Der Batteriehersteller ACC hat seine Pläne für den Bau einer Batteriefabrik in Kaiserslautern endgültig begraben. 2000 Arbeitsplätze sollten dort langfristig entstehen, das ist nun jedoch Geschichte, berichtet der Saarländische Rundfunk (SR).
ACC, ein Gemeinschaftsunternehmen der Autobauer Mercedes-Benz und Stellantis sowie des Energieunternehmens Total, wollte zunächst drei Batteriewerke in Europa errichten: Das Werk im französischen Billy-Berclau produziert bereits, die Pläne für die Werke in Italien und Deutschland hatte ACC allerdings zunächst auf Eis gelegt. Als Grund für die endgültige Absage nannte das Konsortium die anhaltend schwache Nachfrage. Auch das geplante Batteriewerk im italienischen Termoli wurde gestrichen.
„Schockiert eine ganze Region“: Scharfe Kritik von der IG Metall, Enttäuschung beim Betriebsrat
Die IG Metall kritisierte das Aus für die Batteriefabrik in Kaiserslautern scharf: „Während Wettbewerber den Ausbau von Kapazitäten und Innovationen ankündigen, begräbt das Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes-Benz und Total seine Pläne und schockiert eine ganze Region“, so Bezirksleiter Jörg Köhlinger. Seit Jahren hätten sich Betriebsräte und IG Metall für die Ansiedlung eingesetzt. Dabei sei man dem Unternehmen weit entgegengekommen. Auch Land und Bund wollten das Projekt bezuschussen mit hohen Millionenbeiträgen bezuschussen, laut SR-Angaben mit bis zu einer halben Milliarde Euro. Köhlinger nannte die Entscheidung laut einem Bericht der Tagesschau „irrational und verantwortungslos“. Resiliente Lieferketten würden durch solche Entscheidungen nicht entstehen.
Florian Krapf, Betriebsratsvorsitzender bei ACC Deutschland, erklärte, die Entscheidung sei zwar keine Überraschung, er sei aber trotzdem „sehr enttäuscht und frustriert“. Krapf verwies auf die 90 Mitarbeiter, die bereits eingestellt worden seien und die das Werk in Kaiserslautern hätten aufbauen sollen. Die Belegschaft werde die Entscheidung nicht einfach hinnehmen und für das Werk kämpfen, so der Betriebsratsvorsitzende weiter. „Das Werk wäre ein Statement für ganz Europa gewesen“, sagte Krapf.
Werksgelände soll anderweitig genutzt werden
Ähnliche Töne schlägt die Kaiserslauterer Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) an, die ACCs Entscheidung als „bitter“ bezeichnete. „Kaiserslautern war mit der Forschungs- und Entwicklungslandschaft prädestiniert, die Fabrik zu stützen“, so Kimmel. Ihre Gedanken seien auch bei den rund 90 Mitarbeitenden von ACC, die sich jetzt neue Jobs suchen müssten. Man stehe in enger Verbindung zur Landesregierung, um das freiwerdende Gelände weiter zu entwickeln. Es würden Flächen von Unternehmen nachgefragt, insofern sei die Absage auch eine Chance.
„Wir hatten bis zum Schluss gehofft, dass es doch noch zu einer positiven Entscheidung für die Batteriezellenfabrik kommt“, erklärte der Leiter der Wirtschaftsförderungsgessellschaft Kaiserslautern (WFK), Phillip Pongratz. Pongratz sprach von einer „äußerst bedauerlichen“ Entscheidung für Kaiserslautern und den Technologiestandort Deutschland. Kaiserslautern habe alle Voraussetzungen für die Fabrik geschaffen – jetzt würden der Stadt 2000 Arbeitsplätze entgehen. Man wolle jetzt mit ACC sprechen, was mit dem Gelände passieren könnte.
Andrea Bähner, Sprecherin der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, äußerte ebenfalls Bedauern über die „strategische Unternehmensentscheidung“ von ACC und verwies darauf, dass Bund, Land und EU bereits Zusagen über hohe Fördergelder gegeben hatten, weil es sich beim Bau der Fabrik um ein strategisches Großprojekt für Schlüsseltechnologien handelte. Die Landesregierung werde sich laut Bähner jetzt dafür einsetzen, dass eine alternative Nutzung für das Gelände in der Nähe des Opel-Werks in Kaiserslautern gefunden werde.
Quellen: SR – Pläne für Batteriefabrik in Kaiserslautern begraben / Tagesschau – Keine Batteriezellenfabrik in Kaiserslautern – „irrational und verantwortlungslos“







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