Zulieferer FST will mit E-Mobilität „ordentlich wachsen können“

Zulieferer FST will mit E-Mobilität „ordentlich wachsen können“
Copyright:

Freudenberg Sealing Technologies (FST)

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Claus Möhlenkamp, CEO des Dichtungsherstellers Freudenberg Sealing Technologies (FST), gab in einem Interview mit der Automobilwoche einige interessante Einblicke in das derzeitige Geschäft eines Automobilzulieferers: „Ich bin schon lange dabei, aber was wir jetzt erleben, hat es in der Form noch nicht gegeben. Diese Gemengelage ist eine große Herausforderung“, so der Manager.

Die aktuelle Situation sei angesichts mehrerer Krisenherde gleichzeitig „nicht einfach, aber interessant“. Freudenberg Sealing Technologies sei allerdings auch in der komfortablen Lage, „weniger Druck als ein reiner Automobilzulieferer“ zu verspüren, da das Automobilgeschäft nur zu gut 50 Prozent zum Umsatz beitrage. Der Rest komme aus anderen Branchen und Marktsegmenten. Zudem habe FST auch viele Produkte für Autohersteller, „die nicht von der Antriebstechnik abhängen, beispielsweise die Stoßdämpferdichtungen“.

Aber es gibt auch Produkte in unserem Kerngeschäft, bei denen wir zweifelsohne vom Wandel zur E-Mobilität stärker betroffen sind“, räumt Möhlenkamp ein. Vor gut vier Jahren habe der Zulieferer „deshalb einen Transformationsprozess gestartet, der noch viele Jahre andauern wird“. Und der Unternehmenschef zeigt sich „sehr zuversichtlich, dass wir das Verbrennergeschäft komplett ausgleichen und sogar darüber hinaus ordentlich wachsen können“.

Im Bereich der E-Mobilität habe FST derzeit „vier große Arbeitsgebiete, in denen wir Serienaufträge haben“ – beispielsweise spezielle Simmerringe für die schnell drehenden Wellen von E-Motoren, welche eine besondere elektrische Leitfähigkeit aufweisen, was „eine klassische Konversion unserer Produkte in die neue Welt“ darstelle. Ein weiteres Beispiel dafür seien die Flachdichtungen des Zulieferers, die früher als Rahmendichtungen für Ölwannen hergestellt wurden, und heute für Batteriegehäuse.

„Da gibt es für uns eine Menge Potenzial“

In einem klassischen Verbrenner waren in der Vergangenheit 50 bis 70 Produkte von FST verbaut, so Möhlenkamp. Bei einem E-Auto seien es zwar deutlich weniger, da es schließlich „erheblich weniger bewegte Teile“ gebe, allerdings seien die in Stromern eingesetzten Produkte auch höherwertiger. „Da gibt es für uns eine Menge Potenzial“, sagt der CEO. Und zwar so viel, dass er davon ausgeht, dass FST im Automobilgeschäft weiter wachsen wird.

In Sachen Brennstoffzelle ist der Zulieferer ebenfalls aktiv, und zwar seit bereits gut 25 Jahren. Das Unternehmen ist zum Beispiel ins Modul- und Systemgeschäft eingestiegen, um komplette Stacks aufzubauen. „Das ist ein tolles Geschäft, weil wir hier für Freudenberg insgesamt eine Wertschöpfungstiefe von über 70 Prozent sehen“, so Möhlenkamp. Die Produkte aus dem Bereich Brennstoffzelle kommen nicht nur in Pkw zum Einsatz, sondern auch in Trucks, Lkw und dem Schifffahrtsbereich.

Das Geschäft mit der Elektromobilität – konkret mit Batterien und Brennstoffzellen-Systemen – hat sich so gut entwickelt, dass es vor gut einem halben Jahr in einer eigenen Einheit zusammengefasst wurde, der Geschäftsgruppe Freudenberg e-Power Systems.

Quelle: Automobilwoche – „China spielt zunehmend eine isolierte Rolle“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.