Studie: Weniger E-Autos würden Europas Stromnetze massiv belasten

Studie: Weniger E-Autos würden Europas Stromnetze massiv belasten
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die Diskussion um die mögliche Lockerung der europäischen CO₂-Flottengrenzwerte für Automobilhersteller bekommt zunehmend eine neue energiepolitische Dimension. Eine Analyse des Fraunhofer ISI im Auftrag von Transport & Environment (T&E) kommt zu dem Ergebnis, dass ein verlangsamter Hochlauf der Elektromobilität nicht nur Folgen für den Verkehrssektor hätte, sondern auch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Netzstabilität und Europas Batterieindustrie erheblich beeinträchtigen könnte.

Laut der Studie müssten die EU-Staaten zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten „im Umfang von 150 zusätzlichen Kraftwerken“ bereitstellen, wenn deutlich weniger Elektroautos auf Europas Straßen unterwegs wären. Das mag für den Laien zunächst absurd klingen, schließlich fahren E-Autos ja ebenfalls mit Strom. Technischer Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung bidirektional ladender Elektroautos für das Energiesystem. Moderne E-Autos gelten immer stärker als „Batterien auf Rädern“, die überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen können.

Im Zentrum steht dabei die sogenannte Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G), also bidirektionales Laden. Sie ermöglicht es Elektroautos, Energie zeitweise zurück ins Stromnetz zu geben. Gerade in einem Energiesystem mit stark schwankender Einspeisung aus Wind- und Solarenergie gilt das als wichtiger Baustein zur Netzstabilisierung.

T&E warnt nun davor, dass eine Aufweichung der Flottengrenzwerte diesen Effekt massiv schwächen würde. Laut Analyse wären im Jahr 2040 rund 49 Millionen Elektroautos weniger in Europa unterwegs, falls die Forderungen des europäischen Automobilverbands ACEA umgesetzt würden. Die Folge: deutlich weniger flexible Speicherkapazität im Netz und ein höherer Bedarf an klassischen Kraftwerkskapazitäten.

Flexibilität würde verloren gehen

Gleichzeitig würde sich der Ausbau erneuerbarer Energien verlangsamen. Laut Studie könnten zwischen 2025 und 2040 rund 37 Prozent weniger neue Photovoltaikanlagen installiert werden. Das entspräche einem Minus von 51 Gigawatt neuer Solarleistung. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien könnte dann deutlich schlechter genutzt werden, weil flexible Verbraucher und Speicher fehlen würden.

Die Diskussion reicht damit weit über die Automobilindustrie hinaus. Denn die Elektrifizierung des Verkehrs wird zunehmend als Bestandteil der gesamten Energieinfrastruktur verstanden. Elektroautos sind nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern perspektivisch mobile Speicher, die Lastspitzen abfedern und Stromnetze stabilisieren können. Entsprechend warnt T&E vor industriepolitischen Folgen eines langsameren Hochlaufs der Elektromobilität.

Bereits im Mai hatte die Organisation berechnet, dass ein Abschwächen der europäischen Flottengrenzwerte 34 Batteriefabriken in der Größe einer Northvolt-Anlage gefährden könnte. Im entsprechenden Szenario könnte die europäische Elektroauto-Produktion bis 2030 im Vergleich zu aktuellen Prognosen um die Hälfte einbrechen. Zusätzlich müsste die EU laut T&E rund 50 Milliarden Euro mehr für Ölimporte ausgeben.

Auch Batterieindustrie massiv in Gefahr

Gerade die Batterieindustrie gilt als entscheidender Zukunftssektor für Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Nach der Krise rund um Northvolt steht die europäische Zellfertigung ohnehin unter Druck. Ein verlangsamter Hochlauf der Elektromobilität könnte diese Probleme zusätzlich verschärfen und Investitionen in lokale Produktionskapazitäten ausbremsen.

T&E kritisiert zudem die politischen Vorstöße aus Teilen der europäischen Automobilindustrie und einzelner Regierungen, die bestehenden CO₂-Vorgaben weiter abzuschwächen. Die Organisation argumentiert, dass Europa dadurch nicht nur Klimaziele gefährde, sondern auch strategische Industriepotenziale verspiele. Während China den Weltmarkt für Batterien und Elektroautos zunehmend dominiert und in den USA trotz politischer Richtungswechsel weiterhin Milliarden in lokale Zellfertigung fließen, ringt Europa noch immer um einen klaren industriepolitischen Kurs.

Die Debatte um das Verbrenner-Aus entwickelt sich damit immer stärker zu einer Frage der Energie- und Industriepolitik. Denn je stärker Elektroautos mit Stromnetzen, Speichern und erneuerbaren Energien verschmelzen, desto größer werden auch die wirtschaftlichen Folgen politischer Richtungswechsel.

Quelle: T&E – Pressemitteilungen vom 12. Mai und 8. Juni 2026

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Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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