Die Feststoffbatterie des finnischen Start-ups Donut Lab hält derzeit die globale Batterie-Community in Aufruhr: Anfang Januar hat das Unternehmen auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas überraschend eine Batterie für Elektrofahrzeuge vorgestellt, die günstig, sicher und extrem leistungsfähig sein soll. Während Donut Lab schon von Serienreife spricht, zweifeln Experten allerdings an der sogenannten „Wunderbatterie“.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Unternehmen einen Durchbruch bei der Batterieentwicklung für Elektroautos verkündet. Bei genauerer Betrachtung geht es vor allem jungen Start-ups vielmehr darum, Aufmerksamkeit zu erregen, etwa bei anstehenden Finanzierungsrunden oder ausstehenden Fördergeld-Anträgen. Die Skepsis bezüglich des Donut-Akkus rührt hauptsächlich daher, dass das junge Unternehmen mit seiner Feststoffbatterie nicht nur eines, sondern gleich zahlreiche Probleme der Elektromobilität von heute lösen will.
Das Start-up verspricht ein geringes Gewicht, rasante Ladezeiten, eine sehr lange Lebensdauer sowie kaum Bedarf an seltenen oder teuren Rohstoffen. Hinzu kommen höchste Sicherheit und ein niedriger Preis, was quasi keinen Wunsch der Elektroautobranche mehr offenlassen würde. Das Handelsblatt spricht von einer Art „Heiligem Gral“ der Batterieforschung, der eine technologische und ökonomische Sensation bedeuten würde, sollte die Beschreibung tatsächlich zutreffen. Gleichzeitig biete sich eine Chance für Europa, zumindest ein Stück weit aus der starken Abhängigkeit von China und seinen Rohstoffen sowie Produktionstechnologien bei Elektroautos herauszukommen.
Verblüffend ist unter anderem die Energiedichte des Akkus, die Donut Lab mit 400 Wattstunden pro Kilogramm angibt. Im Vergleich dazu erreichen heutige Lithium-Ionen-Zellen eine Energiedichte von 300 Wattstunden pro Kilogramm, wobei das Gewicht des Gehäuses, der Kühlung und der Verkabelung noch nicht mit eingerechnet ist. Mit einer höheren Energiedichte erreicht man im Alltag entweder ein leichteres, effizienteres Elektroauto bei gleicher Reichweite oder mit dem gleichen Batteriegewicht mehr Reichweite.
Schnelle Ladezeiten und extreme Lebensdauer
Die Batterie lädt laut dem Hersteller zudem außerordentlich schnell, sodass nach nur circa zehn Minuten ein Füllstand von 100 Prozent erreicht sein soll. Mit der Ladezeit käme der Ladevorgang dem Tanken von benzin- oder dieselgetriebenen Autos deutlich näher und könnte eine der größten Hürden der Elektromobilität beseitigen, insofern die von Donut Lab angegebenen Zeiten sich in der Realität umsetzen lassen und keine Zugeständnisse bei der Zellhaltbarkeit oder spezielle Anforderungen an die Ladeinfrastruktur nötig sind.
Für ein noch viel größeres Erstaunen unter Experten sorgt die Lebensdauer, die das Start-up mit bis zu 100.000 Ladezyklen angibt, was einem mehrfachen Wert der heutigen Batterien entspricht, die im unteren bis mittleren Tausender-Bereich liegen. Der Wert bleibt auch dann groß, wenn Donut Lab einen Zyklus großzügig definiert und etwa Teilzyklen statt Vollladezyklen miteinbezieht.
Günstiger Preis, erhöhte Sicherheit
Durch einen nicht brennbaren Fest-Elektrolyt würde die Sicherheit von Elektroautos deutlich verbessert. Außerdem soll der Akku über ein extremes Temperaturfenster betrieben werden können und bei Kälte kaum Kapazitätsverlust verzeichnen. Nicht zuletzt verspricht Donut Lab einen günstigeren Preis als für gegenwärtige Lithium-Ionen-Batterien.
Der große Haken an der Sache: Alle existierenden Zahlen sind Angaben des Herstellers, die sich nicht überprüfen lassen. Generell sind die verfügbaren Daten momentan auch nicht sehr umfangreich. Dass Donut Lab nur Fördergelder abgreifen will, ist deshalb unwahrscheinlich, weil die Feststoffbatterie laut dem Unternehmen bereits vor dem Serieneinsatz stehen soll. Demnach soll der Akku noch in diesem, spätestens aber im kommenden Jahr eingesetzt werden. Zunächst ist geplant, die Elektromotorräder des Herstellers Verge zu bestücken, grundsätzlich soll die Batterie aber auch für jedes Elektroauto geeignet sein.
Zweifel durch Batteriehersteller geäußert
Für einige Beobachter der Debatte wirken die positiven Eigenschaften des Superakkus aus Finnland unrealistisch. Zu den Skeptikern gehört etwa Yang Honqxin, CEO und Präsident von Svolt. Der Chef des weltweit zehntgrößten Batterieherstellers sprach gegenüber chinesischen Fachmedien von einer Täuschung und erklärte, er glaube nicht an die Existenz einer derartigen Batterie.
Auch auf Online-Plattformen zeigt sich die Mehrheit der Nutzer skeptisch. In den Debatten der Reddit-Foren blieb der größte Teil der Nutzer skeptisch, während ein kleinerer Teil optimistisch blieb. Vollkommen überzeugt von dem Superakku war jedoch nur ein kleiner Kern. Für „physikalisch unmöglich“ hielten die wenigsten Personen die Batterie, aber sie wurde als „praktisch (noch) unwahrscheinlich“ betrachtet. Spätestens im nächsten Jahr sollte sich zeigen, ob Donut Lab eine Revolution im Bereich der Elektromobilität anstoßen wird – oder doch zu viel versprochen hat.
Quelle: Handelsblatt – Was hinter dem vermeintlichen Wunder-Akku aus Finnland steckt







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