Großbritannien plant eine ab April 2028 greifende kilometerabhängige Abgabe für Elektroautos, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Für reine Stromer sollen zunächst 3 Pence (3,5 Cent) je gefahrene Meile fällig werden – also 2,2 Cent pro Kilometer. Plug-in-Hybride zahlen mit 1,5 Pence (1,8 Cent) je Meile die Hälfte, da ihre Fahrer beim Tanken zusätzlich Steuern auf Benzin oder Diesel entrichten.
In der Berichterstattung steht vor allem diese neue Belastung im Mittelpunkt. Weniger Beachtung findet bislang eine weitere Maßnahme der neuen britischen Regierung: Die Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom soll bereits zum 1. Oktober 2026 von fünf auf null Prozent sinken. Davon profitieren auch Besitzer von Elektroautos, die überwiegend zu Hause laden. Die Entlastung kann die spätere Kilometerabgabe abfedern.
Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern entspricht dies einer zusätzlichen Abgabe von etwa 280 Pfund im Jahr (328 Euro) oder gut 23 Pfund (27 Euro) im Monat. Dem steht eine vergleichsweise geringe Ersparnis beim Ladestrom gegenüber. Ein Elektroauto mit einem Verbrauch von 20 kWh je 100 Kilometer benötigt für 15.000 Kilometer rechnerisch 3000 kWh. Bei einem angenommenen durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 26,11 Pence je kWh (0,31 Euro) inklusive der bisherigen fünf Prozent Mehrwertsteuer beträgt die Ersparnis bei ausschließlich privatem Laden rund 37 Pfund (43 Euro) im Jahr.
Ausgleich für fehlende Steuereinnahmen
Hintergrund der neuen Abgabe sind vor allem die langfristig sinkenden Einnahmen aus der Besteuerung von Benzin und Diesel. Mit dem wachsenden Anteil von Elektroautos verliert der Staat Einnahmen, die Verbrennerfahrer bislang über jeden getankten Liter leisten. Die britische Regierung verweist darauf, dass die Kilometerabgabe für Elektroautos weiterhin deutlich niedriger ausfallen soll als die durchschnittliche Kraftstoffsteuer eines vergleichbaren Benzin- oder Dieselautos. Bei den laufenden Energiekosten und somit am Ende oft auch in der Gesamtrechnung dürften Stromer in vielen Fällen ebenfalls im Vorteil bleiben – erst recht, wenn sich Stromtarife mit bidirektionalem Laden zunehmend durchsetzen.
Die Fahrleistung soll anhand des Kilometerstands ermittelt werden. Bei der jährlichen Verlängerung der Fahrzeugsteuer geben die Halter den aktuellen Tachostand und eine Schätzung für das kommende Jahr an. Eine permanente Überwachung oder Ortung der Fahrzeuge ist nach den bisherigen Plänen nicht vorgesehen. Kritisch ist allerdings, dass die Abgabe weder Effizienz noch Fahrzeuggewicht oder Stromverbrauch berücksichtigt. Ein sparsames Elektro-Kleinwagenmodell zahlt je Kilometer genauso viel wie ein großes, schweres Elektro-SUV. Gerade für Vielfahrer kann sich die Belastung zudem deutlich summieren. Es ist perspektivisch zu erwarten, dass ähnliche Regelungen auch in anderen Ländern eingeführt werden.
Quelle: Deutschlandfunk – Neuer Premier Burnham streicht Mehrwertsteuer auf Strom; Focus – Briten planen Kilometer-Abgabe für Elektroautos









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