In dieser Podcast-Folge habe ich mir ein Thema vorgenommen, das im Schatten der Pkw-Debatte oft zu kurz kommt, für die Elektromobilität aber eine zentrale Rolle spielt: elektrische Transporter. Mein Gesprächspartner ist Matthias Born, Geschäftsführer von VanSelect. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich ausschließlich mit Transportern, Auf- und Umbauten sowie deren Einsatz im Alltag von Handwerk, Logistik und Gewerbe. Nach Stationen bei Mercedes und Volkswagen berät er heute Hersteller, Händler und Großkunden – vor allem dort, wo Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich konkret werden soll.
Im Gespräch ging es zunächst um die Einordnung des Begriffs eLCV. Gemeint sind elektrische Transporter, die sich technisch häufig stark an Pkw-Plattformen orientieren. Genau darin liegt aber auch eine der zentralen Herausforderungen. Batterien, die aus dem Pkw-Bereich übernommen werden, stoßen im Nutzfahrzeugeinsatz schnell an Grenzen. Größere Stirnfläche, höheres Gewicht und zusätzliche Aufbauten sorgen für deutlich höheren Verbrauch. Matthias bringt es nüchtern auf den Punkt: „Man schiebt im Zweifel eine Schrankwand durch die Gegend – das ist physikalisch nicht wegzudiskutieren.“
Ein zentrales Thema war die Nutzlast. Der schwere Akku frisst bei klassischen 3,5-Tonnen-Transportern schnell mehrere hundert Kilogramm Zuladung. Für viele Handwerks- und Logistikbetriebe lange ein echtes Ausschlusskriterium. Positiv ist deshalb die Möglichkeit, elektrische Transporter auf bis zu vier Tonnen aufzulasten und sie trotzdem mit Führerschein Klasse B zu fahren. „Damit ist der Nutzlastnachteil im Grunde weg – zumindest in vielen Fällen“, erklärt Matthias. Gerade für Betriebe mit klaren Tourprofilen, etwa Bäckereien oder Lieferdienste, eröffnet das neue Spielräume.
Deutlich wurde aber auch: Technik allein reicht nicht. Die größte Hürde sieht Matthias im Autohandel. Beratung kostet Zeit, bringt aber oft weniger Provision als der schnelle Dieselabschluss. Viele Verkäufer meiden deshalb die Komplexität elektrischer Transporter. Dabei könnten genau hier Chancen liegen. Branchenfokussierte Testflotten, etwa speziell für Bäcker oder Kühltransporte, würden Hemmschwellen abbauen. Matthias berichtet von einer Messe, auf der von 17 beratenen Bäckern nur einer Elektromobilität grundsätzlich ablehnte. „Es geht – man muss es nur richtig erklären und erlebbar machen.“
Wirtschaftlich nähern sich Diesel und Elektro weiter an. Zwar ist die Leasingrate oft noch höher, doch Strompreise für Unternehmen, PV-Anlagen auf dem Dach, eigene Ladeinfrastruktur und THG-Quoten verbessern die Total Cost of Ownership spürbar. Die größte Sorge bleibt weniger das Geld als die Betriebssicherheit. „Wenn der Fahrer mit Tiefkühlware liegen bleibt, ist das der GAU“, sagt Matthias. Deshalb braucht es realistische Einsatzanalysen statt theoretischer Reichweitenangaben.
Spannend war auch der Blick auf neue Anbieter. Marken wie Maxus sind im Transportersegment bereits sichtbar, weitere – etwa aus dem Geely-Umfeld – stehen in den Startlöchern. Gleichzeitig bleibt die Service- und Ersatzteilversorgung ein kritischer Punkt. Im Gewerbeeinsatz zählt Standzeit mehr als Image. Hier sieht Matthias noch Nachholbedarf, gerade bei neuen Marktteilnehmern.
Mit Blick nach vorn ist er dennoch optimistisch. CO₂-Flottenziele, steigende Dieselpreise und sinkende E-Preise werden den Druck erhöhen. Viele Unternehmen werden mit einzelnen Fahrzeugen starten, Erfahrungen sammeln und dann schrittweise umstellen. „Wer es mit eigenen Daten sieht, ist am Ende am schnellsten überzeugt.“ Nun aber genug der Einordnung – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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