einsatz freigegeben werden. Völlig intakte Einheiten können sogar für neue Traktionsbatterien genutzt werden.

Darüber hinaus dient die neue Infrastruktur als Datenplattform zur Standardisierung von Wiederverwertungs- und Recyclingprozessen. Die erhobenen Daten bilden auch die Grundlage für die Weiterentwicklung von Qualifizierungsprofilen von Fachkräften in Sachsen. Interdisziplinäres Wissen aus Mechanik, Elektrotechnik und Informatik wird in vielen Berufsbildern rund um die Automobilität weiter an Bedeutung gewinnen.

Quelle: Fraunhofer IWU – Pressemitteilung vom 02.09.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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