Nur an jedem dritten Betriebstag war der Wasserstoff-Müllwagen der Stadt Heidelberg seit seinem Start vor dreieinhalb Jahren unterwegs. Jetzt lässt die Abfallwirtschaft den Müllaufbau auf ein neues Diesel-Fahrgestell setzen. Nach technischer Prüfung heißt es in der Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss, der Ende September darüber beriet, das Fahrzeug werde „nie in einen dauerhaften zuverlässigen Betriebszustand versetzt werden können“. Ähnliche Ausfälle melden andere Städte, während Neubestellungen inzwischen überwiegend auf Batterieantrieb setzen.
2025 sammelte der Lkw an 41 Tagen Müll, den Rest übernahm ein älterer Diesel aus der Reserve. Die Umrüstung kostet 240.000 Euro und dauert rund ein Jahr, anschließend dient das Wasserstoff-Fahrgestell als Ersatzteillager. Welche Komponenten defekt sind, nennt die Verwaltung nicht. Andere Betreiber von H2-Müllwagen hätten ihr laut Vorlage dieselben Probleme geschildert. Festgelegt hatte sich Heidelberg auf Wasserstoff bereits 2019, vier Jahre später warb die Stadt mit der nach eigenen Angaben ersten emissionsfreien Müllabholung der Region.
Als Vergleichsmaßstab zieht die Vorlage ausschließlich einen neuen Diesel-Müllwagen für 426.200 Euro heran und weist eine Ersparnis von 186.200 Euro aus. Ein batterieelektrisches Fahrgestell taucht weder als Option noch im Kostenvergleich auf. Mercedes bietet den elektrischen eEconic allerdings seit 2022 in Serie an, und die Stadt lädt seit Jahren elektrische Dienstwagen sowie eine Kehrmaschine.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Leipzig. Die dortige Stadtreinigung kaufte 2024 insgesamt 16 Brennstoffzellen-Müllwagen von Faun, ein Drittel ihrer Sammelflotte. In den ersten zwei Jahren waren diese an 46 Prozent der Tage einsatzbereit, ein Diesel-Müllwagen erreicht rund 80 Prozent. Fällt eines aus, springt offenbar ein Diesel-Lkw des Herstellers ein.
Von leeren Tanks bis zu eingefrorenen Kompressoren
In Bielefeld haperte es bei sieben Wasserstoff-Müllwagen an der Versorgung. Die nächste Tankstelle lag 40 Kilometer entfernt, und als sie zum Jahreswechsel schloss, standen die Fahrzeuge still. Seit April dürfen sie an der Tankstelle der städtischen Wasserstoffbusse tanken, nachdem die Stadtwerke dafür Fördermittel zurückgezahlt haben. Der Umweltbetrieb will dennoch bis Ende 2027 auf batterieelektrische Müllwagen umstellen und dafür Ladeinfrastruktur bauen.
Auch im Linienverkehr der Region gab es Ausfälle. Die Rhein-Neckar-Verkehr setzt in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen Elektro-Gelenkbusse mit einer Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer ein. Im vergangenen Winter froren Kompressoren ein, zeitweise fiel mehr als die Hälfte der 48 Busse aus, und die Heidelberger Linie 20 wurde vorübergehend eingestellt. Müllwagen wie Busse zählen zu den Vorhaben, mit denen Bund und Land die Region zur Wasserstoffregion machen wollten.
Die Förderentscheidungen fielen 2020 und 2021 im Bundesverkehrsministerium unter Andreas Scheuer. Es unterstützte H2Rivers mit 20 Millionen Euro und übernahm 744.000 Euro der 1,2 Millionen Euro, die der Heidelberger Müllwagen kostete. Die Zweckbindung lief nach zwei Jahren aus, das Fahrzeug musste also nur bis 2024 in der Abfallsammlung bleiben.
Seit 2020 hat der Bund 165 H2-Müllwagen gefördert und rund 96 Millionen Euro bewilligt, im Schnitt 580.000 Euro je Fahrzeug. Diese Zahlen nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage. Demnach meldeten die Betreiber 2025 für jedes vierte Fahrzeug Ausfälle an mindestens einem Fünftel der Tage, zwölf standen länger, als sie fuhren. Die Heidelberger Ausfälle waren der Regierung nicht bekannt, Werkstattkosten hat sie nicht übernommen. Sie selbst spricht von einer „ersten Generation“ schwerer Nutzfahrzeuge, deren Ausfälle auf „Anlaufschwierigkeiten bei Technik, Aufbau und Infrastruktur“ zurückgingen.
Batterie statt Brennstoffzelle: Die Betriebe steuern um
Wie schnell die Betriebe umsteuerten, zeigt die Fördertabelle des Bundes. 2021 bewilligte er 131 Brennstoffzellen-Müllwagen und 26 mit Batterie, 2022 waren es 231 Batterie-Lkw und noch 26 mit Brennstoffzelle, obwohl die Wasserstoff-Variante den dreifachen Zuschuss erhielt. Die Frankfurter FES sammelt seit 2023 mit acht batterieelektrischen eEconic, Stuttgart übernahm diesen Sommer die ersten fünf von zehn und baute dafür eine Betriebsstelle mit Ladepunkten und Photovoltaik. Das Einsatzprofil kommt dem Batterieantrieb entgegen: feste Touren, häufiges Anhalten und Anfahren sowie das Laden über Nacht auf dem Hof.
Bei Stadtbussen verläuft die Entwicklung ähnlich. 85 Prozent der gut 4700 emissionsfreien Busse in Deutschland fahren mit Batterie, die 2025 hinzugekommenen Wasserstoffbusse gehen auf Bestellungen von vor ein bis zwei Jahren zurück. Lediglich im Überlandverkehr halten einzelne Landkreise an Wasserstoff fest. Im Rems-Murr-Kreis etwa kommt der Netzausbau für die Betriebshöfe zu langsam voran.
Quelle: cleanthinking – Teurer Fehler: Heidelbergs H2-Müllwagen fährt bald mit Diesel / Stadt Heidelberg – Beschlussvorlage: Umrüstung Abfallsammelfahrzeug mit Wasserstoff Brennstoffzellenantrieb auf Dieselantrieb hier: Bereitstellung einer außerplanmäßigen Verpflichtungsermächtigung








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