Elektroauto-Batterien: Erst Second-Life, dann Recycling

Elektroauto-Batterien: Erst Second-Life, dann Recycling
Copyright:

Fortum

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Um wertvolle Rohstoffe für neue Batterien wiederzugewinnen, können Altbatterien aus Elektrofahrzeugen recycelt werden. Alternativ können die Batterien aber auch als stationäre Energiespeicher weitergenutzt werden und dazu beitragen, erneuerbare Energien in das Stromnetz zu integrieren, Lastspitzen aufzufangen und so die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Sowohl Recycling als auch die Verlängerung des Lebenszyklus durch Zweitnutzung sind wichtige Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Doch was ist besser – sollte man ausgediente Elektrofahrzeug-Batterien sofort recyceln oder zuvor noch ein zweites Mal nutzen?

Ein Forschungsteam der Universität Münster, der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) und des Lawrence Berkeley National Laboratory (USA) hat diese Frage am Beispiel des US-Bundesstaates Kalifornien untersucht und die Ergebnisse nun veröffentlicht. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Einsatz der alten Batterien als stationäre Energiespeicher langfristig wirkungsvoller zur Einsparung von Treibhausgasemissionen beiträgt als unmittelbares Recycling. Sie empfehlen daher für Länder mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien, Altbatterien aus Elektroautos und Plug-in-Hybriden zunächst als stationäre Energiespeicher wiederzuverwenden.

Die Modellrechnungen zeigen: In Kalifornien können bis 2050 rund 61 Prozent des Bedarfs an Batterien für Elektroautos gedeckt werden, wenn alle Altbatterien aus Elektrofahrzeugen recycelt werden und keine Zweitnutzung stattfindet. Mit dieser Strategie lassen sich etwa 48 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen. Umgekehrt aber – wenn das Second-Life priorisiert wird – lassen sich sogar 56 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß vermeiden.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Menge an verfügbaren Altbatterien aus Elektrofahrzeugen den Bedarf an stationären Energiespeichern in Kalifornien bis 2050 deutlich übersteigt. Allein die Nutzung aller Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die für den Einsatz in stationären Energiespeichern gut geeignet sind, könne den Bedarf an stationären Energiespeichern bis 2050 decken. Daher empfehlen die Autoren, auch bei einer Priorisierung des Second-Life frühzeitig mit dem Aufbau einer Recycling-Infrastruktur zu beginnen.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer systemischen Planung der Batterielieferketten, einschließlich Produktion, Recycling und Zweitnutzung. Länder, die es schaffen, frühzeitig das gesamte System regional aufzubauen und langfristig die Infrastruktur am zukünftigen Bedarf an Batteriematerialien ausrichten, sind besser positioniert, um die Vorteile der Kreislaufwirtschaft für Elektrofahrzeugbatterien zu realisieren.

Vorherige Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Nutzung von recycelten Materialien in der Herstellung von Batterien für Elektroautos weniger Treibhausgasemissionen verursacht als die Verwendung von primären, in Minen abgebauten Rohstoffen. Es war auch bekannt, dass die Zweitnutzung von ausgedienten Elektrofahrzeugbatterien in stationären Energiespeichern deutlich weniger Treibhausgasemissionen verursacht als der Einsatz von Batterien, die aus primären Materialien hergestellt wurden. Bisher hatte allerdings keine Studie diese beiden Optionen systematisch verglichen.

Zur Methode: Die Forscher modellierten auf der Basis von verschiedenen Parametern (beispielsweise Emissionen, Effizienz von Recyclingprozessen, Verkaufszahlen und Lebensdauer von Batterien) drei Szenarien und verglichen sie. Im „Basisszenario“ gingen sie von den tatsächlichen, aktuellen Zahlen aus: 2,5 Prozent der Altbatterien aus Elektrofahrzeugen werden zunächst als stationäre Energiespeicher weitergenutzt, alle anderen werden sofort recycelt. Im „Recycling-Szenario“ werden alle Altbatterien aus Elektrofahrzeugen recycelt, eine Zweitnutzung findet nicht statt. Im „Zweitnutzungs-Szenario“ werden Altbatterien aus Elektrofahrzeugen für das Second-Life priorisiert, bis der Bedarf an stationären Energiespeichern vollständig über ausgediente Altbatterien gedeckt ist. Die verbleibenden Altbatterien werden recycelt.

Quelle: Uni Münster – Pressemitteilung vom 29.07.2025

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

Sebastian Henßler  —  

Autobauer wollen mehr Zeit für die Made-in-Europe-Regeln. Die Batteriebranche hält sie dagegen für nötig, um Jobs zu sichern und die Abhängigkeit zu senken.

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

Ab 2027 fertigt Tesla in Grünheide eigene 4680-Zellen mit bis zu 18 GWh pro Jahr. Damit entsteht von der Zelle bis zum Auto alles an einem Standort in Europa.

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Tobias Stahl  —  

Statt Volumenfertigung und Niedrigpreisen könnten sich Spezialisierung und Flexibilität zum zentralen Hebel für Europas Batteriefertigung entwickeln.

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Sebastian Henßler  —  

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist gestrichen, Deutschlands Pipeline hat sich halbiert. Trotzdem hält T&E die IAA-Vorgaben für erreichbar.

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

Maria Glaser  —  

Die VW-Tochter verschiebt den Produktionsbeginn in St. Thomas um zwei Jahre, um sich damit an die Strategie des Volkswagen-Konzerns anzupassen.

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Sebastian Henßler  —  

Die Gen4-Zellen von ProLogium sollen hohe Sicherheit, große Energiedichte und schnelles Laden verbinden und werden nun bei Mercedes-Benz getestet.

Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener

Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener

Sebastian Henßler  —  

Der Akkuwechsel in China soll künftig nicht mehr an eine einzelne Marke gebunden sein. Geely und Nio wollen gemeinsam Technologien und Standards entwickeln.