Scania hat die weltweit erste Vehicle-to-Grid-Anwendung (V2G) für schwere Nutzfahrzeuge unter Verwendung des Megawatt Charging System (MCS) demonstriert. Der Pressemitteilung des Herstellers zufolge sei damit ein wichtiger Schritt zur Integration von Elektro-Lkw in das gesamte Energiesystem getan.
Vehicle-to-Grid bezeichnet eine Technologie, bei der Elektrofahrzeuge nicht nur Strom aus dem Netz laden, sondern bei Bedarf auch wieder Strom aus der Batterie zurück ins Netz einspeisen können. Möglich wird das durch bidirektionales Laden: Die Energie kann also in beide Richtungen fließen – vom Netz ins Elektroauto und vom Elektroauto zurück ins Netz. Dadurch können Elektrofahrzeuge als mobile Stromspeicher dienen, etwa um Stromspitzen auszugleichen und erneuerbare Energien besser zu nutzen.
Im elektrischen Schwerlastverkehr bietet bidirektionales Laden beziehungsweise V2G besondere Vorteile, da Lkw-Batterien sehr große Energiemengen speichern können. Längere Standzeiten im Depot lassen sich nutzen, um Fahrzeuge gezielt zu laden oder Energie wieder bereitzustellen. Dadurch können Unternehmen Stromkosten senken, Lastspitzen vermeiden und zusätzliche Einnahmen durch Netzdienstleistungen erzielen.
Gleichzeitig hilft V2G dabei, Schwankungen aus erneuerbaren Energien auszugleichen und die Stromnetze zu stabilisieren. Große Lkw-Flotten sind damit mehr, als nur Transportmittel: „Elektro-Lkw verbrauchen nicht nur Strom, sie können auch zu einer aktiven Ressource im Energiesystem werden“, sagt Tobias Ejderhamn, Global Manager für Transformation & New Business bei Scania. Da die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs zunimmt, gewinnt auch die Dynamik dieser Entwicklung an Schwung.
Scania ermöglicht V2G mit Schnellladesystem
Die Versuche von Scania zeigen, dass bidirektionales Laden von schweren Elektro-Lkw auch mit Schnellladetechnologie möglich ist: „Bedeutsam ist dabei nicht nur der bidirektionale Energiefluss an sich, sondern die Möglichkeit, Megawatt-Laden mit intelligentem Energiemanagement zu kombinieren“, sagt Yorben Muller, Produktmanager Charging bei Traton, dem Mutterkonzern von Scania. „Nach unserem Kenntnisstand ist dies eine der weltweit ersten Demonstrationen der Vehicle-to-Grid-Funktionalität unter Verwendung von MCS für schwere Nutzfahrzeuge.“
Scania hat eine Lösung entwickelt, bei der sowohl das bidirektionales Laden als auch das Entladen über das Schnellladesystem unterstützt werden. Dafür wird dieselbe Ladeschnittstelle EVSE genutzt. Die Anlage von Scania erreicht bis zu 1000 Ampere und 750 Kilowatt. Ladegerät und Energiesystem können in Echtzeit miteinander kommunizieren. Lade- und Entladevorgänge werden dadurch dynamisch kontrollierbar und schwere Elektrofahrzeuge können zu aktiven und steuerbaren Komponenten im Energiesystem werden.
Lkw-Flotten für ein nachhaltiges Energiesystem
Der Einsatz von bidirektionalem Laden durch Elektro-Lkw kann die Nutzung lokaler erneuerbarer Energiequellen verbessern. Solarenergie kann beispielsweise zwischengespeichert werden, wenn keine unmittelbaren Abnehmer verfügbar sind.
Daher wandele sich, so Ejderhamn, die Rolle des Flottenbetreibers von einem reinen Anbieter von Transportdienstleistungen hin zu einem Anbieter von Energieflexibilität. „Die Möglichkeit, Hochleistungsladung mit intelligentem und sicherem Energiemanagement zu kombinieren, könnte auch die Wirtschaftlichkeit von batterieelektrischen Lkw stärken, indem sie Flottenbetreibern neue Wege eröffnet, den Energieverbrauch zu optimieren und ihre Betriebskosten zu senken“, fügt Ejderhamn hinzu.
Quelle: Scania – Pressemitteilung vom 26. Mai 2026









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