Die Wasserstoff-Müllfahrzeuge der Stadtreinigung Leipzig erreichen im laufenden Betrieb deutlich geringere Einsatzquoten als ursprünglich erwartet. Das geht aus einer Auswertung hervor, die der Eigenbetrieb auf Anfrage des fraktionslosen Stadtrats Stefan Rieger vorgelegt hat. Demnach lag die durchschnittliche Einsatzquote der Fahrzeuge im betrachteten Zeitraum bei 45,6 Prozent. Zum Vergleich: Für konventionelle, dieselbetriebene Abfallsammelfahrzeuge geht die Stadtreinigung von einer Einsatzquote von rund 80 Prozent aus.
Die Stadt Leipzig hatte 2024 insgesamt 16 Müllfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb angeschafft, davon sechs Pressfahrzeuge und sechs Drehtrommelfahrzeuge, die auf Touren für Restabfall, Biomüll und Sperrmüll zum Einsatz kommen. Betankt werden die Fahrzeuge über eine eigene Wasserstofftankstelle auf dem Betriebsgelände, die gemeinsam mit den Leipziger Stadtwerken realisiert wurde. Ihre tägliche Reichweite gibt der Eigenbetrieb aufgrund der Kombination aus Wasserstoff- und Elektroantrieb mit rund 150 Kilometern an.
Wartung und Reparatur bremsen den Alltagsbetrieb
Die niedrige Verfügbarkeit hängt laut Stadtreinigung vor allem mit Wartungs- und Reparaturzeiten zusammen. Die restliche Zeit, in der die Fahrzeuge nicht im regulären Sammelbetrieb standen, sei für entsprechende Arbeiten aufgewendet worden. Konkrete Ursachen für den erhöhten Wartungsbedarf nannte die Stadtreinigung in ihrer Antwort an den Stadtrat nicht näher.
Auch finanziell liegen die Wasserstofffahrzeuge deutlich über dem Niveau vergleichbarer Dieselmodelle. Die Anschaffungskosten für die 16 Fahrzeuge summieren sich auf rund 17,66 Millionen Euro, umgerechnet etwa 1,1 Millionen Euro je Fahrzeug. Für vergleichbare konventionelle Referenzfahrzeuge wären laut Stadtreinigung insgesamt rund 5,65 Millionen Euro angesetzt worden. Die Mehrkosten der wasserstoffangetriebenen Flotte belaufen sich damit auf rund 12 Millionen Euro.
Fördermittel gleichen einen Großteil der Mehrkosten aus
Diese Mehrkosten werden nach Angaben der Stadtreinigung durch Fördermittel in Höhe von rund 10,81 Millionen Euro weitgehend kompensiert. Nach vollständiger Auszahlung der Förderung verbleiben demnach Mehrkosten von rund 1,2 Millionen Euro gegenüber konventionellen Referenzfahrzeugen, was durchschnittlich etwa 75.000 Euro je Fahrzeug entspricht. Die ursprüngliche Anschaffung war unter anderem über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie des Bundes gefördert worden.
Bei der Einführung der Fahrzeuge im Frühjahr 2024 hatte die Stadtreinigung Leipzig die Umstellung als wichtigen Schritt zur Dekarbonisierung des eigenen Fuhrparks bezeichnet. Die Flotte sollte nach damaligen Angaben jährlich 544 Tonnen CO2 einsparen und zugleich Lärm sowie Feinstaubbelastung reduzieren. Der Kommunale Verband der Kommunalwirtschaft (VKU) hatte bereits zum Zeitpunkt der Anschaffung darauf hingewiesen, dass sich Wasserstoffantriebe in Müllfahrzeugen bislang nicht als robuste, breit einsetzbare Lösung etabliert hätten und batterieelektrische Antriebe in der kommunalen Abfallwirtschaft weiter verbreitet seien.
Stadtrat Stefan Rieger hatte die aktuellen Zahlen im Rahmen der Ratsversammlung am 2. Juli abgefragt. Die Stadtreinigung Leipzig äußerte sich in ihrer Antwort nicht dazu, ob und in welchem Umfang an Verbesserungen der Einsatzquote gearbeitet wird.
Quelle: Leipziger Zeitung – „Der Stadtrat tagte: Wie haben sich die Wasserstoff-Abfallfahrzeuge der Stadtreinigung Leipzig bewährt?“ / Radio Leipzig – „Was für ein Müll: Hier verschwendet Leipzig über 12 Millionen Euro Steuergeld“ / EUWID Recycling – „Stadtreinigung Leipzig entsorgt Abfall vermehrt mit Wasserstofffahrzeugen“ / Stadtreinigung Leipzig – „Stadtreinigung Leipzig entsorgt Abfall jetzt mit Wasserstofffahrzeugen“









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